Vom Misstrauen der Religionen gegenüber Frauen


Wohl alle Weltreligionen misstrauen Frauen – vom Buddhismus, der im fünften vorchristlichen Jahrhundert gegründet wurde, über den Hinduismus bis zum Islam und Christentum (imago stock&people / Philippe Lissac)
Frauen seien missratene Männer, behauptete der Kirchenlehrer Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert. Damit stand der Theologe nicht allein. Alle Weltreligionen setzen Frauen enge Grenzen. Deutungsmacht ist männlich. Ein Streifzug durch Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Von Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin zerbrach sich den Kopf über die Frauen. Und kam zu einem ebenso schlichten wie folgenreichen Ergebnis: „Thomas von Aquin ist ja einer, für den klar war, dass Frauen verunglückte Männer sind, ein menschliches Wesen, das nicht die vollständige menschliche Form erreicht hat. Aber trotzdem ein Wesen, das es natürlich für die Reproduktion, für das Weitergehen des Menschengeschlechts braucht.“

Diese Position erscheine aus heutiger Sicht „sehr zeitbedingt“, sagt die katholische Theologin Marie-Theres Wacker. Es sei völlig klar, dass in diesem Bild Frauen keine vollwertigen Menschen sind oder dass sie in gleicher Weise Gott ebenbildlich sind wie die Männer. Geht man in der Geschichte noch weiter zurück, wird es nicht besser für die Frauen: „Zum Beispiel Augustinus, der große Kirchenlehrer des 5. Jahrhunderts, sich die Dinge so zurecht gelegt hat, dass Frauen zusammen mit den Männern Ebenbild Gottes sind, aber nicht allein. Wenn man solche Auslegungen der Tradition bis hin zur Hl. Schrift hat, dann ist es nicht verwunderlich, dass man Frauen nicht in Entscheidungspositionen hinein lässt“, so Wacker.

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