Merkel und Macron: Bloß die USA nicht verärgern


Iranische Reaktion auf das Ende des JCPOA. Der iranische Präsident Rohani am Sprecherpult, links von ihm Außenminister Zarif. Foto: Screenshot/Press TV
Trumps einseitige Aufkündigung des Iran-Abkommens führt die Grenzen der europäischen Souveränität vor

Thomas Pany | TELEPOLIS

Merkel hatte vor einem Jahr, am 28. Mai 2017, in einem Truderinger Bierzelt gesagt, dass sich etwas ändern müsse: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt.“

Ihre Bierzeltrede fand europaweit Beachtung, was daran lag, dass sie mit Donald Trump zu tun hatte, der damals noch nicht lange im Amt war und für die europäische Öffentlichkeit eine ungewohnt deutliche Wortwahl an den Tag legte: „The Germans are bad, very bad“, hatte er zuvor auf einem Treffen mit EU-Spitzen in Brüssel gesagt.

Merkel reagierte darauf und was sie dann im Truderinger Bierzelt sagte, erregte besonders Aufmerksamkeit: „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen“. Und: „Aber wir müssen wissen, wir müssen selber für unser Schicksal kämpfen.“

Ein Jahr später gibt es nun die Gelegenheit, genau zu sehen, wie es um die Eigenständigkeit der Europäer steht. US-Präsident Trump kündigte am 8. Mai 2018 den Ausstieg der USA aus der Atomvereinbarung mit Iran an und am selben Abend noch teilte der französische Präsident Macron im Namen der Regierungschefs in Großbritannien und in Deutschland mit, dass sie diesen Schritt bedauern.

Dem folgten tags darauf Absichtserklärungen, die nahelegen, dass die drei Länder ungeachtet der Entscheidung der USA an der JCPOA-Vereinbarung mit Iran festhalten wollen. Merkel verknüpfte dies mit ihrem früherem Pochen auf mehr Eigenständigkeit in Europa.

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