
Die prokurdische Partei könnte der AKP erneut die Parlamentsmehrheit streitig machen
Gerrit Wustmann | TELEPOLIS
Der Wahlkampf in der Türkei läuft schleppend – vor allem der regierenden AKP und Staatschef Recep Tayyip Erdogan scheinen die Ideen und die Puste auszugehen. Während aus dem Regierungslager Durchhalteparolen und Verschwörungstheorien über ausländische Angriffe auf die im Tagestakt weiter abstürzende türkische Währung kommen, dreht die Opposition auf.
Das Bündnis aus CHP und Iyi Parti gibt sich trotz der beschränkten Möglichkeiten einer Kampagne unter Ausnahmezustand und Mediengleichschaltung Mühe, optimistische Botschaften zu verbreiten.
„Ohne die HDP kann niemand als Sieger hervorgehen“
Umfragen zufolge liegen die beiden großen Bündnisse in der Wählergunst nahezu gleichauf bei rund 42 Prozent der Stimmen. Und dann ist da noch die linksliberale HDP, die schon 2015 dafür sorgte, dass die AKP ihre Mehrheit einbüßte, weshalb Erdogan Neuwahlen erzwang.
Die HDP könnte auf 13 Prozent der Stimmen kommen, vielleicht sogar mehr – und das obwohl die Führungsspitze der Partei einschließlich des Präsidentschaftskandidaten Selahattin Demirtas in Haft sitzt.
„Ohne die HDP kann niemand als Sieger hervorgehen“, sagte Demirtas unlängst in einem WDR-Interview. Er ist seit achtzehn Monaten inhaftiert, seine Lage scheint aussichtslos. Und dennoch könnte er mit seiner Aussage Recht behalten.