Die Nazikeule hilft nicht gegen Schweinepest


Die „Nazikeule“ auf einem Plakat bei einer Pegida-Demo 2015 Quelle: picture alliance / dpa
Das Wort „Keule“ ist zurück. Nicht nur in Mastbetrieben, sondern auch in Debatten: Wer an historische Wahrheiten erinnert, wird rasch als Troglodyt beschimpft, der die Stasi- oder Nazikeule schwingt.

Von Matthias Heine | DIE WELT

Mitten im Zeitalter der Hightechwaffen-Fantasien – der Stahlenkanonen, Virenattacken und Raketenschutzschilde – ist das zweiälteste Tötungswerkzeug der Menschheit zurückgekehrt: die Keule. Nicht nur als Mittel gegen Tierseuchen – das Verb keulen ist dank BSE, Schweinpest, und Vogelgrippe aus dem Spezialistenjargon der Amtstierärzte und Mastbetriebe ins Mediendeutsch gewuchert. Sondern auch als Totschlagargument zur Abwehr historischer Vergleiche: Wer andere darauf hinweist, dass ihre Wortwahl und ihre Denkmuster angebräunt sind, wird geblockt mit dem Vorwurf, er schwinge die Nazikeule.

Als Martin Walser die Moralkeule beschwor

Die Nazikeule ist ein naher Verwandter der Auschwitzkeule. Beide Neuwörter sind seit etwa 2000 häufiger im Gebrauch. Sie sind Konkretisierungen der Begriffs Moralkeule, den Martin Walser 1998 in seiner berühmt-berüchtigten Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche benutzt hatte.

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