Expertin Scholl: „Wir züchten psychische Zeitbomben“

foto: robert newald Susanne Scholl: „Tschetschenen wurden ins Mittelalter gebombt.“

Deportation, Kriegsgräuel, Punzierung als Untermenschen: Tschetschenien-Kennerin Susanne Scholl wundert nicht, dass mancher von dort Geflüchtete gewalttätig wird. Sie sieht die Gründe in der Geschichte des Landes

Interview Gerald John | derStandard.at

STANDARD: Geraten Tschetschenen wegen einer Gewalttat, wie etwa wegen Mordes an einem siebenjährigen Mädchen, in die Schlagzeilen, denken und posten viele Menschen: Typisch Tschetschenen! Hatten Sie auch schon einmal diesen Reflex?

Susanne Scholl: Ich nicht, aber ich kenne ja auch Land und Leute – und gerade der aktuelle Mord ist schon gar kein Anlass für diesen Reflex. Der mutmaßliche Täter war offenbar ein psychisch schwerst gestörter Bursche, wie es ihn auch in einer original österreichischen Familie geben kann. Mit dem ethnischen und kulturellen Hintergrund hat die Tat überhaupt nichts zu tun.

STANDARD: Die Erfahrungen des Burschen, der mit zwei Jahren aus Tschetschenien nach Wien kam, können schon eine Rolle spielen.

Scholl: Natürlich. Dieser Bub wurde in einen Krieg hineingeboren. An seiner Tat gibt es nichts zu relativieren, aber ich gehe davon aus, dass er ein Trauma mitschleppt, und wenn es jenes der Eltern ist. Wer als Kind in Tschetschenien war, hat erlebt, wie Maskierte Verwandte verschleppten, Spielkameraden von Minen zerfetzt wurden – und während der russischen Bombardements haben die Großeltern in den Kellern erzählt, wie sie unter Stalin in Viehwaggons nach Kasachstan deportiert wurden und nur deshalb den Winter überlebten, weil sie sich in Erdlöchern eingruben. Da ist es kein Wunder, dass tschetschenische Familien unter schweren posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

weiterlesen

Advertisements

Schiffswrack: „Made in China“ vor 800 Jahren

Reiche Fracht: 800 Jahre alte Keramikgefäße eines vor Java gesunkenen Frachters aus dem alten China © The Field Museum/ Pacific Sea Resources
Älter als gedacht: In einem Schiffswrack vor der Küste Indonesiens haben Taucher einen entscheidenden Fund gemacht. Sie fanden Keramik mit eingeritzten Herkunftszeichen – eine alte Version des heutigen „Made in China“. Das Spannende daran: Der darin genannte Ortsname existierte nur bis zur Mongoleninvasion im Jahr 1278. Das Schiff und seine Fracht sind daher rund hundert Jahre älter als gdacht – und stammen aus einer wichtigen Umbruchszeit in Chinas Handel.

scinexx

In den 1980er Jahren stießen Fischer in der Javasee zwischen Java und Borneo auf das Wrack eines halbzerfallenen Schiffs. Der hölzerne Rumpf war größtenteils zerstört, so dass die reiche Fracht dieses Schiffes zutage trat: Der Frachter hatte tausende von Keramikgefäßen und luxuriöse Handelswaren geladen, darunter auch Elefantenstoßzähne und wohlriechende Harze. Ersten Schätzungen nach kam dieser Frachter aus China und war rund 700 Jahre alt – so dachte man jedenfalls.

weiterlesen

Armin Laschet will Islam staatlich anerkennen

Will den Muslimen in Deutschland eine Tür öffnen: Armin Laschet (Archivbild)
Nicht zum ersten Mal trommelt der Regierungschef von Nordrhein-Westfalen dafür, das Verhältnis zwischen Muslimen und dem deutschen Staat neu zu ordnen. Das Problem ist nur: Der Islam spricht nicht mit einer Stimme.

Deutsche Welle

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat sich erneut dafür ausgesprochen, den Islam in Deutschland staatlich anzuerkennen – ähnlich wie dies für christliche Kirchen und die jüdischen Gemeinschaften im Staatskirchenrecht verankert sei. Zuständig dafür seien die Länder, sagte Laschet dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er freue sich, „wenn die Bundeskanzlerin uns bei unseren Bemühungen unterstützt“.

Bisher fehle freilich ein Ansprechpartner für den Staat. „Es geht um die Frage: Wer spricht für die Muslime?“ Der größte Moscheeverband Ditib müsse sich aus seiner direkten Abhängigkeit vom türkischen Staat lösen und zu einer deutschen Institution werden, forderte der CDU-Politiker. Dieser Wandel sei „nötig, um zu einem anderen Finanzierungssystem zu kommen“. Dann würden auch Imame dauerhaft in Deutschland ausgebildet. Den Weg zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts müsse die Religionsgemeinschaft allerdings selbst gehen, der Staat dürfe sie „nicht einmal dabei unterstützen“.

weiterlesen

Hans-Christian Ströbele: „Ich trage einige Geheimnisse der RAF mit mir herum“

„Ich war gut im Schießen“: Western-Fan Ströbele Foto: Paulus Ponizak
Die Antwort kam prompt. Und sie fiel positiv aus. „Lieber Herr Ströbele, würden Sie mir ein Interview über das Altern geben?“, hatte ich per SMS gefragt. Und Hans-Christian Ströbele hatte rasch geantwortet: „Ja, würde ich. Bitte rufen Sie nächste Woche an.“

Von Markus Decker | Berliner Zeitung

Als ich im Büro des 78-Jährigen in Berlin-Moabit erscheine, ist er reservierter. „Ich muss ja nicht alles beantworten“, sagt er, leicht mürrisch. Das allzu Persönliche und Emotionale behagt Ströbele nicht. Die Antworten fallen dann kürzer aus. Und während der Anwalt und langjährige grüne Bundestagsabgeordnete bei den heiteren Themen auf seinem Bürostuhl vorrutscht, rutscht er bei den weniger heiteren schon mal ein Stück zurück.

Tatsächlich hat für Hans-Christian Ströbele hat eine neue Lebensphase begonnen, nachdem er das Parlament im Herbst verlassen und sein Büro Unter den Linden geräumt hat. Sein Renteneintritt kommt über zehn Jahre später als üblich. Und nach wie vor hat Ströbele keine Lust auf Ruhestand. Als wir uns nach neunzig Minuten bei einbrechender Dämmerung im Flur verabschieden, ist er wieder ganz in seinem Element. Es geht um die Politik – und um die Zukunft. Das ist sein Leben.

weiterlesen

Kritik an MeToo: Gegen den Hashtag-Feminismus

Salma Hayek bei einer Solidaritäts-Veranstaltung für die MeToo-Bewegung während des Filmfestivals in Cannes Bild: dpa
Mehr Forderungen an die Frauen: Svenja Flaßpöhler entdeckt in der MeToo-Debatte patriarchale Denkmuster und beschwört eine neue Weiblichkeit.

Von Elena Witzeck | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Großangelegte Bewegungen haben die Eigenschaft, Maximen zu generalisieren und Komplexität aufzulösen. MeToo ist ein gutes Beispiel dafür. Zu den vielen Kritikern, die sich seit vergangenem Herbst an der Debatte abarbeiten und damit bisweilen auch für neue, intelligente Perspektiven gesorgt haben, gehört die Philosophin Svenja Flaßpöhler. Ihre These, die von ihr als Hashtag-Feminismus bezeichnete Initiative wiederhole patriarchale Denkmuster, führt sie jetzt in einem schmalen Büchlein mit einem leider pinken Umschlag und einen nach Sexualratgeber klingenden Titel aus. Neben der Kritik an der „Aufmerksamkeitsökonomie“ der Bewegung enthält es aber auch Vorschläge, wie man es besser machen könnte.

weiterlesen

Mein Gott – oder was ist christlich?

© Bild: APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Das Christentum hat ein Verhältnis zum Staat gefunden, das ein friedliches Zusammenleben ermöglicht.

Helmut Brandstätter | kurier.at

Viktor Orbán will eine „christliche Demokratie des 21. Jahrhunderts“, Papst Franziskus mahnt im neuen Dokument „Oeconomicae et pecuniaeriae quaestiones“ ein gerechteres Wirtschaftssystem ein und kritisiert die Finanzindustrie als „Ort der Egoismen und Missbräuche“, der Chef der historisch antiklerikalen FPÖ zeigte bei Wahlkämpfen das Kreuz wie eine Monstranz, und bei der türkisen ÖVP vermissen manche christlich-soziale Traditionen. Was ist christlich? Und welche Rolle soll der Glaube in der Politik aufgeklärter Staaten spielen?

Pfingsten ist heute, der 50. Tag nach Ostern, Aufbruch für das Christentum. Die Apostelgeschichte erzählt vom Treffen der Jünger Jesu zum jüdischen Fest Schawout: „Als der Pfingstsonntag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten. Auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

weiterlesen

Wer sind die Reichsbürger, wer sind die rechten Christen?

Reichsbürger-Pässe mit der Aufschrift „Deutsches Reich“ (imago / Christian Ohde)
Mit Dramaturg Tobias Ginsburg und Juristin Liane Bednarz diskutieren wir im Grillo-Theater in Essen über Reichsbürger und rechte Christen. Beide Gruppen pflegen eine Opfer-Mentalität und versuchen, ihre Gedanken in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Moderation: Christian Rabhansl | Deutschlandfunk Kultur

Verschwörungstheorien dienen der Sinnstiftung für ein Leben am Rand oder außerhalb unserer Gesellschaft. Reichsbürger und rechte Christen fühlen sich als Opfer einer als zu liberal empfunden Welt. Rechte Christen sind seit Jahren auf dem Vormarsch und kämpfen gegen Zuwanderung, Homosexualität oder „Gender-Mainstreaming“. Was wollen die beiden Gruppen? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Hören

Einsteins kosmologische Konstante

Abb. 1: Die Erde verformt den Raum lokal. Andere Massen werden damit vom geraden Weg abgelenkt. Bild: TP
Vor hundert Jahren veröffentlichte Albert Einstein seine fundamental neue Gravitationstheorie allerdings unter der Bezeichnung „Allgemeine Relativitätstheorie“. Das Neue dieser Theorie im Vergleich mit Newton war, dass die Bewegung von sich anziehenden Massen als ungestörte Inertialbewegung im gekrümmten Raum beschrieben werden konnte.

Raúl Rojas | TELEPOLIS

Die übliche Visualisierung der einsteinschen Theorie ist in Abb. 1 wiedergegeben. Das Raumzeitgewebe um die Erde krümmt sich durch die Gravitation, so dass z.B. ein Ball, welcher anfänglich in diesem Gravitationsfeld geradeaus „abrollt“, sofort abgelenkt wird. Statt wie bei Newton eine Fernwirkung zwischen Massen zu postulieren, wird gegenseitige Anziehung als ungestörte Bewegung in einem lokalen Raum verstanden, der jetzt einer gewissen Krümmung unterliegt. Beispielsweise beugen sich Lichtstrahlen, die keine Ruhemasse besitzen, der Krümmung des Raumes folgend. Das ist in der klassischen Theorie nicht so ohne Weiteres verständlich.

Allerdings war Einstein über die kosmologischen Konsequenzen der neuen Theorie besorgt. Es reiche nicht, wenn man erklären könne, wie Raum und Zeit sich in der Umgebung von Himmelskörpern verhalten. Man müsse auch an die Unendlichkeit des Raumes denken und sich die Grenzbedingungen vorstellen. Eine Welt, in der nur die Anziehung der Gravitation am Werk ist, kann nicht statisch sein und läuft Gefahr in sich zu kollabieren. Einstein dachte jedoch, das Universum bestünde seit ewigen Zeiten und würde für immer existieren.

Im Jahr 1917 veröffentlichte Einstein die Arbeit „Kosmologische Betrachtungen zur allgemeinen Relativitätstheorie“. Dort bespricht er zunächst die Newtonsche Theorie, um dann zur eigenen überzugehen. Wir können hier die Einstein-Gleichung nicht im Detail begründen, aber für unsere Zwecke reicht es zu wissen, dass diese die Form hat:

Geometrie der Raum-Zeit = Verteilung von Energie und Materie

Der Physiker John Wheeler hat die Einstein-Gleichung so beschrieben: „Der Raum sagt der Materie, wie diese sich zu bewegen hat, die Materie sagt dem Raum, wie sich dieser zu krümmen hat.“ Raum und Zeit sollte man also nicht von Materie und Energie getrennt denken.

weiterlesen

Martin Walser bezeichnet Paulskirchenrede als „menschliches Versagen“

ARCHIV – 19.12.2016, Baden-Württemberg, Birnau: Der Schriftsteller Martin Walser. (zu dpa: „Schriftsteller Walser verliert Buch mit persönlichen Notizen“ vom 25.04.2018) Foto: Felix Kästle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa/Felix Kästle
Im Jahr 1998 hat Martin Walser eine umstrittene Rede in der Frankfurter Paulskirche gehalten. Damals sprach er von der „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“. Heute spricht er von einem „Fehler“.

DIE WELT

In einem Gastbeitrag für die WELT AM SONNTAG bezeichnet der Schriftsteller Martin Walser sein Verhalten bei und nach seiner umstrittenen Paulskirchenrede im Jahr 1998 als „Fehler“ und „menschliches Versagen“.

Als er damals von der „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“ sprach, habe er die deutschen Intellektuellen Günter Grass und Walter Jens und ihre Haltung zur deutschen Wiedervereinigung gemeint, ihre Namen aber nicht genannt und so das Missverständnis zugelassen, er spreche von jüdischen Organisationen.

weiterlesen

Mehr als die Hälfte der ausgereisten Dschihadisten hat deutschen Pass

Themenbild.
Der Bundesregierung liegen laut einem Medienbericht Erkenntnisse zu „mehr als tausend Islamisten aus Deutschland“ vor, die zur Unterstützung einer Terrororganisation in Richtung Syrien und Irak

stern.de

Der Bundesregierung liegen laut einem Medienbericht Erkenntnisse zu „mehr als tausend Islamisten aus Deutschland“ vor, die zur Unterstützung einer Terrororganisation in Richtung Syrien und Irak ausgereist sind. Mehr als die Hälfte der ausgereisten Dschihadisten besitze nach Angaben der Sicherheitsbehörden die deutsche Staatsangehörigkeit, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Sonntag unter Berufung auf eine Antwort der Regierung auf Anfrage der Linken.

weiterlesen

Quantenmessung

Bild: SPEA-2014
Wenn ein makroskopischer Messprozess unter denselben Bedingungen wiederholt wird, stellt sich immer dasselbe Ergebnis ein.

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Die Anfangsbedingungen determinieren also den Messzustand.

Der Zustand Z1 eines (isolierten) Makrosystems determiniert Z2.

Bei einem mikroskopischen Messprozess kann es hingegen vorkommen, dass wiederholte Messungen unter exakt denselben Bedingungen zu verschiedenen Messergebnissen führen. Diese Abweichungen lassen sich nicht durch praktische Ungenauigkeiten der Messapparate oder eine theoretische Unvollständigkeit der Quantenmechanik begründen. Vielmehr lässt sich für jedes mögliche Messergebnis nur eine Wahrscheinlichkeit in Form der Wellenfunktion angeben. Der endgültige Messzustand kann prinzipiell nur durch den Messprozess erkannt und nicht aus den Anfangsbedingungen abgeleitet werden.

Der Zustand Z1 eines Mikrosystems determiniert nicht Z2

Die Interpretationen der Quantenmechanik beschäftigen sich mit den ontologischen und philosophischen Konsequenzen u.a. aus dieser empirischen Erkenntnisgrenze. Die Kopenhagener Deutung geht davon aus, dass das Messergebnis erst durch den Messvorgang bestimmt wird. Der Aufenthaltsort eines Elektrons ist zum Beispiel vor der Messung verschwommen und durch die Wellenfunktion repräsentiert. Erst mit der Messung kollabiert diese Wellenfunktion und der Aufenthaltsort wird festgelegt. Die Übertragung dieser Deutung auf die für uns mit unseren Sinnen unmittelbar zugängliche Welt, hat zu solch markanten Sprüchen wie „Existiert der Mond auch dann, wenn keiner hinsieht?“ oder Schrödingers berühmten Katze geführt.

Das seltsame an dieser Interpretation ist, dass Teilcheneigenschaften nach ihr bis zu dem Messvorgang keinen konkreten Wert haben sollen. Dieser Wert sei also nicht nur epistemologisch nicht feststellbar, sondern ontologisch unbestimmt. Meiner Meinung nach entsteht diese Seltsamkeit aber nur dadurch, dass man behauptet, das Teilchen hätte vor der Messung eine bestimmte Eigenschaft, und nur dessen Wert läge nicht fest. Wenn man aber den Aufenthaltsort oder den Spin nicht als eine Eigenschaft des Teilchens, sondern der Wechselwirkung des Teilchens ansieht, verschwindet die ganze Verwirrung. Das Teilchen erhält die Eigenschaft Spin mitsamt seinem Wert erst im Moment der Wechselwirkung. Das bedeutet jedoch nicht, es gäbe keine festen Regeln, bei welchen Wechselwirkungen welche Eigenschaften entstehen, deren Werte gemessen werden können.

weiterlesen

„Suche Frieden“ und finde die staatstreue Christenlehre

Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung des 101. Katholikentags in Münster; Bild: Christian Pulfrich / CC BY-SA 4.0
Der Katholikentag in Münster zeigt erneut, dass von den Großkirchen ein Widerspruch gegen die Militarisierung der deutschen Politik nicht zu erwarten ist

Peter Bürger | TELEPOLIS

Zu Recht wird der Katholikentag 2018 mit dem Motto „Suche Frieden …“ und ca. 90.000 Teilnehmenden in Medien und kirchlichen Gremien als ein erstaunlicher Erfolg bewertet. Der Katholik Horst Seehofer, der in Opposition zum Papst eine rechtspopulistische Flüchtlingspolitik etablieren will, kam trotz Zusage allerdings nicht nach Westfalen. Seine „Anreise“-Probleme wurden mehrheitlich als Angst vor Buhrufen gedeutet.

Zwei Protagonisten, ZdK-Präsident Thomas Sternberg und Kardinal Reinhard Marx, haben in Münster von dem dort versammelten Kirchenvolk hingegen viel Rückhalt bekommen. Wenn die Beifallskundgebungen und Programmschwerpunkte zählen, wird das Kirchenschiff hierzulande einen offenen Kurs Richtung Ökumene und Synodalität halten.

Für die Herrschaft eines klerikalen Männerbundes unter Ausschluss der Frauen und wahnhafte Projekte der Priesterselbstanbetung in zentralisierten Mega-Gemeinden gibt es keine Akzeptanz mehr.

Trotz des fast flächendeckenden Traditionsabbruchs in katholischen Landschaften kann wohl keine Rede davon sein, dass der Katholizismus als soziales und politisches Phänomen bereits tot wäre. Vielleicht ist das Zeitfenster, in dem eine Transformation der letzten traditionellen Milieus auf Zukunft hin gelingt, doch noch nicht ganz geschlossen?

Ein Urteil in dieser Sache fällt schwer, zumal das Münsterland nicht repräsentativ ist. Auch nach einem durchgreifenden Sprechsprachenwechsel hält sich oft über Jahrzehnte der Eindruck, das alte Idiom wäre nach wie vor sehr lebendig. Der Schein trügt, und das wird dann manchmal wie über Nacht offenbar.

Möglicherweise wäre ich als katholischer Pazifist zu optimistisch von Münster nach Hause gefahren, wenn mir nicht eine improvisierte Passage in der Abschlusspredigt von Kardinal Reinhard Marx geholfen hätte, mein Unbehagen am Friedensprogramm der Großveranstaltung besser zu verstehen.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofkonferenz sprach auf dem Schlossplatz über Jesu Auftrag an seine Jünger und kam zum Kern:

Der Friede, die Liebe, die Versöhnung, das, was von vielen verlacht wird, von denen, die meinen, mit militärischer Macht und mit kühler Überlegung würden wir alleine den Frieden gewinnen. Das alles mag notwendig sein. Ich mach’ keine Kritik der Politik hier – im Gegenteil. (Hervhg. D. A.) Ich bemühe mich immer wieder, dankbar zu sein und bin es auch, für alle, die sich engagieren. Aber wir als Christen wissen auch, es braucht einen Überschuss, es braucht ein „Mehr an Hoffnung“.

Kardinal Reinhard Marx, Predigt vom 13. Mai 2018

Hier wird es auf den Punkt gebracht, was als gleichsam amtliche Linie des überaus bunten Kirchentags auf allen Fernsehbildschirmen ansichtig werden sollte. Die römisch-katholische Kirche in Deutschland will kein Urteil abgeben über das grundlegende Konzept „militärischer Macht“, welches nach Ansicht der maßgebenden Köpfe ja „notwendig sein mag“ und offenkundig auch als taugliches – wenngleich nicht als alleiniges – Mittel der „Friedensgewinnung“(!) betrachtet wird.

weiterlesen

Sieben Frauenrechtsaktivisten in Saudi-Arabien festgenommen

Fahrschülerin in Riad  © 2018 AFP
In Saudi-Arabien sind sieben Frauenrechtsaktivisten festgenommen worden. Die saudiarabischen Behörden teilten am Samstag lediglich mit, die Festnahmen beträfen „sieben Personen, die versucht haben, die Sicherheit und Stabilität des Königreichs zu gefährden (…) und die nationale Einheit zu untergraben“.

stern.de

Zu ihrer Identität wurden keine Angaben gemacht. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte, es handele sich um Frauenrechtler, die Festnahmen seien seit Dienstag erfolgt.

Laut HRW wurden unter anderem die drei Frauen Loudschain al-Hathloul, Asisa al-Jussef und Eman al-Nafdschan festgenommen, die für ihren Kampf gegen das in Saudi-Arabien geltende Autofahrverbot für Frauen sowie gegen die Bevormundung von Frauen durch männliche Verwandte bekannt sind.

weiterlesen

Dumm und nichts gelernt

Bildungschancen sind in Deutschland extrem ungerecht verteilt (Foto: )
In Deutschland entscheidet noch immer die Herkunft über den Bildungserfolg. Kinder ohne ehrgeizige Eltern haben es schwer. Das ließe sich leicht ändern.

Von Catherine Hoffmann | Süddeutsche Zeitung

Noch hat niemand ein Unterrichtskonzept erfunden, das in der Lage wäre, die Klassengesellschaft aus den Angeln zu heben. Aber Chancengleichheit in der Bildung, die sollte möglich sein in Deutschland. Es sollte möglich sein, dass alle Menschen entsprechend ihren Fähigkeiten gleiche Chancen haben, durch Bildung in die Mitte der Gesellschaft aufzusteigen; dass Kinder und Jugendliche mehr wissen, als sie heute wissen, dass ihre Fähigkeiten und Begabungen nicht, wie es noch viel zu oft geschieht, unentdeckt und unentwickelt bleiben; mit einem Wort, dass jeder kann, was er kann – auch Kinder, deren Eltern nicht mit Geduld und sanftem Druck für schulischen Erfolg sorgen, deren Eltern ungebildet oder arm sind oder einfach nur schlecht Deutsch sprechen.

Doch alle Reformen, Bildungsausschüsse, Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz, alle innovativen Ansätze und neuen didaktischen Designs haben dieses Ziel nicht erreicht, sie haben den langen Jammer der Schule nur verlängert. Und so gilt heute, was schon vor 30 Jahren zu beklagen war: Kinder aus sozial schwachen oder Migrantenfamilien haben es in Deutschland erheblich schwerer als in den meisten anderen Ländern. Ihnen fehlt nicht nur die Unterstützung durch die Familie, ihnen mangelt es auch in der Schule an individueller Förderung, um zum Beispiel die Sprachkenntnisse zu verbessern.

weiterlesen

New NASA Chief Bridenstine Says Humans Contribute to Climate Change ‚in a Major Way‘

NASA Administrator Jim Bridenstine spoke at an agency town hall event on May 17, 2018, where he took employee questions and reassured them about his stance on climate change. Credit: Bill Ingalls/NASA
In a NASA town hall yesterday (May 17), NASA’s new administrator, Jim Bridenstine, said that he knows Earth’s climate is changing, and that humans contribute to it „in a major way,“ also supporting NASA’s research into that important area. The statement is significant because Bridenstine has expressed doubt about human-caused climate change in the past, causing some to question his suitability to lead a fact-focused NASA.

By Sarah Lewin | SPACE.com

In 2013, as an Oklahoma congressman, Bridenstine claimed there was no current trend toward global warming. More recently, such as in his NASA administrator confirmation hearings last November, he has acknowledged that human activity contributes to climate change. But he had stopped short of saying that humans are the phenomenon’s primary cause.

At the NASA employee town hall, Bridenstine described how his thinking had „evolved“ on the topic and laid out his current beliefs.

„I don’t deny the consensus that the climate is changing; in fact, I fully believe and know that the climate is changing,“ he said. „I also know that we, human beings, are contributing to it in a major way. Carbon dioxide is a greenhouse gas. We’re putting it into the atmosphere in volumes that we haven’t seen, and that greenhouse gas is warming the planet.

read more

Ruhrapostel sieht mögliche Erhöhung von Hartz IV skeptisch – Gefahr von „Hartz-IV-Tradition“

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat auskömmliche Löhne im Niedriglohnsektor gefordert. Eine mögliche Erhöhung von Hartz-IV-Leistungen sieht er dagegen kritisch. Zugleich kündigte er „langfristig sicher“ einen Stellenabbau im Bistum an. 

DOMRADIO.DE

Eine mögliche Erhöhung von Hartz-IV-Leistungen sieht der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck skeptisch. Es bestehe die Gefahr, dass es in einem solchen Fall mehr Familien mit „regelrechter Hartz-IV-Tradition“ geben könnte, sagte Overbeck im Interview der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). „Auch deshalb, weil Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, nicht viel mehr haben.“ Daher solle stärker über „Teilhabe und auskömmliche Löhne“ diskutiert werden. „Und dabei nicht vergessen, dass die meisten, die darüber reden, wie auch wir hier am Tisch, nicht selbst in der schwierigen Situation dieser Menschen sind.“

Auf die Frage, ob Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Recht gehabt habe, als er sagte, in Deutschland müsse wegen der Absicherung durch Hartz IV niemand hungern, sagte Overbeck: „Das ist mir zu extrem und unpassend mit Blick auf die vielen Menschen, die es sehr schwer haben, ihren Alltag zu bewältigen.“ Der Staat ermögliche mit Hartz IV, „was geht“. Die Sozialleistung liege allerdings am Rande des Existenzminimums und manchmal darunter. Zugleich müssten Bezieher von Hartz IV „einen Anreiz haben, da wieder herauszukommen“.

weiterlesen

Sarajevo wirft sich für den „großen Bruder“ Erdoğan in Pose

foto: reuters/dado ruvic 2015 wurde Erdoğan in Sarajevo mit großem Pomp empfangen.
Die bosniakische SDA von Bakir Izetbegović wird beim Besuch von Erdoğan in Sarajevo wieder den devoten Bewunderer spielen.

Adelheid Wölfl | derStandard.at

Die Bosniaken werden brav mit den türkischen Fähnchen in der Hand wacheln – ganz so wie es die Partei befiehlt. So taten sie es bereits in den vergangenen Jahren, wenn Erdoğan rief. Sie werden auch diesmal die Geschichte vom „Mutterland“ oder der „Schutzmacht“ Türkei aufleben lassen. Der Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Sarajevo am Sonntag wurde von türkischen Vertretern minutiös vorbereitet. Auch Tausende Türken aus Österreich und aus anderen EU-Staaten kommen angereist, wenn er in Sarajevo in der Veranstaltungshalle Zetra sprechen wird.

Der Chef der bosniakischen islamisch-konservativen Partei SDA, Bakir Izetbegović, wird wohl wieder unterwürfig lächeln, wie er es immer tut, wenn der „große Bruder“ ruft. Und die Lobbyorganisation, die Union der Europäischen Türkischen Demokraten (UETD) hält gleichzeitig ihren Jahreskongress in Sarajevo ab.

weiterlesen

Bischof Dröge verteidigt Gottesbezug im Grundgesetz

Kurz vor dem 69. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes hat der Berliner Bischof Markus Dröge den Gottesbezug in der deutschen Verfassung verteidigt.

evangelisch.de

„Den Müttern und Vätern des Grundgesetzes war kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges in deutlicher Erinnerung, wie ein Staat mit Gesetzen größtes Unrecht legitimieren kann“, sagte Dröge am Samstag im RBB-Radio. Viele der Täter hätten keinerlei Unrechtsbewusstsein gezeigt. „Aus dieser bitteren Erkenntnis ist Gott in die Präambel des Grundgesetzes aufgenommen worden“, sagte Dröge.

weiterlesen

Der Schrecken der Amerikaner gewinnt die Wahl im Irak

Muktada al-Sadr hat die Parlamentwahlen im Irak gewonnen. (Bild: Kamal Akrayi / EPA)
Der Geistliche Al-Sadr hat mit seiner Liste die Parlamentswahl im Irak definitiv gewonnen. Nun muss er sich bei der Regierungsbildung auf die Suche nach Partnern machen.

Neue Zürcher Zeitung

Der schiitische Geistliche Muktada al-Sadr hat die Parlamentswahl im Irak gewonnen. Seine Liste Sairun (Wir marschieren) werde 54 der 329 Sitze im Parlament erhalten, teilte die Wahlkommission am frühen Samstagmorgen mit. Auf Platz zwei folgt das Bündnis des Politikers Hadi al-Amiri, das den schiitischen Milizen nahesteht und enge Beziehungen zum benachbarten Iran hat (47 Mandate). Lediglich auf Platz drei kam der amtierende schiitische Regierungschef Haidar al-Abadi mit seiner Liste (42 Sitze). Dieses Ergebnis war Prognosen zufolge bereits nach der Wahl vom 12. Mai erwartet worden. Es gilt aber dennoch als überraschend.

weiterlesen

Polizei kann keine Flüchtlinge an der Grenze zurückweisen

Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze Quelle: pa/dpa/Peter Kneffel
Markus Söder erwartet von der Polizei, Flüchtlinge an der Grenze zurückzuweisen, falls die geplanten Ankerzentren nicht funktionieren. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verweist darauf, das gesetzlich gar nicht zu dürfen.

DIE WELT

Widerstand gegen den bayerischen Ministerpräsidenten: Die Forderung von Markus Söder (CSU), Flüchtlinge an der Grenze notfalls in Nachbarstaaten zurückzuweisen, stößt bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf Unverständnis. Bayerns Polizei sei keine Grenzbehörde im Sinne des Asylgesetzes, sagte der GdP-Vorsitzende in der Bundespolizei, Jörg Radek, am Samstag. „Sie kann gar keine Zurückweisungen durchführen.“

Außerdem könnten die Ausländerbehörden in Bayern bereits heute Zurückschiebungen in sichere Drittstaaten vornehmen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorlägen. „Für Zurückweisungen an der Grenze aber hat Bayern keine Kompetenzen“, betonte Radek. „Der Schlüssel liegt in Berlin, nicht in München.“

weiterlesen