Alice Schwarzer: Scharfe Kritik an christlich-muslimischem Dialog


Alice Schwarzer, die Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“ (picture alliance / Henning Kaiser/dpa)
Die Feministin Alice Schwarzer kritisiert, Deutschland unterscheide nicht zwischen Islam und Islamismus. Politikern und Kirchen wirft sie vor, „Schulter an Schulter mit Funktionären hoch suspekter Verbände zu stehen“. Sie sollten besser den „Dialog mit aufgeklärten Muslimen suchen,“ sagte Schwarzer im Dlf.

Alice Schwarzer im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Hoffentlich formuliere ich jetzt nichts, was sich sexistisch anhört, nicht dass die berühmteste deutsche Feministin das Studio verlässt. Vor mir liegt ein Magazin mit einem Cover, das mich seit Tagen nicht loslässt.

Eine schöne Frau dominiert den Titel, eine sehr schöne Frau, südländisch, bronzefarbene Haut, ihr Haar fliegt gen Himmel. Als Mann, der nie so richtig lange Haare hatte, kann ich nur schätzen: Dieses Haar dürfte mehrere Kilo wiegen und dennoch erhebt es sich. Es scheint sich nicht bändigen zu lassen. Es lässt sich nicht zügeln, es lässt sich nicht einsperren. Und während dieses lockige, lange Haar sich dreht und windet, wirkt diese Frau auf dem Cover absolut entspannt, tiefenentspannt, ja, womöglich glücklich. Vor mir liegt die neueste Ausgabe von „Emma“ und die Titelgeschichte, sie kommt aus dem Iran. Der Titel lautet: „Unser Kampf gegen das Kopftuch“.

Alice Schwarzer, die Gründerin, Chefredakteurin und Herausgeberin der Emma ist bei uns im Studio zu einer Aufzeichnung kurz vor der Sendung. Wir wollen sprechen über das Kopftuch, über ihr neues Buch, bei dem die Religion eine große Rolle spielt, und über das eine oder andere heiße Islamismus-Eisen. Frau Schwarzer, herzlich willkommen.

Alice Schwarzer: Ja, guten Morgen Herr Main.

Main: Sie haben das Studio noch nicht verlassen.

Schwarzer: Nein, ich höre fasziniert zu, wie genau Sie den Titel beschreiben und in der Tat, auch ich gehe davon aus, dass diese Frau glücklich ist und auch stolz, glücklich und stolz, denn sie ist eine dieser todesmutigen Frauen im Iran, die demonstrativ ihr Kopftuch ablegen und ihr Haar zeigen. Das ist ja zurzeit eine Aktion im Iran. Die nennen sich Mädchen von der Revolutionsstraße. Die machen das nämlich mitten im Zentrum in der Revolutionsstraße. Manche landen im Gefängnis und haben vieles zu befürchten. Sie werden von Polizisten gestoßen, aber sie machen weiter. Ich glaube, das wird zur echten zumindest Beunruhigung für das Regime, vielleicht sogar der Beginn einer Bedrohung.

weiterlesen