„Zutiefst israelfeindliches Machwerk“


Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Wann wird Kritik an der israelischen Politik antisemitisch? Vor allem in Deutschland wird das Thema emotional diskutiert – auch in den christlichen Kirchen. Eine akademische Publikation hat jetzt eine neue Debatte zum Thema ausgelöst.

Stephan Cezanne | evangelisch.de

Im Jahr 2009 wurde in Bethlehem ein dramatischer Appell veröffentlicht. Die Unterzeichner des sogenannten Kairos-Palästina-Dokuments – darunter führende Theologen und hochrangige Bischöfe aus der Region und vielen Konfessionen – bezeichnen darin die Besetzung der Palästinensergebiete „als Sünde gegen Gott und die Menschen“. Christen sollten Widerstand leisten. Der Appell vor allem palästinensischer Christen, den auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf verbreitete, sorgte für Empörung und löste vor allem bei christlich-jüdischen Gesellschaften heftigen Protest aus. Das Papier sehe die Schuld des Nahostkonflikts einseitig bei den Israelis, hieß es.

Jetzt ist der Streit neu aufgekocht. Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit beklagt eine verzerrte Darstellung der israelischen Politik durch deutsche Theologen. Die im vergangenen Jahr von den emeritierten Theologieprofessoren Ulrich Duchrow und Hans G. Ulrich herausgegebene Publikation „Religionen für Gerechtigkeit in Palästina-Israel“ stelle den christlich-jüdischen Dialog „völlig verzerrt dar“, erklärte die Gesellschaft jetzt in Bad Nauheim: „Das ganze Buch ist zugleich ein zutiefst israelfeindliches Machwerk.“

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