Leben in Horden und Schwärmen und andere Ungerechtigkeiten


Bild: JohannesW/Pixabay/public domain
Viele Menschen haben ein Faible für „Gemeinschaft“ oder moderner ausgedrückt: für das eigene Milieu und die Gruppen, zu denen man gehört. Dahinter ist die angenehme Vorstellung, zusammen mit anderen Menschen friedlich und solidarisch zu leben, miteinander gut umzugehen, freundschaftlich zu sein und den Stallgeruch sozialer Kohäsion in der Nase zu haben.

Karl Kollmann | TELEPOLIS

Gelernt wird das bereits in der Schule: Nur durch das Soziale, durch Kooperation ist der Mensch dieses außergewöhnliche und naturbeherrschende Tier geworden, das Fernsehen, Computer und Smartphones erfunden hat, zum Mond fliegt und bald zum Mars oder in andere fremde Welten reisen wird. „Soziales“ heißt aber nicht nur ein Miteinander, sondern ebenso ein Gegeneinander, was gern unter den Tisch fällt.

Heute hat der Begriff Gemeinschaft, ähnlich wie Heimat, allerdings oft einen reaktionären Beigeschmack. Dazu kommt, die meisten Leute kennen aus praktischer Erfahrung die bittere Seite von Gruppen: Sie machen mitunter gehörigen Druck, man tut sich oft schwer hinein zu kommen und man kann ziemlich schnell wieder draußen sein.

Von der grauen Urzeit bis heute ist es so: Die erste Gemeinschaft, der man zwangsläufig angehört, ist die eigene Familie, wobei das früher nicht die kleine Kernfamilie war, sondern eine Horde, die sich bei Bedarf Nahrung oder Frauen von anderen Horden raubte und Widersacher schnurstracks totschlug. Erst mit der sogenannten neolithischen Revolution (vor rund 10.000 Jahren), dem langsamen Sesshaftwerden und dem entdeckten Ackerbau entwickelten sich großfamilienartige, tribale, ortsgebundene Lebensformen. Wobei übrigens die Kernfamilie gar keine junge und moderne Entwicklung ist, sie war schon im ausgehenden Mittelalter die dominante Lebensart in Mittel-, West- und Nordeuropa (so man dazu historische Belege hat).

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