Roboterforscherin: „Man kann bedingungslose Liebe antrainieren“


foto: ions Julia Mossbridge: Sophia trägt als Hardware im linken Auge eine Kamera, die irgendwann bis zu 100 Bilder pro Sekunde liefern wird und mit einer Software aus neuronalen Netzwerken auf Mikroebene die Mimik des Menschen analysieren kann.

Julia Mossbridge untersucht, wie künstliche Intelligenz die Menschheit in Sachen Liebe weiterbringen könnte

Interview Uta Gruenberger, Conny Lechner | derStandard.at

Sie wird als schlagfertig und belesen beschrieben und passt praktischerweise in einen Koffer. Ihr Name ist Sophia, ein humanoider Roboter des Hongkonger Unternehmens Hanson Robotics, das im vergangenen Jahr durch mehrere plumpe PR-Gags Aufsehen erregte: Im Oktober zum Beispiel verlieh ausgerechnet Saudi-Arabien Sophia die Staatsbürgerschaft. Das Land ist bezüglich Frauenrechte besonders rückständig. Frauenrechtlerinnen, die ohne islamische Kleidung (Hidschab, Abaya) auf die Straße gehen, werden verhaftet.

In westlichen Ländern wurde die Aktion als Verhöhnung der Frauen in Saudi-Arabien bezeichnet. Die Lockerung ultrakonservativer Regeln (Frauen sollen ab Juni Auto fahren dürfen) macht da wenig gut. Dennoch ist Sophia als „Forschungsobjekt“ interessant, ein Roboter, der dem Vernehmen nach noch gar nicht viel mehr kann als andere Vergleichsobjekte. Sie steht im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „Loving AI“ (liebende künstliche Intelligenz) am Institute of Noetic Sciences in Petaluma, Kalifornien, wo die Psychologin Julia Mossbridge untersucht, warum künstliche Intelligenz (KI) die Menschen ausgerechnet in Sachen Liebe weiterbringen soll.

STANDARD: Frau Mossbridge, wie funktioniert Sophia?

Mossbridge: Sophia gibt es einmal als Roboterkörper für öffentliche Präsentationen und Auftritte – da agiert sie mit spezifisch vorprogrammierten Chatbots und schöpft aus einem definierten Pool von Antworten und Reaktionen. Und dann gibt es Sophia auf der Basis des Softwaresystems Open Cog, wenn wir an ihr für diverse Forschungszwecke wie zum Beispiel Loving AI arbeiten. Open Cog verknüpft anhand von neuartigen Denk- und Lernmechanismen das Wissen aus ganz unterschiedlichen Quellen wie Sprache, Audio, Video und Internet. Die Softwareentwicklung ist ein kreativ-offener Prozess, an dem sich jeder interessierte Programmierer beteiligen kann.

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