Das kan(ns)t du nicht ernst meinen – der Utilitarismus und seine Unbehagen


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Würden Sie Ihr eigenes Bein abschneiden, wenn es der einzige Weg wäre, das Leben einer anderen Person zu retten? Würden Sie jemanden foltern, wenn Sie dachten, es würde zu Informationen führen, die verhindern, dass eine Bombe explodiert und Hunderte von Menschen tötet?

Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Würden Sie ein Volk für eine begrenzte Zeit politisch unterdrücken, wenn dies das allgemeine Wohlbefinden der Bürger erhöhen würde? Wenn Sie diese Fragen bejahen, dann sind Sie vielleicht ein Utilitarist, das Moralsystem, das vom englischen Philosophen Jeremy Bentham (1748-1832) begründet und in dem Prinzip „das größte Glück der größten Zahl“ zusammengefasst wurde.

Der moderne Utilitarismus wird im berühmten Trolley-Gedankenexperiment exemplarisch dargestellt: Sie stehen neben einer Gabelung eines Gleises und einer Weiche, die einen Waggon umleitet, der fünf Arbeiter töten wird, es sei denn, Sie legen die Weiche um und leiten den Wagon in eine Nebenbahn, wo er einen Arbeiter töten wird. Die meisten Leute sagen, dass sie den Schalter umlegen würden – einen töten, um fünf zu retten. Das Problem des Utilitarismus zeigt sich in einem weiteren Gedankenexperiment: Sie sind ein Arzt mit fünf sterbenden Patienten und einer gesunden Person im Wartezimmer. Würden Sie die Organe des einen entnehmen, um die fünf zu retten? Wenn Ihre Antwort ja ist, sind Sie vielleicht ein psychopathischer Mörder.

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