Tod am Wiener Würgegalgen. Was für eine „Mordsgaudi“


Von der Hinrichtung Georg Ratkays hat sich kein Bild erhalten. Das Foto zeigt den toten Cesare Battisti, der ebenfalls am Würgegalgen starb Quelle: Fotograf unbekannt/ Wikipedia gemeinfrei
Als der Mörder Georg Ratkay 1868 in Wien zur Hinrichtung geführt wurde, säumte eine „riesige Pöbelmenge“ mit Gesang, Alkohol und Sex den Weg. Angewidert zog Kaiser Franz Joseph Konsequenzen daraus.

Von Florian Stark | DIE WELT

Die bürgerliche Presse war pikiert: Von einer „riesigen Pöbelmenge, aus dem Abschaume der Bevölkerung bestehend“ war die Rede, die sich „zu einem schrecklichen Acte“ drängte. Dabei fielen „Äußerungen des empörendsten Zynismus“. Es ging um ein „trauriges, tief verdüsterndes Ereignis“: die Hinrichtung des Mörders Georg Ratkay in Wien am 30. Mai 1868. Offenbar gehörte auch Kaiser Franz Joseph I. zu den Lesern derartiger Berichte. Auf jeden Fall verfügte der Monarch, dass Hinrichtungen künftig nicht mehr zur allgemeinen Volksbelustigung auf dem Wienerberg, sondern nur noch hinter den verschlossenen Türen eines Gerichts vollstreckt werden sollten.

Georg Ratkay war einer der zahllosen Tagelöhner, die die Aussicht auf Arbeit in die pulsierende Hauptstadt des Habsburgerreiches getrieben hatte. Als Beruf hatte der gebürtige Ungar „Tischlereigehilfe“ angegeben, als er sich bei dem Tischlerehepaar Henke unter falschem Namen als Bettgeher vorstellte. Darunter verstand man Leute, die nur für wenige Stunden am Tag eine Bettstatt mieteten, die von den Wirtsleuten daher mehrfach vergeben werden konnte. Am 9. Januar 1868 erschlug Ratkay die Frau des Tischlers mit einem Hobel und tauchte unter.

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