Das Kreuz mit dem Laizismus


foto: apa/dpa/peter kneffel Schaut diabolisch aus, soll aber das Gegenteil bedeuten: der bayrische Ministerpräsident Markus Söder mit einem „Amtskreuz“.
Der Staat darf sich nicht mit Religion identifizieren. Das hindert die Bayern aber nicht, sich dem Mainstream der Säkularisierung zu entziehen und einen Fuß hinter die Startlinie der Aufklärung zu setzen

Niko Alm | derStandard.at

Auch wenn die Präambel des deutschen Grundgesetzes „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ formuliert ist, hat Deutschland spätestens mit der Weimarer Reichsverfassung von 1919 die institutionelle Trennung von Staat und Religion vollzogen. Der Staat mischt sich nicht in die Angelegenheiten der Kirchen und umgekehrt. Das Recht geht vom Volk aus; der Staat verzichtet auf religiöse Legitimation und auch auf jegliche andere Legitimation durch eine nichtreligiöse Weltanschauung. Umgekehrt sollte der Staat selbst auch keine Religion als Staatsreligion legitimieren, sondern sich neutral verhalten.

„Abendland in Christenhand“

Das hindert Bayern ein Jahrhundert später nicht daran, sich dem Mainstream der Säkularisierung zu entziehen und einen Fuß hinter die Startlinie der Aufklärung zu setzen. In den Dienstgebäuden bayrischer Behörden müssen ab 1. Juni 2018 Kreuze montiert (oder erst gar nicht abgenommen) werden, um zu verdeutlichen, wer der Herr im Haus ist. Diese Geste ist so unmissverständlich wie einst jene von Heinz-Christian Strache, der Muslimen mit dem Slogan „Abendland in Christenhand“ ein Kreuz entgegenstreckte, das den Kontinent (wohl den österreichischen) als einen christlichen markieren sollte.

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