Wer nicht glaubt, macht sich verdächtig


Die Al-Azhar in Kairo. Die wichtigste traditionelle religiöse Institution in Ägypten tut sich im Kampf gegen den Atheismus besonders hervor – und findet im Sisi-Regime einen willigen Partner. Foto: Mohamed Ouda / Wikimedia Commons
Autoritäre Regime und religiöse Institutionen in der islamischen Welt eint die Angst vor Kontrollverlust und der Wunsch nach Konformität. Doch auch in der Gesellschaft bleibt der Nichtglaube ein Makel. Müssen die Atheisten erst ihre Stimme finden?

Von Hakim Khatib | zenith

Mit der steigenden Anzahl von Verfolgungs- und Straffällen als auch Diskriminierungskampagnen gegen Atheisten in mehrheitlich muslimischen Ländern im Nahen Osten und in Nordafrika, stellt sich die Frage, ob der Islam nun zur Diskriminierung von Atheisten aufruft oder es noch andere Faktoren gibt, die eine entscheidende Rolle spielen.

Seit März bereitet der parlamentarische Ausschuss für Religion in Ägypten eine Erläuterung zu einem Gesetzesentwurf vor, der Atheismus in Ägypten kriminalisieren soll. Dieser Schritt ist einer von vielen weitern, die Ägypten zur Bekämpfung des Atheismus kürzlich unternahm. Das besagte Gesetz besteht aus vier Artikeln. Der erste Artikel definiert, was der ägyptische Staat genau unter Atheismus versteht; der zweite kriminalisiert den Atheismus und erlegt den Atheisten strenge Strafen auf; der dritte sieht vor, dass die Strafen aufgehoben werden, wenn eine Person ihre atheistischen Überzeugungen ablegt, und der vierte besagt, dass die im Gesetz vorgeschriebenen Strafen für Atheismus »sehr streng« ausfallen sollen.

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