Zwangsverheiratet und vergewaltigt: Weil sie ihren Mann erstochen hat, droht Noura Hussein der Tod


Eine Frau und ein Mann aus Sudan bei ihrer Hochzeit. (Bild: Ariel Schalit / AP)
Die 19-Jährige wurde im Sudan von einem Scharia-Gericht verurteilt. Die Vereinten Nationen bitten die Regierung, sie zu begnadigen: Sie habe in Selbstverteidigung gehandelt.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Noura soll sterben. Sie hat sich gewehrt. Sie war 16, als ihre Familie in Khartum, der Hauptstadt des Sudan, sie mit ihrem Cousin verheiraten wollte. Noura wollte nicht heiraten. Sie floh zu Verwandten, drei Jahre blieb sie dort und beendete ihre Schulausbildung. Dann erklärte ihr Vater, der Hochzeitsvertrag sei aufgelöst, sie könne zurückkommen. Noura glaubte ihm, sie ging zurück, doch ihr Vater hatte gelogen. Gegen ihren Willen fand die Hochzeitszeremonie statt. Fünf Tage lang weigerte sie sich, mit ihrem Cousin Sex zu haben. Am sechsten Tag holte er drei männliche Verwandte zu Hilfe. Sie hielten Noura fest, während er sie vergewaltigte. Am nächsten Tag wollte er es wieder tun. Da wehrte sie sich, sie lief in die Küche, sie fand ein Messer, und als er sie angriff, erstach sie ihn.

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