Ankaras Wut auf Deutschland


Schuldzuweisung. Präsident Erdogan macht „fremde Mächte“ auch für den Kursverlust der türkischen Lira verantwortlich.Foto: Umit Bektas/Reuters
Die türkische Regierung wirft Deutschland vor, sie wolle Erdogan und seine Partei von der Macht verdrängen. Auch der Verfall der Währung wird dem Ausland angelastet.

Von Susanne Güsten | DER TAGESSPIEGEL

Terroristen-Show, Heuchelei, Komplott: Vier Wochen vor der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in der Türkei prangert die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit diesen Etiketten angebliche Einmischungsversuche Deutschlands an. Erdogan und seine Anhänger werfen der Bundesrepublik vor, die Regierung in Ankara von der Macht verdrängen zu wollen. Die Kritik entzündet sich daran, dass die deutschen Behörden am Wochenende eine Kundgebung der Kurdenpartei HDP in Köln erlaubt hatten, während Wahlveranstaltungen der Regierungspartei AKP verboten werden. Aber auch die Verantwortung für den jüngsten Kursverfall der Lira wird dem Westen angelastet. Von dem viel beschworenen Neuanfang in den Beziehungen ist keine Rede mehr.

Das Verbot ausländischer Wahlkampfveranstaltungen in Deutschland und anderen EU-Staaten hatte Erdogan dazu gezwungen, für seine Begegnung mit türkischen Auslandswählern in die bosnische Hauptstadt Sarajewo auszuweichen. Der Präsident und seine Minister werfen den deutschen Behörden Heuchelei vor, weil aus der Bundesrepublik immer wieder Kundgebungen türkischer Oppositionsparteien gemeldet werden. Ankara sieht darin eine Parteinahme für die Erdogan Gegner, weil die AKP daran gehindert werde, bei den rund 1,5 Millionen türkischen Wählern in Deutschland um Unterstützung zu werben.

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