Braucht dieses Hirn einen Vormund?


„Minihirn“ in Petrischale, von Autismus-Forschern der Yale University gezüchtet. Reife Nervenzellen leuchten grün. Bild: Jessica Mariani
Minihirne im Labor, Chimären und Gewebekulturen: Mit den rasanten Fortschritten der Hirnforschung kommt eine wichtige ethische Frage auf: Wie umgehen mit den Forschungsobjekten?

Von Hildegard Kaulen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

George Church von der Harvard Medical School in Boston ist dafür bekannt, dass er das Wort „unmöglich“ nicht kennt, solange die Experimente mit den Regeln der Naturgesetze im Einklang stehen. Church ist einer der einflussreichsten Molekularbiologen der Welt. Er forderte unlängst zusammen mit sechzehn weiteren Wissenschaftlern, Ärzten, Bioethikern und Juristen in der Fachzeitschrift „Nature“ eine Debatte darüber, welcher Schutz den im Labor erzeugten Schöpfungen aus Hirnzellen zusteht und wie mit Tieren umzugehen ist, deren Gehirne Anteile aus menschlichen Stammzellen enthalten.

Wo fängt Schmerz an?

Die Fragen, die die Gruppe umtreibt, sind weitreichend. Welchen ethischen und juristischen Status hat ein primitives, aus menschlichen Stammzellen hervorgebrachtes Gehirn in der Petrischale? Ab wann kann eine solche Schöpfung Schmerz empfinden, und ab wann ist sie sich ihrer selbst bewusst? Und: Läuft die Wissenschaft Gefahr, Schöpfungen, die einen wichtigen Schritt in Richtung Menschsein getan haben, für Versuchszwecke zu missbrauchen?

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