Denken first, Digitalisierung second!


Grafik: TP
Big Data, Bildung und Kontrollgesellschaft

Philipp von Becker | TELEPOLIS

„Smarte grüne Welt?“ heißt das jüngst erschienene Buch der Sozialwissenschaftler und Ökonomen Tilman Santarius und Steffen Lange. Faktenreich dokumentieren sie darin, dass die „schöne neue Welt“ der Digitalisierung weder aus einer immateriellen „Cloud“ besteht noch zwangsläufig zu ressourcenschonenderen Wirtschaftspraktiken, sondern bisher nur zu einem weiter steigenden Energie- und Ressourcenverbrauch führt. Allein der Stromverbrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) könnte bis 2030 von heute bereits zehn Prozent auf 30 oder gar 50 Prozent des globalen Gesamtverbrauchs anwachsen. Und zur Herstellung all der „smarten Dinge“ unseres jetzigen und zukünftigen Alltags sind wiederum riesige Mengen an Rohstoffen wie Kupfer, Silber oder Aluminium erforderlich. Als eines der Leitprinzipien für eine „nachhaltigere Digitalisierung“ fordern Santarius und Lange deshalb „digitale Suffizienz“ – also etwa auch einen sparsameren Umgang mit der Sammlung und dem Gebrauch von Daten.

In Zeiten, in denen Gesellschaften weltweit der Faszination wachsender Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien wie im Rausch erliegen und Experten und Politiker in Deutschland einhellig zu „mehr und schnellerer“ Digitalisierung mahnen, klingt eine solche Forderung – so richtig sie prinzipiell wohl ist – fast weltfremd und auch wenig attraktiv.

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