Das islamische Kopftuch – ein religiöses Symbol?


Konya 1968
Anfangs April erwog die nordrhein-westfälische Regierung – sicherlich auch inspiriert durch die jüngsten Entwicklungen in Österreich – ein Kopftuchverbot für junge Mädchen unter 14 Jahren.

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Der Integrationsminister des Bundeslandes, Joachim Stamp von der FDP, äußerte sich gegenüber den Medien, dass religionsunmündige Kinder nicht dazu gedrängt werden dürfen, ein Kopftuch zu tragen. Daher soll ein Verbot geprüft werden. Einige Tage später meldete sich unter vielen auch die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, zu Wort und warnte in ihrer Erklärung insbesondere vor „Verboten einzelner religiöser Symbole“. Wer das muslimische Kopftuch an Schulen verbieten wolle, löse damit keine Integrationsprobleme, sondern trage vielmehr dazu bei, dass sich Schülerinnen ausgegrenzt fühlen würden, meinte sie zum Vorhaben. Darüber hinaus sei eine solche „Spezialgesetzgebung“ auch verfassungsrechtlich problematisch, da Religionen somit ungleich behandelt würden.

Das islamische Kopftuch stellt entgegen der Ansicht von Christine Lüders kein religiöses Symbol dar, was natürlich auch für alle anderen islamischen Verschleierungsarten zutrifft. Lüders ist natürlich nicht allein mit ihrer falschen und völlig unqualifizierten Auffassung, was allerdings in Anbetracht ihrer Funktion in ihrem besonderen Fall doch etwas bedenklich ist. Jemand, der sich mit Diskriminierungsfragen auseinandersetzt, sollte sich jedoch etwas besser mit dem Islam auskennen und nicht Dinge behaupten, die nicht stimmen. Die Frage, die ich damit als erstes beantworten möchte ist, was unter einem Symbol und einem religiösen Symbol zu verstehen ist.

Ein Symbol ist – wenn man sich an eine möglichst genaue Definition heranwagt – ein Zeichen, das einen tieferen Sinn vermittelt; ein anderer Ausdruck dafür ist Sinnbild. Mit einem religiösen Symbol werden Kerngedanken von Religionen bildlich ausgedrückt, die regelmäßig einen tieferen Sinn haben, der in einer Religion enthalten ist. Auch Zahlen können Symbolcharakter haben, natürlich auch in einer Religion wie die Zahl 3 im Christentum. Christliche Symbole im engeren Sinne sind etwa das Kreuz, welches die Christen an die Passion Jesu erinnert oder die eucharistischen Fische. Die meisten Leser kennen sicherlich auch den Davidstern der Juden, der die Beziehung zwischen Menschen und Gott symbolisiert oder die Menora. Bekannt ist sicherlich auch das achtspeichige Rad des Dharma im Buddhismus und Hinduismus, was wir von der Nationalflagge von Indien kennen sollten. Weniger bekannt sind das achtzackige Stern der Bahai oder das Khanda-Emblem der Sikhs, die ebenfalls religiöse Symbole darstellen.

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