Gericht verhandelt über Schmäh-Relief „Judensau“


Judensau an der Stadtkirche Wittenberg. Bild: wikimpedia.org/CC-BY-SA 4.0 – Posi66
Über den Fortbestand eines umstrittenen mittelalterlichen, antisemitischen Reliefs an der Wittenberger Stadtkirche wird am Montag vor dem Amtsgericht der Lutherstadt verhandelt. Im Rahmen einer Zivilklage fordert ein Mitglied einer jüdischen Gemeinde aus Berlin von der Wittenberger Kirchengemeinde die Entfernung der als „Judensau“ bekannten Schmähskulptur. Zur Begründung hieß es, das mehr als 700 Jahre alte Relief beleidige und diffamiere jüdische Mitbürger. Da die Kirchengemeinde die Entfernung der „Judensau“ bislang abgelehnt habe, gebe es keine andere Möglichkeit als den Klageweg. Dabei stützt sich der Kläger unter anderem auf das Antidiskriminierungsgesetz.

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Die Stadtkirchengemeinde hatte sich in der Vergangenheit für den Verbleib des historischen Reliefs an der Außenfassade ihrer Kirche ausgesprochen, aber bereits 1988 ein Mahnmal eingeweiht, das sich kritisch auch auf die Schmähplastik bezieht. Das Sandsteinrelief aus dem Jahr 1305 zeigt einen Rabbiner, der einem Schwein unter den Schwanz schaut und Juden, die an den Zitzen der Sau trinken. Im Mittelalter wurden durch solche Abbildungen, die auch an anderen Kirchen in Deutschland zu finden sind, Juden geschmäht. Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums im vergangenen Jahr war in Wittenberg eine Debatte über den Umgang mit der „Judensau“ entbrannt, die wegen einer nachträglich ergänzten Inschrift auch „Luthersau“ genannt wird.

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