Die USA inspirierten Hitlers Juristen


Die Nationalsozialisten studierten nicht nur die rassistischen Südstaaten, sondern die Rassengesetze aller Bundesstaaten. Quelle: Neues Volk. Blätter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP 4, Nr. 3 (1936), S. 14; mit freundlicher Genehmigung der University of Michigan Library.
Der Historiker James Q. Whitman zeigt, wie die Nationalsozialisten zu Beginn ihrer Herrschaft versuchten, von rassistischer Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten zu lernen. Für Vernichtungskrieg und Holocaust benötigten sie allerdings keine Vorbilder. Dies war allein ihr Werk – und ihre Verantwortung.

Thomas Speckmann | Neue Zürcher Zeitung

Dieses Buch lädt zum Missbrauch geradezu ein – wenn auch unfreiwillig. Der Autor ist über jeden Zweifel erhaben. James Q. Whitman ist Professor für vergleichendes und internationales Recht an der Yale-Universität und gilt als einer der angesehensten Rechtshistoriker der Vereinigen Staaten. Aber dieses Buch erscheint in einer Zeit, in der es zwangsläufig Munition liefert: für krude Thesen von Rechts wie von Links. Da ist etwa Alexander Gauland, AfD-Vorsitzender und Fraktionschef im Deutschen Bundestag, der gerade behauptete, Hitler und die Nazis seien nur ein «Vogelschiss» in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte. Oder da ist der frühere SPD-Chef Martin Schulz, der dem neuen amerikanischen Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, vorwirft, sich nicht wie ein Diplomat, sondern wie ein «rechtsextremer Kolonialoffizier» zu benehmen.

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