Wer für Grundrechte von Robotern plädiert, treibt ein doppeltes Spiel: Er will die Freiheit der Menschen einschränken


Sind KI-Wesen – und damit auch Sexbots – bald rechtsfähig? Geht es nach dem EU-Parlament, muss darüber dringend diskutiert werden. (Bild: Albert Gea / Reuters)
Können Menschen Roboter missbrauchen? Sind sadistische Sexbots denkbar? Die Entwicklung künstlicher Intelligenz eröffnet ganz neue Problemhorizonte in Sachen Sex, Ethik und Technik. Und die neuen Tugendhüter nutzen die Gunst der Stunde.

Slavoj Žižek | Neue Zürcher Zeitung

Der modische Moralismus erreichte kürzlich mit einer ebenso ernst gemeinten wie geführten Debatte über die Regulierung der Beziehung zwischen Menschen und Sexrobotern einen neuen Höhepunkt. Nachdem ein Sexroboter bei einem Tech-Festival beschädigt worden war, äusserten einige involvierte Parteien die Befürchtung, zukünftig könnten solche Maschinen – die im Laufe der Zeit womöglich Bewusstsein und erste Gefühle entwickeln, ohne bereits über einen eigenen Willen zu verfügen – eine «Klasse legaler Sexsklaven» bilden. Deshalb wäre der rechtliche Begriff der Einwilligung zwingend auch auf Beziehungen mit Robotern auszuweiten.

Diese Ideen können als Spezialfall eines Vorschlags betrachtet werden, den das Europäische Parlament vor einem Jahr vorbrachte. Es trug der EU-Kommission auf, sich mit dem Thema KI auseinanderzusetzen – und dabei auch zu prüfen, ob künstlich intelligenten Wesen Persönlichkeitsrechte zugesprochen werden sollten. Im April 2018 äusserte sich die Kommission nun zwar zu neuen Investitionsmassnahmen, sie liess die Frage zu den Persönlichkeitsrechten aber offen. Doch die impliziten Annahmen, die hinter solchen Vorschlägen stecken, gehören auf den Tisch. Sie lassen sich am Beispiel der Sexroboter in aller Deutlichkeit demonstrieren.

weiterlesen