Das Berliner Neutralitätsgesetz ist ein Segen


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Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz und dem Kopftuch: Auch grüne, linke Frauen verbiegen sich beim Anti-AfD-Reflex und solidarisieren sich gegen eine angebliche Diskriminierung muslimischer Frauen. Ein Kommentar.

Von Peter von Becker | DER TAGESSPIEGEL

Ziemlich verheerend, was der Berliner Ex-Senator Thilo Sarrazin mit dem von ihm einst verächtlich gebrauchten Wort „Kopftuchmädchen“ angerichtet hat. Die Floskel gehört längst zum AfD-Jargon. Viel dümmer freilich, dass in Deutschland seitdem das Gespräch über islamische Schleier inzwischen ideologisch verquer und oft irrational verläuft. Obwohl es so einfach sein könnte.

Hinzu kommt: Kippa-Träger werden auf Straßen und Schulhöfen vermehrt von pöbelnden Judenfeinden angegriffen. Und nun hat die Diskussion um das Zeigen religiöser Symbole in der Öffentlichkeit auch Bayerns neuer Ministerpräsident noch überflüssig befrachtet. Ab diesem Freitag sollen laut Söder-Erlass in allen bayerischen Ämtern im Eingangsbereich Kruzifixe hängen. Als „kulturelles Zeichen“. Obwohl die Kirchen eine solche demonstrative Verweltlichung (und Verstaatlichung) des christlichen Leidens- und Erlösungssymbols ebenso ablehnen wie schon vor Jahren das Bundesverfassungsgericht.

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