„Es wirkte wie blinde Raserei“


Bild: Medienkollektiv Wendland
Die Lüneburger Polizei meldet vor dem Pfingstwochenende einen „Angriff“ auf einen Polizisten und seine Familie und fordert, dieser Heimsuchung „gesamtgesellschaftlich entgegenzutreten“. Die Geschichte ist in weiten Teilen erfunden

Mathias Monroy | TELEPOLIS

Rund 60 Teilnehmer einer unangemeldeten Kundgebung wurden am 18. Mai in Hitzacker von vermummter Polizei ohne Vorwarnung geschlagen, schikaniert und über fünf Stunden in einem Polizeikessel festgehalten. Zur Begründung schrieb die Polizeiinspektion Lüneburg, die Aktivisten hätten das Wohnhaus eines Polizeibeamten „heimgesucht“.

Tatsächlich handelte es sich um ein musikalisches Stelldichein vor dem Haus des Polizisten Olaf H, dem obersten Staatsschutzbeamten der Region Lüchow-Dannenberg. Seit vielen Jahren ist H. für Repressalien gegen örtliche Aktivisten bekannt, sein Vorgehen wirkt manchmal wie eine persönliche Abrechung. In vielen Medien wurde der Protest vor seinem Haus unter Berufung auf die Polizei als „neue Qualität der Gewalt“ berichtet, die Tageszeitung „Welt“ bebilderte ihren Artikel mit einem alten Symbolbild steinewerfender Vermummter. Gegen die Betroffenen wird jetzt wegen Landfriedensbruch, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, Hausfriedensbruch, Bedrohung, Beleidigung, Diebstahl und Widerstand ermittelt. Wir haben dazu mit einem Teilnehmer der Aktion gesprochen. Seine Identität ist uns bekannt.

Einen „Angriff“ auf das Haus eines Polizisten in Hitzacker meldete die Lüneburger Polizei am vergangenen Samstagmorgen. Die Meldung setzte eine Kaskade von Falschmeldungen in Gang, die in zahlreichen Medien und rechten Internetportalen kursierten. Was genau ist denn passiert?