Mythos von der Sinnstiftung: Brauchen die Deutschen eine nationale Staatserzählung?


Ist die Willkommenskultur die neue Staatserzählung der Deutschen? Angela Merkel lässt sich mit dem syrischen Flüchtling Anas Modamani fotografieren Quelle: Getty Images
Will der Bürger eine Gemeinschaft mit geteilten Erzählungen, Symbolen und Ritualen? Tatsächlich gehört niemand einem Staat mit Haut und Haaren an. Doch dass wir keine Staatserzählungen mehr haben, ist kein Grund zur Resignation.

Von Thomas Schmid | DIE WELT

Soll eine Gesellschaft nicht auseinanderbrechen, sondern „zusammenhalten“, dann braucht sie Erzählungen über sich, über ihre Herkunft und ihre Ziele. So steht es oft zu lesen. Große Erzählungen würden heilen, Sinn stiften. Aus den verwirrend disparaten Einzelheiten, aus denen sich unsere Alltage zusammensetzen, würden sie ein Gesamtbild formen. Eine Art geistiges Haus, in dem wir uns, wenn’s gut geht, heimisch fühlen.

Weil sich diese Erzählungen aber nicht einfach so ergeben und einstellen, heutzutage schon gar nicht, muss man an ihnen arbeiten, sie kreieren. Beiträge dazu will ein Buch liefern, das den anspruchsvollen Titel „Staatserzählungen“ trägt und das auch im Untertitel wenig bescheiden daherkommt: „Die Deutschen und ihre politische Ordnung“. Das Versprechen, das der Titel verkündet, löst das Buch freilich nicht ein.

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