Wie öffentlich darf Religion sein?


Bild: Leipziger Blatt
Der Kreuzzwang in Bayern ist eine weitere Etappe in der Debatte um Religion in der Öffentlichkeit. Der Druck zu mehr Laizismus wächst. Sind religiöse Äußerungen in Deutschland peinlich geworden?

Alexander Brüggemann | katholisch.de

Man kann es auch brachial lösen: ein Kreuz in jede Amtsstube, wie es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will. Christliches Bekenntnis quasi verordnet – und in Abgrenzung zum Islam. Das scheint (neben parteipolitischen Erwägungen) eine trotzige Gegenbewegung zum Trend aus Brüssel oder den Nachbarländern Frankreich und Großbritannien zu sein, religiöse Äußerungen aus dem öffentlichen Leben fernzuhalten. Denn grundsätzlich wächst eher der Druck zu mehr Laizität.

Die Älteren werden sich noch erinnern: Jugendliche mit tendenziell langen Haaren ziehen mit Gitarre durch die Fußgängerzonen und singen „Hava nagila hava“, ein Lied aus dem chassidischen Judentum. Oder die orangenen Hare-Krishna-Jünger mit ihren Zimbeln und Trommeln. Recht normal damals; etwas ver-rückt im eigentlichen Wortsinn, aber jedenfalls harmlos und also toleriert.

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