„Man muss mit kompletter Aufhebung des Atomabkommens rechnen“


Israels Ministerpräsident Netanjahu hat neue und schlüssige Beweise“ zu dem geheimen Atomprogramm vorgelegt. Der Iran weist das zurück. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini versucht das Atomabkommen zu retten. Quelle: WELT/Andreas Ebel
Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion sieht Israels Anschuldigungen gegen Iran als „politische Kulisse“: Trump solle es möglicherweise erleichtert werden, Sanktionen wieder aufzunehmen. Ein Aus des Atomdeals sei gut möglich.

Von Philip Kuhn | DIE WELT

WELT: Herr Hardt, hat Sie der Auftritt von Netanjahu kalt erwischt?

Jürgen Hardt: Ich weiß, dass die israelische Regierung klar gegen dieses Abkommen (Atomdeal mit dem Iran, d. Red.) ist. Ich kann diese Position politisch nicht nachvollziehen. Ich weiß, dass es viele Politiker in der Knesset und israelische Militärs gibt, die das Abkommen zwar nicht als optimal erachten, aber der Auffassung sind, dass es besser als kein Abkommen ist. Die Aufkündigung würde nach deren Ansicht die Sicherheit Israels nicht erhöhen, sondern beeinträchtigen.

WELT: Bis zum 12. Mai muss US-Präsident Donald Trump entscheiden, ob die US-Sanktionen gegen den Iran weiter ausgesetzt bleiben oder wieder aufgenommen werden. Falls Letzteres passiert, wäre das ein schwerer Schlag für das Abkommen. Ist der zeitnahe Auftritt Netanjahus bewusst gewählt?

Hardt: Ich sehe einen Zusammenhang mit dem herannahenden Datum des 12. Mai. Trump hat ja schon mehrfach betont, dass er wenig von dem Abkommen hält, ebenso wenig wie Netanjahu. Hier wird vor dem 12. Mai eine politische Kulisse aufgebaut, die möglicherweise Trump die Entscheidung leichter machen soll, die Sanktionen wieder aufzunehmen.

weiterlesen