Ein transneptunischer Extremist gerät auf die schiefe Bahn

Planet IX, Bild: Credit California Institute of Techonology
Die Entdeckung eines Himmelskörpers mit einer stark geneigten Umlaufbahn stärkt die Hypothese, dass sich im äusseren Sonnensystem ein bisher unbekannter Planet verbirgt. Gründe zum Zweifeln gibt es aber weiterhin.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Was sich in unserem Sonnensystem jenseits der Bahn des Neptuns abspielt, stellt Astronomen vor Rätsel. In den letzten Jahren haben sie dort ein gutes Dutzend Himmelskörper entdeckt, die auf eigentümlichen Orbits die Sonne umlaufen. Nicht nur stossen die Körper auf ihren weit ausholenden Bahnen in die entlegensten Zipfel unseres Sonnensystems vor. Teilweise sind ihre Bahnen auch relativ stark gegen die Ebene geneigt, in der die Planeten um die Sonne kreisen. Jetzt sind Astronomen auf ein Objekt gestossen, das ein Extremist unter den transneptunischen Extremisten ist: Seine Bahnneigung beträgt 54 Grad und ist damit fast doppelt so gross wie die des bisherigen Rekordhalters. Die Bahn des Objekts passt zu der vor zwei Jahren aufgestellten Hypothese, dass im äusseren Sonnensystem ein bisher unbekannter Planet mit der zehnfachen Masse der Erde seinen Einfluss geltend macht.

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Die Natur ist der neue Gott

Die Landwirtschaft prägt die Marken, die zwischen Adria und Apennin gelegene Region. In dieser Nähe zur Natur wurzelt das Denken von Emanuele Coccia. (Bild: Mauritius Images)
Wir erleben gerade eine zweite Romantik: Selten war die Sehnsucht nach Grün grösser. Ein Spaziergang mit dem Pflanzen-Philosophen Emanuele Coccia in den Marken.

Marc Zollinger | Neue Zürcher Zeitung

Das erste, was ihm auffällt, sind die Steineichen, die im Spalier vor dem Hauptgebäude stehen. Sie müssen hier neu gepflanzt worden sein, vermutet Emanuele Coccia. Denn früher waren die Bäume hier viel grösser, mächtiger, ihr Laubwerk war dichter. Sie schotteten den Ort von der Aussenwelt ab.

Wir befinden uns auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Instituts von Macerata in den Marken. 22 Jahre nach seiner Schulzeit ist der italienische Philosoph und Bestsellerautor zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Er selber hat den Treffpunkt vorgeschlagen. Nicht, weil Coccia diesen Ort liebt, sondern weil er Licht auf eine vergangene Zeit werfen will, an die er sich nicht nur gerne erinnert.

Während andere kluge Jungs seiner Generation die klassischen Gymnasien besuchten, musste sich der Ragazzo aus dem adriatischen Küstenstädtchen Civitanove Marche auf Druck seiner Mutter für eine technische Richtung entscheiden.

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Gauland bezeichnet NS-Zeit als „Vogelschiss in der Geschichte“

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich zu der verbalen Entgleisung Alexander Gaulands beim Treffen der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ geäußert: „Das ist ein solcher Schlag ins Gesicht der Opfer.“ Quelle: WELT
AfD-Chef Gauland hat erneut die Hitler-Zeit relativiert: Die Nazis seien „nur ein Vogelschiss“ in 1000 Jahren deutscher Geschichte. CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer verurteilt seine Äußerung scharf: „Das macht fassungslos.“

DIE WELT

Der Partei- und Fraktionschef der AfD, Alexander Gauland, hat die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland relativiert. „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, sagte Gauland am Samstag beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach.

Dieser Satz fiel nach einem Bekenntnis von Gauland zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. „Nur wer sich zur Geschichte bekennt, hat die Kraft, die Zukunft zu gestalten“, sagte der AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzende. „Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre.“

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Armut und Einsamkeit: Glücklich im Alter? Das wird immer schwieriger

43 Prozent der Senioren ab 80 Jahren leben noch in einer Partnerschaft Quelle: Getty Images/Westend61
Die letzte Lebensphase könnte so erfüllend sein. Doch Wissenschaftler haben drei Faktoren ausgemacht, die das Leben ab 65 zunehmend erschweren: Armut, Untätigkeit und Einsamkeit. Letztere wird zum Dauerproblem.

Von Till-Reimer Stoldt | DIE WELT

Gleich wird ihm die Brille von der Nase rutschen. Andreas Kruse sitzt am Konzertflügel und beugt sich weit über die Tastatur, auf der seine Finger hin und her fliegen. Er spielt „das musikalische Opfer“ von Bach. Je länger der hochgewachsene Mann musiziert, umso tiefer beugt sich sein Kopf über die Tasten. Doch die schwere Brille bleibt auf der Nase.

Schließlich erhebt sich der Gerontologieprofessor und Musikwissenschaftler, schreitet mit dem Mikro über die Bühne und schaut die vielen Hundert Zuhörer durch seine dicken Brillengläser an. Das Stück habe Bach drei Jahre vor seinem Tod geschrieben. Da war der Komponist bereits sehbehindert und schwer krank, erzählt Kruse.

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Sind Ostdeutsche auch Migranten?

Grafik: TP
„Alle Menschen sind Ausländer – überall!“ So lautete eine Parole, die kritisch sein wollte, aber irgendwie nur redundant wirkt. Zur Bekämpfung von Rassismus zumindest trägt sie nicht bei, denn dabei handelt es sich eben nicht um Ausländerfeindlichkeit, wie manche noch immer annehmen.

Peter Nowak | TELEPOLIS

An die Parole muss man denken, wenn jetzt erneut diskutiert wird, ob Ostdeutsche und Migranten nicht doch die gleiche Stigmatisierung erleben. Diese These vertritt zumindest die Migrationsforscherin Naika Foroutan und gab dazu der Taz ein längeres Interview.

Frau Foroutan, Sie sind Migrationsforscherin. Warum interessieren Sie sich für Ostdeutschland?

Naika Foroutan: Sehr viele Erfahrungen, die Ostdeutsche machen, ähneln den Erfahrungen von migrantischen Personen in diesem Land. Dazu gehören Heimatverlust, vergangene Sehnsuchtsorte, Fremdheitsgefühle und Abwertungserfahrungen. Mich irritiert, dass darüber bis jetzt nicht gesprochen wird.

taz

Die Behauptung, dass über Abwertungserfahrungen von DDR-Bürgern nicht gesprochen wurde, stimmt nicht. Seit 1989 hört man immer wieder in regelmäßigen Abständen ein Lamento über die Ostdeutschen, die sich als Deutsche zweiter oder dritter Klasse fühlen. Dann kam oft der Ausruf: Dafür sind wir 1989 nicht auf die Straße gegangen.

Und hier wird schon der Unterschied zu den nichtdeutschen Migranten deutlich. Ostdeutsche berufen sich auf ein Privileg durch ihren deutschen Pass und wollen eben nicht Deutsche zweiter Klasse sein. Oft wehren sie sich daher umso vehementer dagegen, dass womöglich Migranten ohne deutschen Pass in Deutschland Rechte einfordern. Denn wer sich als Deutsche benachteiligt fühlt, agiert im nationalen Kollektiv mit allen Aus- und Abgrenzungen.

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Wutrede auf der Bühne Konzert von Roger Waters endet mit Eklat

Roger Waters auf der Bühne. Foto: imago/Agencia EFE
Als Roger Waters vor der Zugabe einen Zettel aus der Tasche zieht, auf denen er sich ein paar Bemerkungen aufgeschrieben hat, darf man nicht mit dem Üblichen rechnen. Schön wieder in Berlin zu sein, das ist nicht seine Agenda.

Von Frank Junghänel | Berliner Zeitung

In Wien hatte er gegen den Rechtsruck in Europa gewettert, für den er Bundeskanzler Sebastian Kurz mitverantwortlich macht, in Zürich die Schweizer Wohlstandgesellschaft kritisiert – und immer ging es auch um Palästina.

Waters prangert Politik Israels an

Wo immer Waters dieser Tage auftritt, nutzt er die Bühne, um die Politik Israels gegenüber den Palästinensern in den besetzten Gebieten anzuprangern. Darauf musste man vorbereitet sein. Vor dem Konzert hatte ein Grüppchen BDS-Aktivisten am Halleneingang Flyer verteilt. „Lieber Roger Waters“, steht da geschrieben, wir, Deine Fans von BDS Berlin, freuen uns darüber dass Du mit uns zusammen für die Rechte der Palästinenser*innen einstehst…“

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Die Furcht vor dem „gottlosen Humanismus“

Bild: hpd.de
Christliche Theologie-Professoren haben sich in einer Erklärung vehement für Söders Kreuzerlass ausgesprochen. Die Argumente, mit denen sie ihre Position untermauern, verraten viel über den Ungeist, der offenkundig noch immer an vielen theologischen Lehrstühlen herrscht.

Von Michael Schmidt-Salomon | hpd.de

„Ganz in der Tradition unserer Verfassung ist der Blick auf das Kreuz zweifellos der Blick auf ein Wertefundament unserer pluralistischen Gesellschaft, da es für den menschlichen Zusammenhalt aus einem Geist des Miteinanders auch gegenüber dem vermeintlich Fremden steht“, heißt es in der „Ökumenischen Erklärung katholischer und evangelischer Professoren und Hochschullehrer der Theologie zum bayerischen Kreuzerlass„. Kaum, dass man den logischen Widerspruch zwischen einem staatlich verordneten „Blick auf das Kreuz“ und „unserer pluralistischen Gesellschaft“ verarbeitet hat, setzen die Autoren noch eins drauf: „Dieses Fundament freiheitlicher Toleranz ist sowohl im Grundgesetz als auch in der Bayerischen Verfassung gerade nicht auf einen gottlosen Humanismus (Hervorhebung durch den Verfasser) reduziert. Es gründet im Heilswerk und in der Botschaft Jesu Christi, die er selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat.“

Es ist schon beachtlich, in welchem Umfang die hochdekorierten Hochschullehrer, die die Erklärung unterzeichnet haben, das Verfassungsgebot der weltanschaulichen Neutralität des Staates ignorieren – oder wie sehr sie darauf pfeifen. Offenkundig lähmt sie die Furcht vor einem „gottlosen Humanismus“ so sehr, dass sie verkennen, dass niemand je einen „gottlosen Humanismus“ als Staatsideologie gefordert hat. In der Verfassung verankert ist allerdings – und nur das fordern säkular denkende Menschen aller Konfessionen – das Gebot eines „weltanschaulich neutralen Humanismus“, den jede Bürgerin und jeder Bürger nach eigenem Gutdünken religiös oder nichtreligiös deuten kann.

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Provozierte Eskalation: Kommt das US-Raketenabwehrsystem THAAD nach Deutschland?

Raketenabwehr in Rumänien. Bild: DoD
Angeblich überlegt das Pentagon zusätzlich zum Aegis-System in Rumänien und Polen das THAAD-System nach Deutschland zu verlegen, das dem auch gar nicht widersprechen könnte

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Reuters berichtet über Diskussionen im Pentagon, das Raketenabwehrsystem Terminal High Altitude Area Defense (THAAD) in Deutschland zusätzlich zu dem bereits im rumänischen Deveselu installierten und seit 2016 einsatzbereiten Aegis-Raketenabwehrsystem mit Abfangraketen des Typs SM-3 IB und dem weiteren im polnischen Redzikowo, das noch in diesem Jahr einsatzbereit sein sollte, aber das nun aufgrund technischer Probleme erst 2020 sein wird.. Der Entschluss der Bush-Regierung mit dem Austritt aus dem ABM-Abkommen im Jahr 2002 das amerikanische Raketenabwehrschild an der Grenze zu Russland zu installieren, war ein entscheidender Grund für die Eskalation zwischen Russland und Nato.

Washington und die Nato haben zwar immer wieder beteuert, das Raketenabwehrsystem richte sich nicht gegen Russland, sondern ausschließlich gegen Nordkorea und Iran. Doch das konnte man in Moskau nachvollziehbar nicht wirklich glauben – und in Rumänien und Polen sieht man es natürlich als Schutz vor Russland. Barack Obama hatte 2009 kurzzeitig nach Amtsantritt mit einer Annäherung an Russland versucht, den Ausbau des Raketenabwehrsystems in Osteuropa zu verhindern oder hinauszuzögern (Katzenjammer in Warschau und Prag), kippte aber bald wieder um.

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Das Einmaleins der globalen Migration

Migration sei die wirksamste Massnahme zur Reduktion von Armut, meint Branko Milanovic. (Bild: Annick Ramp / NZZ)
Europa ist wohlhabend. Also zieht der Kontinent viele Migranten an. Branko Milanovic, einer der einflussreichsten Ökonomen der Welt, erklärt die Arithmetik des Problems und plädiert für unkonventionelle Lösungen.

Thomas Fuster | Neue Zürcher Zeitung

Hand aufs Herz: Wer würde nicht schwach, wenn ihm andernorts ein zehnfach höheres Einkommen winkte? Welcher holländische Arbeiter, um die Sache etwas konkreter zu machen, würde nicht nach Neuseeland aufbrechen, wenn er dort 500 000 statt 50 000 € verdiente? Das Gedankenexperiment entstammt dem Blog von Branko Milanovic. Doch Milanovic, der mit seinen Arbeiten über Ungleichheit und Armut zu den einflussreichsten Ökonomen gehört, geht es weder um die Niederlande noch um Neuseeland. Der frühere Weltbankmitarbeiter will mit dem Perspektivenwechsel nur das Einmaleins globaler Migration aufzeigen.

Dass Europa laut Milanovic eine «exzellente Auswanderungsdestination» ist, hat primär mit Wohlstand zu tun. So liegt das Bruttoinlandprodukt (BIP) in Westeuropa bei knapp 40 000 $ pro Kopf, in Afrika südlich der Sahara aber bei 3500 $.

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Alle Kinder mit ADHS sind hyperaktiv? Von wegen!

Unentwegtes Reden oder innere Unruhe können Anzeichen für ADHS bei einem Mädchen sein Quelle: dpa
Mädchen mit der Störung ADHS zeigen meist ganz andere Symptome als die bekannte Hyperaktivität. Sie sind zum Beispiel vergesslich oder träumerisch. Ein Kinderarzt erklärt, worauf Eltern achten sollten.

DIE WELT

Bei ADHS denken die meisten Menschen an hyperaktive Kinder, die schnell die Geduld verlieren. Doch bei Mädchen äußert sich die Störung häufig anders – was dazu führt, dass sie bei ihnen seltener erkannt wird.

Eltern sollten zum Beispiel hellhörig werden, wenn ihre Tochter unentwegt plappert, innerlich unruhig ist und starke Gefühlsschwankungen hat. Auch Vergesslichkeit, Tagträume, ein sehr langsames Arbeitstempo oder wenig Selbstbewusstsein können Anzeichen sein, erläutert Klaus Skrodzki, Vorstandsmitglied der AG ADHS im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

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Tödlicher Tanz der Schwarzen Witwe

Die Radiostrahlung des Pulsars PSR B1957+20 (im Hintergrund) durchquert eine Wolke aus dem Material seines Partners, eines Braunen Zwergs. Bild: Mark A. Garlick / Dunlap Institute for Astronomy & Astrophysics, University of Toronto
Ein Riesenteleskop, neueste Technik und ein physikalischer Glücksfall liefern den bislang schärfsten Blick auf ein Sternsystem, in dem sich eine Tragödie abspielt.

Von Jan Hattenbach | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Drama spielt sich ab im Sternbild Pfeil, und für einen der Beteiligten wird es tödlich enden. Vor 30 Jahren bereits entdeckten Astronomen dort, 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt, ein höchst ungewöhnliches Sternsystem und gaben ihm den Namen „Schwarze Witwe“: Ähnlich wie die gleichnamige Webspinne „frisst“ ein Stern im Doppelsternsystem „PSR B1957+20“ seinen Partner auf. Nun gelang einem Team um Robert Main von der University of Toronto in Kanada der bislang schärfste Blick auf den Akt des kosmischen Kannibalismus. Dabei halfen ihnen das 300 Meter große Radioteleskop in Arecibo auf Puerto Rico und ein bemerkenswerter physikalischer Effekt.

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Ehemalige RAF-Mitglieder: Seit Jahrzehnten auf der Flucht

Als man niemandem erklären musste, wie gefährlich die RAF war: Eine Polizistin verteilt 1977 Fahndungsblätter an Passanten in Westberlin (Foto: Edwin Reichert/AP)
  • Noch immer sind einige Taten der Rote Armee Fraktion (RAF) aus den 90er Jahren nicht aufgeklärt.
  • Besonders drei ehemalige Mitglieder, die in den letzten Jahren immer wieder Geldtransporte überfallen haben, entkommen den Behörden seit Jahrzehnten.
  • Inzwischen sind die Ermittlungen nicht mehr auf Bundesebene angesiedelt – einige Politiker kritisieren das.

Von Georg Mascolo, Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

Die drei Attentäter kamen in der Dunkelheit, sie postierten sich auf der anderen Rheinseite in Königswinter, dann jagten sie Salve um Salve über den Fluss, auf die Bonner US-Botschaft. Minutenlang dauerte die Schießerei am 13. Februar 1991, auf dem Höhepunkt des Golfkrieges; Fassade und Fensterscheiben der amerikanischen Vertretung wurden mit 60 Einschüssen übersät.

Dass nicht Iraks Diktator Saddam Hussein das Terrorkommando geschickt hatte, war schnell klar: An der Uferpromenade, direkt neben dem Hotel Loreley, blieben ein leerer Munitionskasten der Bundeswehr zurück und eine Erklärung der RAF („Gegen den US-Nato-Völkermord“), in der die Schützen den vor der Botschaft kampierenden Friedensfreunden wortreich versicherten, sie seien nie in Gefahr gewesen: „Wir haben unsere Munition mit Leuchtspurmunition gemischt, damit Ihr gleich seht, wo genau sich die Schießerei abspielt, und niemand von Euch vor Schreck in die falsche Richtung läuft.“

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Missbrauch: US-Erzbistum zahlt 210 Millionen Dollar

Das Erzbistum Saint Paul und Minneapolis will Missbrauchsopfern die höchstmögliche Entschädigung zahlen und hat deswegen einen Fonds eingerichtet – mit der zweithöchsten Summe in der Geschichte der Kirche in den USA.

katholisch.de

Das Erzbistum Saint Paul und Minneapolis zahlt rund 210 Millionen US-Dollar (umgerechnet 179,7 Millionen Euro) an Missbrauchsopfer. Das kündigte die Erzdiözese gemeinsam mit Opferanwälten am Donnerstag (Ortszeit) an. Die Summe von exakt 210.290.724 US-Dollar fließe in einen Fonds, aus dem dann die insgesamt 450 Missbrauchsbetroffenen entschädigt würden, zitierten US-Medien den Anwalt Jeff Anderson. Zugleich sollen die Finanzen des vom Bankrott bedrohten Erzbistums grundlegend neu organisiert werden.

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Ausgerechnet nach Deutschland: 300.000 Juden flohen vor Antisemitismus in Polen

Millionen von Menschen flohen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland. Bundesarchiv, Bild 146-1985-021-09 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0
Juden in Polen warnen immer wieder vor Antisemitismus. Böse Witze und Kommentare gehören zum Alltag. Das war auch nach dem Zweiten Weltkrieg so. Damals verließen die Überlebenden den Holocaust Polen und fanden ausgerechnet in Deutschland ihre neue Heimat.

Von Armin Fuhrer | FOCUS ONLINE

Als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern lag, geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte: Für rund 300.000 Menschen aus Osteuropa wurde diese Trümmerwüste zum Fluchtpunkt. Sie gingen im Chaos der Zeit weitgehend unter. Millionen von Menschen suchten eine Bleibe in den drei Westzonen. Unter ihnen viele Juden.

Die Flucht vor den Nachbarn, Kollegen und Freunden

Mitten in dieses Chaos zog es in den kommenden Monaten und Jahren eine Gruppe von Menschen, mit der niemand gerechnet hatte: Juden aus Osteuropa, aus dem Baltikum, aber vor allem aus Polen. Auch sie flohen, allerdings weniger vor der Roten Armee, die ihre Heimat besetzt hatte, sondern vor den Menschen, die bisher ihre Nachbarn gewesen waren, ihre Kollegen und manchmal sogar ihre Freunde.

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Night Sky, June 2018: What You Can See This Month [Maps]

The night sky is more than just the moon and stars, if you know when and where to look. Credit: Karl Tate/SPACE.com
The night sky tonight and on any clear night offers an ever-changing display of fascinating objects you can see, from stars and constellations to bright planets, often the moon, and sometimes special events like meteor showers.

By Chris Vaughan | SPACE.com

Observing the night sky can be done with no special equipment, although a sky map can be very useful, and a good beginner telescope or binoculars will enhance some experiences and bring some otherwise invisible objects into view. You can also use astronomy accessories to make your observing easier, and use our Satellite Tracker page powered by N2YO.com to find out when to see the International Space Station and other satellites. Below, find out what’s up in the night sky tonight (Planets Visible Now, Moon Phases, Observing Highlights This Month) plus other resources (Skywatching Terms, Night Sky Observing Tips and Further Reading).

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Das flüchtige Gewand des Lebens

Die Performance „vb55.01.1.nt“ von Vanessa Beecroft ist Teil der Berliner Ausstellung © Vanessa Beecroft, „vb55.01.1.nt“, 2005
Das Alte Museum Berlin widmet sich einem Material, das unser aller Schicksal ist: „Fleisch“.

Von Jörg Scheller | ZEIT ONLINE

Es heißt, wir lebten in materialistischen Zeiten. Als Beleg muss häufig die liberale westliche Körperkultur herhalten. Nichts als Frivolitäten! Oberflächenkult! Narzissmus! Profanisierung! Transzendenzverlust! Verführerisches Fleisch, wohin man sieht – in der Werbung, im Kraftraum, im Pornofilm, am Strand, im Club.

Folgt man derlei kulturkritischen Diagnosen, robotern wir heute seelenlos im Hamsterrad der Konsumkultur, fixiert auf unsere immerfort zu optimierende Körperlichkeit. In den Massenmedien geht denn auch die Rede von „Körperwahn“ um, der Philosoph Giorgio Agamben sieht die moderne menschliche Existenz gar auf „das nackte Leben“ reduziert.

Trifft es wirklich zu, dass Materialismus und Fleischeslust obsiegt haben? Sind wir mehr Körper als Seele, mehr Fleisch als Geist? Antworten auf diese Fragen findet man in kulturgeschichtlichen Abhandlungen wie Volker Demuths Fleisch oder in Themenausstellungen wie der ebenfalls lakonisch mit Fleisch betitelten im Alten Museum Berlin (1. Juni bis 31. August 2018). Man kann sich aber auch einfach zur teilnehmenden Beobachtung in ein gewöhnliches Fitnesscenter begeben.

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Hunderttausenden Kindern im Südsudan droht der Hungertod

Die Vereinten Nationen (UN) haben vor einer Zunahme der Hungerkrise im Südsudan gewarnt. Hunderttausenden Kindern in dem Bürgerkriegsland drohe der Hungertod, erklärte das Hilfswerk Unicef am Freitag in Genf.

evangelisch.de

Mehr als eine Million Jungen und Mädchen im Südsudan seien akut unterernährt. Der UN-Sicherheitsrat in New York setzte den Konfliktparteien eine Frist bis Ende Juni, um die Kämpfe zu beenden. Ansonsten drohen Sanktionen. Das Welternährungsprogramm (WFP) betonte, dass mehr als sieben Millionen Menschen – über die Hälfte der Bevölkerung des Südsudans – auf Nahrungsmittel-Zuteilungen angewiesen seien.

Das WFP rief die Staatengemeinschaft zu mehr Hilfe auf. Bislang seien erst 37 Prozent der für den Südsudan dringend benötigten Summe von 354 Millionen US-Dollar (303 Millionen Euro) eingetroffen. Mit dem Geld will das WFP die Nahrungsmittelhilfe von Juni bis November finanzieren. Der UN-Sicherheitsrat forderte eine wirksame Waffenruhe bis Ende Juni.

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Schutz sexueller Identität soll ins Grundgesetz

Bisher fehlt der Diskriminierungsschutz für LGBTIs im Grundgesetz. Hier queere Menschen vor dem Brandenburger Landtag.Foto: imago/Martin Müller
Fünf Bundesländer, darunter Berlin, wollen den Schutz von sexueller und geschlechtlicher Identität im Grundgesetz verankern. Hintergrund sind unter anderem die zunehmenden Übergriffe gegen Homo- und Transsexuelle.

Von Tilmann Warnecke | DER TAGESSPIEGEL

In Deutschland gibt es zwar inzwischen die Ehe für alle. Alltagsdiskriminierungen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen sowie trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTI) hören dadurch aber nicht automatisch auf. Um diese Gruppe besser zu schützen, hat Berlin jetzt mit Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz und Thüringen einen Antrag auf eine Grundgesetzänderung in den Bundesrat eingebracht.

Der im Artikel Drei der Verfassung verankerte Diskriminierungsschutz soll um die sexuelle und geschlechtlichen Identität ergänzt werden. Aktuell heißt es dort, dass niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf.

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Computermodell bietet Lösung für 17-weibliche-auf-einen-männlichen-Vorfahren-Rätsel an

Tian Chen Zeng, Marcus Feldman und Alan Aw. Bild: Marcus Feldman / Stanford University
Stanford-Wissenschaftler weisen nach, dass eine Kombination aus Patri-Clans und Kriegen zum „neolithischen Y-Chromosomen-Flaschenhals“ vor fünf- bis siebentausend Jahren geführt haben könnte

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Ein an der nordkalifornischen Eliteuniversität Stanford forschendes Wissenschaftlerteam hat in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature eine Studie veröffentlicht, die ein Problem löst, das seit seiner Entdeckung 2015 nicht nur Vorgeschichtler und Humangenetiker beschäftigt: Es geht um den „neolithischen Y-Chromosomen-Flaschenhals“, der vor fünf- bis siebentausend Jahren in der männlichen Abstammungslinie der Menschheit auftrat.

Damals verringerte sich die genetische Diversität bei den Y-Chromosomen in Europa, Asien und Afrika drastisch. So drastisch, dass das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Stammeltern schließlich bei 17 zu 1 lag.

Flaschenhälse in Abstammungslinien sind in der Biologie nichts Ungewöhnliches. Oft gehen sie mit Wetter- oder anderen Naturkatastrophen einher. Aber ohne menschlichen Eingriff betreffen sie im Regelfall sowohl männliche als auch weibliche Vorfahren. Das ist ein Hinweis darauf, dass der neolithische Y-Chromosomen-Flaschenhals kulturelle Ursachen oder Mitursachen haben könnte.

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Bayerische Theologen unterstützen Kreuz-Erlass

Das Kreuz mit den Religionen
Nun erntet er Lob: Rund 80 Theologen, die in Bayern lehren oder von dort stammen, unterstützen den Kreuz-Erlass von Ministerpräsident Markus Söder. „Wir erklären, dass wir für jedes in öffentlichen Räumen sichtbare Kreuz dankbar sind“.

DOMRADIO.DE

Das schreiben sie in ihrer Ökumenischen Erklärung unter www.kreuzerlass.de, die sie am Freitag Markus Söder überreichen wollten. „Denn das Kreuz steht für die in Gott gründende Würde des Menschen, die eines der wesentlichen Würdefundamente ist und die unsere Demokratie nicht aus sich selbst hervorzubringen vermag.“ Auch Kants Vernunftreligion komme nicht ohne Gott aus.

Diese beiden Grundpfeiler mit ihrem sicheren Anker der unantastbaren Menschenwürde hätten auch die Gründerväter der deutschen und bayerischen Verfassung vor allem vor Augen gehabt, schreiben die Professoren und Hochschullehrer.

Unverständnis gegenüber Kritikern

Für sie sei es unverständlich, dass sich einige kirchliche Stimmen oder Organisationen mit den Laizisten, die die Kreuze schon lange zumindest aus öffentlichen Gebäuden verbannen wollen, solidarisierten, kritisieren die Verfasser. „Eine solche Haltung grenzt an Selbstaufgabe, was gerade die Menschen anderer Religionen nicht schätzen und viele Christgläubige befremdet.“

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