Absolutistisches Saudi-Arabien: Viel schlechter als sein Ruf


Nur der Kronprinz bestimmt, wie die Gesellschaft auszusehen hat. Kritiker sind „Extremisten und Verräter“. Für den Westen gehört das Land zu den „Guten“

Thomas Pany | TELEPOLIS

Medien folgen politischen Vorgaben. Wer die momentane Nachrichtenlage in der westlichen Hemisphäre verfolgt, gewinnt angesichts der insistierenden Schilderung Irans als Sponsor des internationalen Terrors und große Bedrohung für den regionalen Frieden den Eindruck, dass es sich bei den Gegenspielern des „iranischen Regimes“ nur um hauptsächlich „gute Nationen“ handeln kann.

Diese werden in der Medienwahrnehmung regiert von zumindest gut Gesinnten, solchen, die vielleicht noch ein bisschen brauchen mit ihren demokratischen Fortschritten, die aber doch prinzipiell den Anschluss suchen an die freie westliche Welt und deren Werten. Wie zum Beispiel Saudi-Arabien, wo derzeit mehrere Frauen und Männer ohne Zugang zu Anwälten in Polizeigewahrsam sind, weil sie für Frauenrechte eintreten.

Das Land sei „viel besser als sein Ruf“, stellte die Tagesschau im Mai letzten Jahres fest. Der Beitrag ist mittlerweile nicht mehr ohne weiteres online zu finden, die Hoffnung, die darin zum Ausdruck kam, ist noch präsent.

Die Hoffnung lautet, dass in Saudi-Arabien jetzt einiges an Reformen in Bewegung kommt und das Land auf einem guten Weg ist, wofür sich der ARD-Experte Carsten Kühntopp als engagierter Autor zeigt: „Kronprinz Mohammed bin Salman will Reformen, die auch die Religion betreffen und vor allem die Situation der Frauen verbessern sollen. Im US-Fernsehen sagte er jetzt ‚Extremisten‘ den Kampf an“, äußerte Saudi-Arabien-ist besser-als-sein-Ruf-Autor Kühntopp Ende März im Deutschlandfunk:

Viele Saudis reiben sich verwundert die Augen: Über Jahrzehnte wurden sie von gebrechlichen alten Männern regiert – jetzt krempelt ein 32-Jähriger ihr Land um. Von seinem Vater, dem König, hat Mohammed bin Salman, der Kronprinz, die Lizenz dazu bekommen. Er hat Reformen angestoßen, die die saudische Gesellschaft in den kommenden 10, 20 Jahren tiefgreifend verändern könnten.

Deutschlandfunk

Immerhin unterlässt der ARD-Korrespondent in Kairo die Festlegung, dass die tiefgreifenden Veränderungen positiv ausfallen. Auch ist er bei weitem nicht der Einzige, der sich von Mohammed Bin Salman Reformen erwartet, die Saudi-Arabien deutlich verändern. Wie die gesellschaftlichen Veränderungen konkret aussehen werden, weiß niemand genau. Als wichtiges Kriterium wird meist die Annäherung an die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern genannt.

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