
In Gaza verbrennt sich ein junger Mann aus Protest gegen die Hamas. Die Zahl der Selbstmorde nimmt zu. Doch in der muslimischen Gesellschaft sind sie ein Tabu.
Von Jochen Stahnke | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Am Samstag gegen Mitternacht ging Fathi Harb noch einmal aus dem Haus. Er wollte die fünfzig Schekel abholen, die ihm ein Bekannter schuldete. Der Bekannte hat ein Catering-Unternehmen, und wenn er Hilfe brauchte, dann schenkte Fathi Harb Tee auf Hochzeiten aus. Fünfzig Schekel sind zwölf Euro.
Harb war arbeitslos, manchmal fand er so einen Gelegenheitsjob für einen Tag. Es reichte kaum. Seine Frau war schwanger. Er komme bald wieder, sagte er ihr. Doch eine halbe Stunde später stand Harb auf der Hauptstraße, übergoss sich mit Benzin und zündete sich an. „Verdammt sei die Regierung“, schrie Harb, „verdammt sei die Regierung“ – so lange, bis er zusammenbrach. Die „Regierung“ ist hier in Gaza die islamistische Hamas.