Neue Kreuzritter: Wie die CSU das „C“ eigenwillig interpretiert


Mit Blick auf die Wählerstimmen hat die CSU das Christentum wiederentdeckt. © dpa
So demonstrativ christlich war die CSU wohl noch nie: Wurde das „C“ in ihrem Parteinamen ansonsten wenig betont, so vergeht nun kaum eine Rede führender Politiker der bayerischen Unions-Schwester ohne die Berufung auf die „christlich-jüdische Tradition“ des Landes.

Von Alexander Jungkunz | nordbayern.de

Als sich Markus Söder nun bei deren Tagung in Schwabach von der bayerischen Landessynode verabschiedete, der er als Protestant einige Jahre angehörte, da wiederholte der neue Ministerpräsident sein vehementes Plädoyer dafür, mehr Kreuze in öffentlichen Räumen aufzuhängen.

Worauf Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm antwortete: „Wir sind uns alle einig, dass es nicht ausreicht, dass Kreuze an der Wand hängen, sondern die Kreuze müssen auch im Herzen sein. Sie müssen, in dem was wir tun und sagen, zum Ausdruck kommen.“

Damit brachte der EKD-Ratsvorsitzende recht treffend jenes Unbehagen zum Ausdruck, das nicht wenige empfinden angesichts des neu entdeckten Vorzeigeglaubens der CSU. Denn was die Partei mit dem Verweis auf das „C“ durchaus auch bezweckt, ist durchschaubar: Wer derart massiv betont, wie sehr das Christentum zu Deutschland (oder Bayern) gehöre; wer dazu ergänzt, „der Islam“ gehöre nicht zu Deutschland, „egal in welcher Form“ (Alexander Dobrindt) – wer so agiert, der grenzt natürlich und gezielt andere aus.

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