Türkei: Kommt die Wirtschaftskrise vor der Wahl?


Kursentwicklung der türkischen Lira zum US-Dollar. Grafik: TP
Die türkische Zentralbank versucht, die Währung zu stabilisieren, Präsident Erdogan stilisiert sich trotz mieser Zahlen zum Wohlstandsgarant

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist bei vielen seiner Wähler vor allem deshalb so beliebt, weil es ihm in den Anfangsjahren der AKP gelungen ist, die Wirtschaft zu stabilisieren, die Korruption der Vorgängerregierung zu bekämpfen und mit zahlreichen Maßnahmen den Lebensstandard vor allem der ärmeren Schichten anzuheben. Dass das nicht komplett sein Verdienst war, wird gerne vergessen, es zählt mehr der psychologische Effekt. Denn als die AKP 2002 zum ersten Mal an die Macht kam, erholte sich das Land gerade von eine verheerenden Wirtschaftskrise, in der die Inflation explodiert war.

Die Reformansätze, die Erdogan dann verfolgte, waren großteils aber bereits vor der AKP-Zeit eingeleitet worden. Er musste lediglich andocken. In den Folgejahren profitierte die Türkei von billigen ausländischen Krediten und Investoren, die in der Türkei einen sicheren Hafen sahen. Immerhin wurde die AKP auch von der EU und den USA als Partei gefeiert, die die Türkei in Richtung Demokratie steuerte und sich dem Ziel der EU-Mitgliedschaft näherte. Auch dafür waren massive Reformen eine elementare Voraussetzung. Innertürkische Kritiker, die in Erdogan den Wolf im Schafspelz sahen, wurden allzu lange ignoriert.

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