Bei einer Substanz der Chinesischen Medizin ist Vorsicht geboten


Evodia-Früchte enthalten gefährliche Naturstoffe. (Bild: Universität Basel)
Zwei Naturstoffe in Evodia-Früchten verursachen Herzrhythmusstörungen, die tödlich enden können. In der TCM werden Tees aus den Früchten breit angewendet. In welcher Menge die Stoffe darin gelöst sind, wird jetzt untersucht.

Neue Zürcher Zeitung

Extrakte der Pflanze Evodia rutaecarpa (Stinkeschenfrüchte) werden in der chinesischen Medizin breit eingesetzt, so etwa bei Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, bei menstruellen Beschwerden oder Geschwüren im Mundbereich.

Forschende um Matthias Hamburger von der Universität Basel haben nun in Zusammenarbeit mit Pharmakologen und Toxikologen der Universität Wien die Wirkung von Evodia-Extrakten untersucht, wie die Universität Basel am Mittwoch mitteilte.

Die in Basel aus der Pflanze isolierten Naturstoffe Dehydroevodiamin (DHE) und Hortiamin hätten sich als sehr potente Hemmstoffe von Kaliumkanälen im Herzmuskel erwiesen. Würden diese Kanäle blockiert, könnten schwere Herzrhythmusstörungen, sogenannte Torsade de pointes (TdP) und Kammerflimmern entstehen. Diese können zum plötzlichen Herztod führen.

weiterlesen

1 Comment

  1. Unnötige Panikverbreitung
    Der Artikel beschwört Gefahren von der chinesischen Heilpflanze Evodia rutaecarpa ausgehend herauf, die bis hin zum plötzlichen Herztod reichen sollen. Die experimentellen Tierversuche sind jedoch aus mehreren Gründen nicht auf die Therapiesituation beim Menschen übertragbar.
    (1) Bei den Versuchen wurden ein Methanol-Extrakt oder isolierte Reinsubstanzen verwendet, die sich stark von einer Abkochung unterscheiden, wie sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin üblich ist.
    (2) In der Chinesischen Medizin ist eine leichte Toxizität dieser Arzneipflanze bekannt, daher wird sie einer spezielle Zubereitung unterzogen, die sie entgiftet. In der rohen Form wird sie ausschließlich äußerlich angewendet.
    (3) Für die Anwendung am Menschen liegt für Evodia rutaecarpa in der Chinesischen Medizin eine umfangreiche Erfahrung von mindestens 1800 Jahren vor, sie wurde bereits im ersten Arzneibuch der Geschichte, dem Shennong Bencao Jing erwähnt. Ernste Herzrhythmusstörungen wurden dabei, soweit wir das feststellen konnten, nicht beobachtet. Der erwähnte Forscher Steffen Hering argumentiert, der Herztod könne so schnell eintreten, dass die Ursache des Todes der Aufklärung entgangen sein könnte. Er übersieht, dass in sehr viel zahlreicheren Fällen zunächst einmal weniger schwere Herzrhythmusstörungen zu erwarten wären. Da eine subtile Pulsdiagnose eine der wichtigsten diagnostischen Säulen der Chinesischen Medizin ist, wäre eine Pulsunregelmäßigkeit oder eine andere gefährliche Arrhythmie mit Sicherheit aufgefallen.
    Bisweilen wurden Nebenwirkungen in vormoderner Zeit nicht erkannt, wenn sie mit deutlicher zeitlicher Verzögerung oder erst bei chronischer Anwendung auftraten. In diesem Fall handelt es sich jedoch um eine Sofortwirkung, deren Zusammenhang mit einer Heilkräutereinnahme unmittelbar augenfällig gewesen wäre.
    Eine chinesische Arbeit (Wang 2016) untersuchte systematisch sämtliche Veröffentlichungen der letzten 30 Jahre über Nebenwirkungen der chinesischen Arzneimittelgruppe, der Evodia rutaecarpa angehört, aus chinesischen Datenbanken und der US-amerikanischen Pub Med. Zu Evodia rutaecarpa fanden sich gerade 2 Berichte über Nebenwirkungen. Im ersten Fall wurde der normale Dosisrahmen von 1,5 bis 4,5g mit 12g deutlich überschritten, im zweiten Fall lag mit 6g ebenfalls eine Dosisüberschreitung vor, zusätzlich wurden 10g einer Aconit-Droge verabreicht, die über ähnliche Mechanismen auf das Herz einwirkt. Im ersten Fall kam es zu moderaten Nebenwirkungen, u.a., was das Herz anbelangt, zu Herzklopfen, im 2. Fall zu verlangsamten Puls. Die von den Forschern angegebenen gefährlichen Herzrhythmusstörungen wurden, soweit wir feststellen konnten, nirgendwo beobachtet, geschweige denn Todesfälle.
    Bei vorschriftsmäßiger Anwendung besteht kein Grund zur Besorgnis. Die langen Erfahrungen beim Menschen sagen sehr viel mehr aus als Tierversuche mit nicht-therapieadäquaten Substanzen oder Zubereitungen. Allerdings würde ich von einer gleichzeitige Verabreichung mit Digitalispräparaten oder Arzneimitteln, die auf den Herzrhythmus einwirken, abraten.
    Dr. Axel Wiebrecht
    Erster Vorsitzender des Centrums für Therapiesicherheit in der Chinesischen Arzneitherapie (CTCA), Berlin

    Quelle:
    Wang Y. [Chinese materia medica for warming the interior: Safety analysis and pharmacovigilance considerations] (Chinese). Zhonghua Zhong Yiyao Zazhi 2016;31(7):2688-93

    Liken

Kommentare sind geschlossen.