„Im Wettbewerb der Religionen hat der Islam manchen Selektionsvorteil“


Grafik: TP
Ina Wunn über die Evolution der Religionen, „male loosers“ und den Ärger pakistanischer Touristen

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

In ihrem Buch Barbaren, Geister, Gotteskrieger zeichnet Ina Wunn die Entwicklung der Religion anhand der Evolutionstheorie nach und benennt die gesellschaftlichen und politischen Faktoren, warum den Weltreligionen womöglich eine gewalttätige Renaissance bevorsteht. Telepolis sprach mit der Religionswissenschaftlerin.

Frau Wunn, warum sind Sie überzeugt, dass sich Charakteristika der biologischen Evolutionstheorie auf die Entwicklung von Religionen übertragbar sind? Geht nicht das eine ohne und das andere mit menschlichem Bewusstsein vor?
Ina Wunn: Sie haben vollkommen Recht. Es handelt sich bei Lebewesen einerseits (Materie) und religiösen Überzeugungen (geistige Entitäten) andererseits um völlig verschiedene Kategorien. Dies ist auch der Grund, warum alle Versuche gescheitert sind, die Evolution der Religionen „irgendwie“ an die Evolution des Menschen anzuhängen. Das ist ein klassischer Kategorienfehler, und die entsprechenden Versuche haben dann auch folgerichtig zu keinen Ergebnissen geführt.
Was machen Sie jetzt anders?
Ina Wunn: Ich nehme die biologische Evolutionstheorie, um deutlich zu machen, wie Evolution im Bereich der belebten Natur funktioniert. Die biologische Evolutionstheorie zeigt, dass es zunächst einmal eine fest umrissene, aber zeitlich wandelbare Einheit geben muss, damit überhaupt etwas evolvieren kann. Diese Einheit ist in der Biologie die Art, beziehungsweise die Spezies. Diese Einheit ist fest, da sich nur die Angehörigen derselben Spezies als potenzielle Geschlechtspartner erkennen und sich unter natürlichen Bedingungen ausschließlich untereinander fortpflanzen.

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