Proteste in Gaza: Alles von der Hamas gesteuert?


Foto: IDF/gemeinfrei
Bei 60 durch Schüsse der israelischen Armee getöteten Palästinensern im Gazastreifen steht mittlerweile die Bilanz des gestrigen Tages, wie sie Ha’aretz übermittelt. 2.700 palästinensische Demonstranten am Grenzzaun zwischen Gaza und Israel wurden verletzt, mindestens 1.350 durch Schüsse, berichtet die New York Times.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Im Guardian wird von einer ähnlichen Zahl von Opfern (1.360) durch Schüsse mit scharfer Munition berichtet, mit dem Zusatz, dass die meisten in den unteren Gliedmaßen getroffen wurden. Weitere 400 seien durch Splitter verletzt worden und 980 durch das Einatmen von Tränengas. Insgesamt hätten 1.800 Personen Hilfe im Krankenhaus gesucht.

Sämtliche Zahlenangaben gehen letztlich auf Auskünfte der Gesundheitsbehörde im Gazastreifen zurück. Da dies unter der Hamas-Verwaltung steht, gibt es laut New York Times beim Sprecher der israelischen Armee, Colonel Jonathan Conricus, Zweifel an den Zahlen. Viele, die als Verletzte registriert wurden, hätten lediglich Tränengas eingeatmet.

Es gibt noch eine weitere Zahl: 101 Palästinenser seit Beginn der „Gaza-Proteste“ am 30. März getötet worden und „gut über 10.000 wurden verwundet, manche kritisch“, berichtet die Publikation +972, deren Autorenbeiträge sich deutlich von anderen Veröffentlichungen unterscheiden. Der Kurs hebt sich deutlich vom Kurs der Regierung Netanjahu ab. Dass bei +972 auch Positionen der Palästinenser und von NGOs stärker als bei der parteipolitischen Opposition im Parlament aufgenommen werden, fällt nun auch stärker ins Auge als noch vor einiger Zeit.

Der Zusatz, den die Autorin Mairav Zonszein den genannten 101 Todesopfern und 10.000 Verletzten unter den Palästinensern hinzufügt, lautet, „dass von keinem einzigem verletzten Israeli“ die Rede sei, von „keiner Rakete, die nach Israel abgefeuert wurde, obwohl Israel in den letzten Wochen mehrmals Ziele im Gazastreifen angegriffen habe“. (Die palästinensische Aktivisten-Webseite The Electronic Intifada widerspricht, sie berichtet von einem verletzten israelischen Soldaten.)

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