Selahattin Demirtaş: Aus der Zelle gegen Erdoğan


ap/hdp Wahlkampf vom Gefängnis aus: Selahattin Demirtaş ist seit November 2016 wegen Terrorvorwürfen in einem Hochsicherheitsgefängnis in Edirne in Untersuchungshaft. Der früher Kovorsitzende der Partei der Demokratischen Völker (HDP) verlor seine Immunität als Parlamentsabgeordneter. Er tritt zum zweiten Mal bei Präsidentenwahlen gegen Tayyip Erdoğan an.
Der inhaftierte Kurdenpolitiker führt seinen Wahlkampf über Twitter. Sehr zum Ärger des amtierenden Staatschefs

Markus Bernath | derStandard.at

Der Wasserkocher ist sein bester sonderbarer Freund geworden. Keine Wunderlampe, an der Selahattin Demirtaş reiben könnte, um aus seiner Zelle im Hochsicherheitsgefängnis von Edirne im europäischen Teil der Türkei zu entkommen. Aber doch ein Werkzeug, um sich über die Staatsmacht lustig zu machen. Die hält den charismatischen Oppositionspolitiker seit bald 20 Monaten in Untersuchungshaft und muss nun seine Präsidentschaftskandidatur hinnehmen.

Zwei Schüler sind diese Woche festgenommen worden, weil sie Demirtaş‘ Wasserkocher auf eine Hausmauer in Istanbul gezeichnet hatten. So wichtig ist das Haushaltsgerät mittlerweile geworden. Verbreitung von Terrorpropaganda lautet der Vorwurf gegen die Jugendlichen. Denn Demirtaş und seine prokurdische Minderheitenpartei HDP entscheiden bei den Wahlen am 24. Juni über Sieg oder Niederlage von Tayyip Erdoğan, dem autoritär regierenden Staatschef der Türkei.

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