„Rebellion gegen Gott“


Darstellung des Zweiten Prager Fenstersturz aus dem Theatrum Europaeum. Bild: wikipedia.org/PD Johann Philipp Abelinus
War der Dreißigjährige Krieg ein Konfessionskrieg? 100 Jahre nach Beginn der Reformation ging es um den rechten Glauben. Aber auch um Macht. Vergleiche zu heutigen Konflikten sind schwierig, der Politologe Herfried Münkler versucht es dennoch.

Nils Sandrisser | evangelisch.de

Ein Haufen empörter Adliger zieht hinauf zur Prager Burg. Mit Degen und Pistolen in den Händen stellen die protestantischen Vertreter der böhmischen Stände die Statthalter des katholischen Königs zur Rede. Sie fürchten um die Religionsfreiheit. Die Lage eskaliert schnell: Die Adligen packen die Statthalter sowie einen Sekretär und werfen sie aus dem Fenster.

Dieser „Prager Fenstersturz“ vom 23. Mai 1618 gilt als Auslöser für den schrecklichsten aller Kriege der Frühen Neuzeit. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stehen sich protestantische Fürsten und kaisertreue Katholiken gegenüber. Aber auch Schweden, Dänemark, Frankreich sowie das Habsburgerreich und der Papst. Am Ende sind weite Teile des Heiligen Römischen Reichs verheert, mehr als ein Viertel der Bevölkerung getötet.

Vorantreiben der Rekatholisierung

Krieg liegt schon lange in der Luft. Schon 1608 gründen protestantische Fürsten die „Union“ als Verteidigungsbündnis, die Katholiken schließen sich in der „Liga“ zusammen. In Böhmen kommt die Frage hinzu, was der Monarch entscheiden darf und was die Stände, also Adel und Städte. Als Kaiser Matthias die Rekatholisierung vorantreibt und Zugeständnisse zurücknimmt, die sein Vorgänger Rudolf II. den Protestanten in Böhmen und Österreich gemacht hat, setzen sich die böhmischen Stände zur Wehr.

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