Epigenetik und Krebs: Von Zellen, die ihr Gedächtnis verlieren


DNA auf einem Nukleosom. Die Epigenetik kontrolliert die dreidimensionale Verpackung der DNA in der Zelle. Illustration: Christoph Bock
Wenn sich Zellen unseres Körpers ohne Rücksicht vermehren, dann entsteht Krebs. Dies kann genetische und epigenetische Ursachen haben

Christoph Bock | derStandard.de

Die Entstehung eines komplexen Organismus erfordert ein beeindruckendes Maß an Koordination und Kooperation der Zellen untereinander. Der menschliche Körper besteht aus etwa 30 bis 40 Billionen Zellen, die in vielfältiger Weise zusammenarbeiten, um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Diese Zellen folgen einem genetischen Programm der Spezialisierungen und Kooperation, welches kontrolliertes Wachstum ebenso vorsieht wie den geplanten Tod von Zellen, die nicht mehr gebraucht werden.

Diese Zusammenarbeit ist nur möglich, weil alle Zellen eines Körpers dasselbe Erbgut in sich tragen. Damit ist die Darwin’sche Selektion für einen evolutionären Moment außer Kraft gesetzt: Für das Überleben der gemeinsamen Gene spielt es keine Rolle mehr, ob eine Zelle sich selbst vermehrt oder ihre Schwesterzellen diese Aufgabe übernehmen. Daher konkurrieren die Zellen des Körpers nicht um knappe Ressourcen, sondern ergänzen und unterstützen sich gegenseitig. Ein komplexer Organismus mit hochspezialisierten Zellen kann so erst entstehen.

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