Wenn «Gefallsucht» in den Tod führt


Selbst als Skelett noch beeindruckend: der Irische Riesenhirsch. (Bild: Rob Hurson / http://www.flickr.com (CC BY-SA 2.0))
Die sexuelle Selektion lässt vor allem männliche Tiere zu Höchstleistungen auflaufen – mit teils überlebensfeindlichen Folgen. Doch kann das Buhlen um die Weibchen tatsächlich ganze Spezies in den Artentod führen?

Kurt de Swaaf | Neue Zürcher Zeitung

Imposanter hätten sie kaum sein können: Zwei Meter hoch an der Schulter, mehr als eine halbe Tonne schwer und Geweihe, die Spannweiten bis zu 3,60 Meter erreichten und locker über 30 Kilogramm wogen. Auf den urzeitlichen Steppen dürften die Tiere unübersehbar gewesen sein. Heute indes lassen sich ihre Überreste nur noch in Museen bestaunen. Die Letzten ihrer Art lebten vor knapp 7000 Jahren in Sibirien. Danach verschwand die Spezies. Die Rede ist vom «Irischen» Riesenhirsch, zoologisch Megaloceros giganteus.

Über die Hintergründe seines Aussterbens liefern sich Wissenschafter noch immer ausführliche Debatten. Lange galten die ausladenden Geweihe als Ursache ihres Verschwindens. Die enormen Gebilde hätten die männlichen Tiere zu viel Kraft gekostet, hiess es. Und dass es so weit hätte kommen können, wäre einer tückischen Triebfeder der Evolution geschuldet: der sexuellen Selektion. Die stolzen Riesenhirsche hätten sich praktisch zu Tode gerüstet – nur, um Erfolg beim anderen Geschlecht zu haben: je grösser die Kopftracht, desto besser. Bis zum bitteren Ende.

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