Mütter banden Steine an ihre Kinder und ertränkten sie


Am Ende des Zweiten Weltkriegs findet in Demmin ein Massensuizid statt. Der Film „Über Leben in Demmin“ erzählt, wie die Stadt in Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Erbe umgeht. Quelle: Edition Salzgeber
Angesichts der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg nahmen sich 1945 Tausende Deutsche das Leben. Den mutmaßlich größten Massenselbstmord hat es beim Einmarsch der Roten Armee in Demmin gegeben.

Von Annelie Naumann | DIE WELT

Am 8. Mai, jenem Tag, an dem vor 73 Jahren der Zweite Weltkrieg endete, werden wieder Hunderte Rechte durch das Städtchen Demmin marschieren und Trauerkränze ins Flüsschen dort hinablassen. Mit ihrem „Trauermarsch“ beschwören sie ein dramatisches Ereignis vom Ende des Krieges herauf – den Massenselbstmord von rund 1000 Menschen in der kleinen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.

Es waren viele Frauen, die sich dort selbst und ihren Kindern im Frühjahr 1945 das Leben nahmen. Furcht und Schrecken angesichts der einmarschierenden Roten Armee, so heißt es, trieben sie in den Selbstmord. Überall im Land kam es damals zu Selbsttötungen, oft waren es NS-Funktionäre, die sich im Angesicht der Niederlage umbrachten. Doch eine so hohe Zahl von Suiziden in so kurzer Zeit an einem einzigen Ort, begangen von so unterschiedlichen Menschen, ist beispiellos.

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