Raubkunst: So schnell restituieren die Preußen nicht


Bronzen aus Benin im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg Bild: dpa
Streitfall Ethnologie: In Jahrzehnten haben die Museen nur eine Handvoll Objekte an die Herkunftsländer zurückgegeben. Wirklich zu wenige?

Von Karl-Heinz Kohl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In der Auseinandersetzung um die zukünftige Gestalt des Humboldt-Forums hat die Raubkunstdebatte alle anderen Themen in den Hintergrund gedrängt. Neu ist sie allerdings nicht. Ihre Anfänge reichen bis in die letzte Phase der Dekolonisierung Afrikas zurück. Schon 1973 verabschiedete die UN-Vollversammlung eine Resolution, in der sie sich für die sofortige Rückführung der unter der Kolonialherrschaft geraubten Kunstschätze aussprach. Sie ging auf eine Initiative Mobutus zurück, der 1965 nach der Ermordung Lumumbas in der Demokratischen Republik Kongo durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war. Als er sie über dreißig Jahre später wieder abgeben musste, war das Land unter seinem Regime zu einem der ärmsten der Erde geworden. Die unabhängig gewordenen Staaten der „Dritten Welt“ hatten damals mit weit wichtigeren Problemen zu kämpfen, die ihnen die alten Kolonialherren hinterlassen hatten. Restitutionsforderungen verdeckten sie nur.

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