Der digitale Arztersatz: „Mit Maschinen kann man nicht diskutieren“


Der Computer liefert Bilder. Die Entscheidung muss am Ende der Arzt treffen. Bild: Frank Röth
Müssen sich Patienten darauf einstellen, ihre Gesundheit bald vollständig künstlichen Intelligenzen anzuvertrauen? Der Medizinethiker Eckhard Nagel erklärt im Interview, warum er diesbezüglich skeptisch ist.

Von Michael Brendler | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Professor Nagel, ist es ethisch vertretbar, den menschlichen Arzt durch eine Maschine zu ersetzen?

Wenn es darum geht, wichtige oder sogar lebenswichtige Entscheidungen zu treffen, muss die Antwort nein lauten. Schon deshalb, weil man solche Entschlüsse gemeinsam mit dem Patienten treffen muss. Selbstbestimmt über sein Schicksal entscheiden kann dieser aber nur, wenn ihm ein Arzt seine Fragen beantwortet, ihm Diagnosen erläutert und therapeutische Handlungsoptionen aufzeigt. Und das ist keine tabellarische Kalkulation, sondern ein kommunikativer Prozess. Also nichts, was Künstliche Intelligenz leisten könnte.

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