Die Angst vor der eingeschleppten Tuberkulose


Wissenschaftlern ist es gelungen, einen europaweiten Ausbruch eines multiresistenten Stamms der Tuberkulose (TB) bei 29 Flüchtlingen nachzuweisen. Die Flüchtlinge waren über das Horn von Afrika nach Deutschland gelangt. Quelle: WELT/Kevin Knauer
Seit der Flüchtlingskrise gibt es wieder mehr Tuberkulose-Fälle in Deutschland. Gefährlich sind dabei Infektionen, gegen die Antibiotika nicht mehr helfen. Zur Bekämpfung setzt die Regierung vor allem auf eine Strategie.

Von Claudia Ehrenstein | DIE WELT

Die deutschen Gesundheitsbehörden wussten sehr genau, warum sie Asylsuchende nach ihrer Ankunft in einer Erstaufnahmeeinrichtung auf Tuberkulose (Tbc) untersuchen ließen: die Infektionskrankheit ist in Osteuropa, den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ohne das Baltikum (Gus) und in Afrika sehr verbreitet. Drei Viertel der Tbc-Patienten, die 2016 in Deutschland registriert wurden, kamen aus dem Ausland – allen voran aus Somalia, Eritrea, Afghanistan, Syrien und Rumänien.

Durch die Flüchtlingskrise war die Zahl der registrierten Tbc-Fälle in Deutschland nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) zunächst angestiegen: von 5426 im Jahr 2014 auf 5837 (2015) und 5959 (2016). Im vergangenen Jahr ging die Zahl leicht auf 5486 zurück. Was Experten weiterhin beunruhigt, sind Erregerstämme, die bereits gegen zwei oder mehrere der wichtigsten Antibiotika resistent sind. Der Anteil dieser multiresistenten Keime liegt laut RKI derzeit insgesamt bei rund drei Prozent; bei Patienten aus den Gus-Staaten sind es jedoch mehr als 15 Prozent.

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