Knobloch gegen Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten

Die freiheitliche Demokratie in Deutschland steht nach Einschätzung von Charlotte Knobloch vor einer Bewährungsprobe.

evangelisch.de

Denn mit der AfD stelle sich eine „offen rechtsextreme Partei“ zur Wahl, sagte die Präsidentin des Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bei einer Wochenendtagung der Evangelischen Akademie Tutzing zur studentischen NS-Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. In der politischen Diskussion werde man mit Aussagen überrascht, die noch vor einiger Zeit überhaupt nicht denkbar gewesen seien.

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Heavy Metal und Jesus: Kirche in Rio buhlt mit Rockmusik um Gläubige

Es geht um Gott und Gitarren, um Erlösung und Ekstase: In einem Slum in Rio predigt ein evangelikaler Pastor das Evangelium mit Hilfe von Metallica und Motörhead. In Lateinamerika sind die Freikirchen auf dem Vormarsch – nicht alle sind so liberal wie die Metal-Christen.

DOMRADIO.DE

Ein brachiales Gitarrenriff lässt die Wände erzittern. Laute Rockmusik schallt durch den Raum im ersten Stock eines verwahrlosten Gebäudes in der Favela Maré im armen Norden von Rio de Janeiro. Die Noten Heavy Metal, die Texte tiefreligiös. Rogério Santos holt eine Bibel hervor und beginnt zu beten. Während um ihn herum musikalisch die Hölle losbricht, richtet der Kuttenträger seine Worte gen Himmel.

Gotteshaus erinnert an Kellerclub

„In Maré gibt es ein großes Bedürfnis nach Spiritualität“, sagt der 47-Jährige. In der evangelikalen Kirche Metanoia (griechisch für Umkehr) findet er die beiden wichtigsten Dinge in seinem Leben: „Musik und Religion“.

Auf den ersten Blick erinnert das Gotteshaus eher an einen Kellerclub: Graffiti und historische Plattencover von den Ramones, Motörhead und Deep Purple zieren die Wände, in einer Ecke stehen leistungsstarke Lautsprecher, ein Schlagzeug und Mikrofone. An der Decke aber hängen Kreuze. Jemand hat „Jesus ist der Herr des Underground“ in weißer Farbe an die Mauer gesprüht. „Jesus hat gesiegt“, steht in einem an die Wand gelehnten Sarg.

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Orit Arfa: “Lasst euch nicht selbst im Stich!”

FRAUENMARSCH SPEECH – ORIT ARFA | Achgut.com

Ich wollte meine Rede unbedingt in Deutsch halten. Ich wollte Euch Deutschen sagen: wir sind verbunden.

Meine Freunde lachen mich aus: die Sprache die 6 Millionen Juden emordert hat. Auch die Familie meiner Großeltern. Ja, das war eine furchtbarer Teil in Eurer Geschichte, aber ich glaube wir können diesen Zeitabschnitt bewältigen. Aber wir müssen das zusammen tun. Juden und Deutsche. Israelis und Deutsche.

Ich wurde gewarnt: es gibt Antisemiten bei den Frauenmarsch! Neo-Nazis. Ihr benutzt mich als eine Jüdische Israelische Frau, euch zu helfen euer Image zu verbessern. Also, lass mich zu jedem Antisemiten hier sagen: Bleibt hier, hört meine Rede zu Ende. Und zum anderen: benutzt mich.

Ich hatte Glück, Leyla hat mir nicht gesagt, was ich sagen oder nicht sagen darf. Sie glaubt an Freiheit, besonders Meinungs-und Redefreiheit. Das ist eine Säule für eine freie Gesellschaft.

Vielleicht gibt es hier einige Leuten die Juden hassen, besonders auch in den Gegen-Demonstrationen. Was sollen wir tun? Einen Zaun errichten? Eine Plakat das sagt: Keine Antisemiten hier? Keine schlechte Idee. Ok?

Wenn das so wichtig ist Judenhasser hier zu verhindern, warum hat Kanzlerin Merkel so viele Antisemiten in dieses Land aufgenommen? Wo war der Zaun an den Grenzen? Warum hat die Polizei dort nicht geprüft wer antisemitisch ist und wer nicht? Vielleicht, ist es für diese Regierung nicht so wichtig Judenhass zu verhindern. Sie sagt nur so.

Und jetzt ich bin hier, in Berlin, in Deutschland, und habe Angst weil ich Jüdin bin. Weil ich eine Frau bin. Weil ich Islamkritischer bin.

Aktuelle Umfragen zeigen: die meisten „Flüchtlinge“ bringen Judenhass aus ihren islamischen, gewältigen Diktaturen mit. Aber wenn ihr sagt, was ich sage, dann seid ihr “Nazis”! Sprich gegen Islamischen Israelhass und auf die Übergriffe auf Frauen und du bist “Rassist”! In welcher Welt leben wir eigentlich?

Wenn in Deutschland heute Israelfreunde und Islamkritiker als „Nazis“ bezeichnet werden, dann hat Deutschland nicht das wichtigste aus der Geschichte gelernt.

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Gauck wirbt um Verständnis für restriktive Flüchtlingspolitik

In seiner Festrede zum Weihejubiläum des Wormser Doms betont Ex-Bundespräsident Joachim Gauck: „Entscheidungen des Abwägens“ in der Flüchtlingspolitik sollten auch für Christen nachvollziehbar und vertretbar sein.

DOMRADIO.DE

Altbundespräsident Joachim Gauck hat für ein „pragmatisches“ Vorgehen in der Flüchtlingspolitik geworben. „Um offen zu bleiben für Menschen in existenzieller Not, sind Begrenzungen für jene nötig, denen am aktuellen Aufenthaltsort keine Gefahr droht“, sagte Gauck am Samstagabend in Worms.

Gauck: Grenzen nicht für alle öffnen

Gerade Christen zeigten zwar eine große Bereitschaft, sich für Flüchtlinge einzusetzen und hätten oft moralische Bedenken gegen eine restriktive Flüchtlingspolitik. „Um aber unseren Staat und unsere Gesellschaft nicht zu überfordern und die Demokratie zu bewahren, kann Deutschland seine Grenzen nicht für alle öffnen“, sagte Gauck.

Die Politik müsse „auch steuern“ und letztlich auf die Zustimmung von Mehrheiten setzen, um handlungsfähig zu bleiben.

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Deutscher Bühnenverein: Kodex gegen sexuelle Gewalt

Der Deutsche Bühnenverein hat auf seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung in Lübeck einen Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch verabschiedet. Die Mitgliedstheater und Orchester sollen ihn in ihren Häusern kommunizieren und individuell weiterentwickeln, teilte der Bühneverein am Samstag in Lübeck mit.

evangelisch.de

„Dies ist kein Katalog, der menschliches Verhalten bis in den letzten Winkel hinein diktiert und ausleuchtet“, sagte Vereinspräsident Ulrich Khuon. Aber der Kodex solle die Theater und Orchester bestärken, mit allen Mitarbeitern immer wieder auszuhandeln, wie man miteinander umgeht und arbeitet.

Schleswig-Holsteins Kunstministerin Karin Prien (CDU) lobte die Initiative als „wichtiges Signal“. Der Bühnenverein habe damit „Machtmissbrauch und sexueller Belästigung auch im Kulturbereich den Kampf angesagt“.

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Wer Sonntags nicht in die Kirche geht sündigt

Wer die heilige Messe an einem Sonntag oder gebotenen Feiertag ohne schwerwiegeden Grund versäumt, begeht eine schwere Sünde, schreibt Erzbischof Cushley in einem Hirtenbrief.

kath.net

Leo Cushley, der Erzbischof von St. Andrews und Edinburgh, hat die Katholiken seines Erzbistums in einem Hirtenbrief an die Sonntagspflicht erinnert. Dies berichtet der Catholic Herald.

Die Teilnahme an der heiligen Messe an Sonntagen und gebotenen Feiertagen sei eine „ernste und bindende Pflicht“, schrieb Cushley in dem anlässlich des Fronleichnamsfestes verfassten Brief. Wer die Messe an diesen Tagen absichtlich versäume, begehe eine schwere Sünde.

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Ein Gentest kann die Chemotherapie ersparen

Hat der Brustkrebs noch nicht in die Lymphknoten gestreut, ist eine Chemotherapie nicht unbedingt nötig Quelle: Getty Images/Science Photo Library RF
Nach der Diagnose Brustkrebs folgt der Operation häufig eine belastende Chemotherapie. Dabei ist sie oft unnötig, wie ein Gentest zeigt. Er ist auch in Deutschland verfügbar, wird jedoch kaum angewendet.

Von Walter Willems | DIE WELT

Wird Brustkrebs diagnostiziert, beginnt für viele Patientinnen eine belastende Chemotherapie. Durch die starken Medikamente leiden sie oft unter Übelkeit, Mattheit und Haarausfall. Zudem haben sie ein erhöhtes Langzeitrisiko für Neuropathie, Herzschwäche und Leukämie.

Dabei ist die anstrengende Behandlung manchmal gar nicht nötig, wie Forscher nun festgestellt haben. Ob eine Chemotherapie sinnvoll ist, kann ein Gentest anzeigen, wie sie in einer umfassenden Studie zeigen.

Demnach profitieren Frauen mit hormonempfindlichem Brustkrebs, bei denen die Lymphknoten frei von Metastasen sind, nicht grundsätzlich von einer zusätzlichen Chemotherapie. Diese Fälle kann der Gentest identifizieren, wie Forscher im „New England Journal of Medicine“ schreiben. In Deutschland könnte dadurch eine Chemotherapie pro Jahr rund 10.000, möglicherweise sogar bis zu 20.000 Frauen erspart bleiben.

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Vogelfeder und Vogelflug durch die Brille des Kreationismus

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Warum die Kritik an der Evolution scheitert. Ein Kommentar zu: ‚Wort und Wissen‘ Special paper B-17-1

Hansjörg Hemminger | AG EvoBio

Bei dem Ende 2017 erschienenen „Special Paper“ zur Evolution des Vogelflugs handelt es sich um eine Fleißarbeit, die auf 117 Seiten eine Vielzahl von Informationen bietet. Thematisch spannt es den Bogen von der Anatomie und Physiologie der Vogelfeder über historische und neue Hypothesen zur evolutionären Entstehung von Federn und Vogelflug bis zu grundsätzlichen Überlegungen zur Methode der Modellbildung in der biologischen Evolution. Der Zweck des Papiers ist, mit der von WORT UND WISSEN bekannten argumentativen Strategie die Evolution von Vogelfeder und Vogelflug als unwahrscheinlich darzustellen. Die funktionell-morphologischen Zusammenhänge werden in Belege für ihren Kreationismus – genau genommen für „Intelligent Design“ – umgemünzt. Diese Zielsetzung wird bereits in der Einleitung (S.4) formuliert:

 

„Die Möglichkeit einer Schöpfung – einer willentlichen, zielorientierten Hervorbringung durch einen geistbegabten Schöpfer – kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die Festlegung auf den naturalistischen Ansatz, wonach nur Naturgesetze, Zufall und plausible Randbedingungen in Erklärungen zugelassen, ist wissenschaftstheoretisch nicht zu rechtfertigen und führt zu Zirkelschlüssen. Zahlreiche Befunde im Bau von Federn und in der Fossilüberlieferung sowie das nachhaltige Scheitern naturalistischer Entstehungshypothesen zur Entstehung von Vogelfeder und Vogelflug können als Indizien für einen Schöpfer gewertet werden.“

 

Bemängeln als Grundton

Ein Merkmal der Argumentationsstrategie wird schnell offensichtlich: Eingestreut in die lexikalische Darstellung von Daten, Methoden und Theorien finden sich Bemerkungen dergestalt, dass eine komplizierte Struktur nicht überzeugend evolutionär ableitbar und eine hypothetische evolutionäre Entwicklung nicht zu belegen sei. Die Evolution der betreffenden Strukturen sei deshalb methodisch wie inhaltlich fragwürdig. Manche dieser Anmerkungen sind schon auf den ersten Blick abwegig, wie etwa auf S.32 die Feststellung, dass ein fossil bekannter Dinosaurier wegen seiner beachtlichen Größe „für eine stammesgeschichtliche Verbindung mit Vögeln … völlig ungeeignet“ sei. Diese Behauptung zielt nicht auf die Fakten, sondern auf die Intuition von Laien, die sich eine Abstammungsbeziehung von einem tonnenschweren Theropoden zu einer Blaumeise schwer vorstellen können. Zu fossilen Indizien für die Entstehung der Vogelfeder wird im Fazit JUNKERs gesagt:

„Die größte Vielfalt an unterschiedlichen, z. T. heute nicht mehr vorkommenden Integumentanhängen (Dino-Flaum, bandartige Federn, Konturfedern) ist entgegen der evolutionären Logik gerade zu Beginn der fossilen Überlieferung der betreffenden Formen verwirklicht.“

Sollte der Befund so sein wie behauptet, stünde dem keinerlei evolutionäre Logik entgegen (falls damit theoretische Schwierigkeiten gemeint sind). Er spräche eher für als gegen eine stammesgeschichtliche Ableitung der Vogelfeder von solchen Integumenten.

Unsachgemäße Kritik tritt immer dann gehäuft auf, wenn JUNKER die Hypothese diskutiert, dass der aktive Vogelflug sich bei gleitfliegenden, baumbewohnenden Theropoda entwickelt habe. Da diese Hypothese viel für sich hat (JUNKER zitiert die entsprechende Literatur selbst), wirken die in Tab.2 aufgelisteten Gegenargumente an den Haaren herbeigezogen. Zum Beispiel liest man dort: „Gleitflug ist eher ein gegenüber dem Schlagflug abgeleitetes Verhalten.“ Angesichts der Tatsache, dass es zahlreiche Wirbeltiergruppen gibt, die konvergent zu Gleitfliegern wurden und von denen keine aktiv flugfähige Vorfahren hat, ist diese Aussage mehr als irreführend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass gleitfähige, kleine Theropoden aktiv fliegende Vorfahren hatten. Die einzige Begründung, die sich im Text findet, lautet, dass sich unter den aktiv fliegenden Vögeln einige Gruppen auf den Gleit- und Segelflug spezialisierten, ohne die aktive Flugfähigkeit aufzugeben. Richtig ist, dass segelfliegende Vögel auch gleiten, das heißt passiv in einem flachen Winkel abwärts segeln können. Von einem aus dem Schlagflug „abgeleiteten“ Verhalten zu sprechen, ist so unsinnig wie zu behaupten, der vierfüßige Gang sei gegenüber dem aufrechten Gang des Menschen ein evolutionär abgeleitetes Verhalten, weil Menschen (wenn es sein muss) sich auch auf allen Vieren fortbewegen können.

JUNKER nimmt dieses Argument selbst nicht ernst, denn ansonsten argumentiert er umgekehrt, nämlich dass sich aus dem Gleitflug der aktive Flug nicht habe entwickeln können. Unter anderem dient dem ein Argument, das lautet: „Bereits Gleitflug benötigt Kontrollmechanismen.“ Dass das Gleiten bestimmte motorische Fähigkeiten erfordert, ist selbstverständlich, die übrigens bereits für Baumbewohner erforderlich sind, die aktive Sprünge im Geäst ausführen. Doch warum sollte ein noch sehr rudimentärer Gleitflug Kontrollmechanismen benötigen, die über das hinausgehen, was bereits im Verhaltensrepertoire der Theropoden angelegt ist? Menschen sind keine Flieger, stammen aber von baumbewohnenden Primaten ab: Sie können problemlos lernen, mit Gleitschirmen und Drachen umzugehen, ohne dass dafür neue Hirnstrukturen nötig wären. Nichts spricht gegen eine Entwicklung von sprungfähigen Baumbewohnern zu Gleitfliegern und, über weitere funktionale Stufen, zum aktiven Flug.

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Missing Link: Wie die ESA-Sonde Gaia die Astronomie revolutioniert

Künstlerische Darstellung der Gaia-Sonde im All (Bild: ESA/ATG medialab – ESO/S. Brunier)
Seit anderthalb Monaten ist der zweite Datensatz des Weltraumteleskops Gaia öffentlich. Die Daten revolutionieren die Astronomie, aber wenige bekommen es mit.

Alderamin | heise online

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit spielt sich derzeit eine Revolution in der Astronomie ab. Verantwortlich ist die Raumsonde Gaia und die Veröffentlichungspraxis ihrer Daten. Damit rollt die ESA-Sonde die Astronomie neu auf. So richtig los ging es erst Ende April mit der Veröffentlichung des 2. Datensatzes (Gaia Data Release 2, DR2), einem riesigen 3D-Himmelsatlas. Allein im Mai sind rund 100 Arbeiten mit direktem Gaia-Bezug eingereicht worden. Auch wenn noch viel mehr zu erwarten ist, lohnt eine Einordnung und ein erster Blick auf Gaia.

Gaia wurde konstruiert, um mehr als eine Milliarde Sternpositionen (Fachbegriff: Örter), Sternfarben sowie Entfernungen und Geschwindigkeiten für möglichst viele Objekte präzise zu messen. Diese Vermessung des Himmels wird als Astrometrie bezeichnet.

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Drogenkoordinator: „Cannabis-Freigabe wäre Angleichung an Realität“ in Österreich

foto: corn Die Drogenszene habe man laut Koordinator Ewald Lochner gut im Griff, das habe auch mit Maßnahmen wie der Wohnungsversorgung zu tun.
Der Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen in Wien, Ewald Lochner, über den Sinn von Verboten und die Drogenpolitik der Bundesregierung

Interview Lara Hagen | derStandard.at

Über das Alkoholverbot am Praterstern wollte er eigentlich nicht sprechen, weil alles gesagt sei. Unterhalten solle man sich laut Ewald Lochner lieber über psychische Erkrankungen: Er wünscht sich in den nächsten Jahren einen anderen gesellschaftlichen Umgang und will mit neuen und verbesserten Angeboten dazu beitragen.

STANDARD: In Wien gibt es etwa 70.000 Alkoholkranke. Am Praterstern saßen 60 bis 100 Leute mit problematischem Alkoholkonsum, jetzt gibt es ein Verbot. Ist das eine Maßnahme à la „aus den Augen, aus dem Sinn“?

Lochner: Wenn das Konsumverbot eine alleinige Maßnahme wäre, dann wäre das so. So wollen wir aber nicht mit Menschen umgehen, deswegen sind bereits begleitende Maßnahmen medizinischer und sozialarbeiterischer Natur für suchtkranke Menschen gesetzt worden. Sehr viele Bürger kommen am Praterstern vorbei, wenn da permanent rundum was passiert und das auch durch mediale Berichterstattung reproduziert wird, dann sinkt das subjektive Sicherheitsgefühl.

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Erdoğan will wegen Moscheenschließungen „Maßnahmen ergreifen“

Der Westen müsse seine Leute zur Ordnung rufen, meint der türkische Präsident

derStandard.at

Die Entscheidung Österreichs, Moscheen zu schließen, bringe die Welt in Richtung eines Krieges zwischen Kreuzrittern und Halbmond, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Samstagabend bei einem Fastenbrechen. Der Westen selber müsse seine Leute zur Ordnung rufen. Wenn das nicht geschehe, würden die Rechnungen „auf andere Art beglichen“.

„Was also? Sie wollen unsere Religionsvertreter aus Österreich hinauswerfen. Glaubt ihr, wir werden tatenlos zusehen, wenn ihr das macht? Das heißt, wir werden auch Maßnahmen ergreifen“, sagte Erdoğan laut türkischen Medienberichten.

«So wird Rassismus wissenschaftlich legitimiert»

Hautfarbe, Alter, Geschlecht, Bildung, Wohnort…; diese Jugendlichen in der Pariser Banlieu würde jede Prognosesoftware für Straftaten in die vorderen Ränge hieven. Das halten Juristen für problematisch. (Bild: Jacques Brinon / Keystone)
Wie korrelieren Autofarbe und Steuerhinterziehung? Justiz und Polizei greifen vermehrt auf statistische Prognoseinstrumente zurück. So lieferten wir den Rechtsstaat den Algorithmen aus, sagt die niederländische Rechtswissenschafterin Mireille Hildebrandt.

Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Frau Hildebrandt, ein Zeitdiagnostiker hat prognostiziert, der Computer werde bald den Richter ersetzen. Ist das alarmistische Science-Fiction?

Nein, wir bewegen uns in diese Richtung. In den USA und in vielen Staaten Europas benutzen Justiz und Polizei zunehmend Programme. Wer aufgrund der Prognosen als verdächtig oder rückfallgefährdet gilt, wird überwacht, muss länger ins Gefängnis und bekommt keine Bewährungshilfe.

Das heisst: Menschen werden vermehrt nicht mehr für Taten bestraft, die sie begangen haben, sondern für Taten, die sie begehen könnten?

Man kann es so sehen. Die Fairness wird mit Füssen getreten. Wir sind daran, unseren Rechtsstaat Computerspezialisten und Ingenieuren auszuliefern.

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Wie kam Anis Amri ums Leben?

Sattelzug, mit dem Anis Amri, den Anschkag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verübte. Bild: Emilio Esbardo / CC BY-SA 4.0
In den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen zum LKW-Anschlag von Berlin kommen immer mehr Fragen und Widersprüche auf

Thomas Moser | TELEPOLIS

Wie kam der mutmaßliche Attentäter vom Breitscheidplatz in Berlin ums Leben und warum dort, wo er starb? Stimmen die Abläufe zu dem Anschlag, dem am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen zum Opfer fielen, so wie sie offiziell dargestellt werden? In den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen (PUA) brechen immer mehr Fragen auf, auch solche, die als beantwortet galten.

Vor allem der Obmann der Bündnisgrünen im PUA des Bundestages, Konstantin von Notz, lenkte den Fokus in der jüngsten Sitzung auf den Tod von Anis Amri und den Ort, wo der mutmaßliche Attentäter am 23. Dezember 2016, vier Tage nach dem Anschlag, von italienischen Polizisten erschossen wurde: in der Nähe des Bahnhofes Sesto San Giovanni bei Mailand.

Das ist weniger als zwei Kilometer von der Stelle entfernt, wo am 18. Dezember 2016 jener Sattelschlepper mit Stahlträgern beladen worden war, ehe er nach Deutschland fuhr, und den Amri dann am 19. Dezember auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gelenkt haben soll. Der Täter kehrt zu dem Ort zurück, wo seine Tatwaffe „LKW“ ihren Ausgang nahm. Zufall oder Zusammenhang? Wusste Amri das? War er schon einmal dort gewesen?

Für den Abgeordneten von Notz jedenfalls ein hinterfragungswürdiger Sachverhalt. Der Sonderermittler der nordrhein-westfälischen Landesregierung von 2017, Bernhard Kretschmer, meinte, es könne Zufall sein, möglicherweise habe Amri aber den Weg schon öfter genommen, „als Beifahrer oder Drogenkurier“. Beantworten müsse das letztlich die Behörde des Generalbundesanwaltes, die die Ermittlungen führt.

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Auslandsfinanzierungen der Moscheen in Deutschland können nicht verboten werden, liegt auch an den Kirchen

Bundesweit erste Drei-Religionen-Schule wird in Osnabrück eröffnet

Der Islamwissenschaftler Rohe sieht eine übergroße Islamskepsis als Grund. Die Auslandfinanzierung von Moscheen auch in Deutschland zu verbieten, sei unmöglich. Das liege auch an der Rolle der christlichen Kirchen.

katholisch.de

Der Erlanger Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe sieht die neuen Schritte Österreichs gegen den „politischen Islam“ kritisch. Die am Freitag angekündigte Schließung von sieben Moscheen und die Ausweisung türkischer Imame gemäß neuem Islamgesetz zeige „eine etwas überschießende, möglicherweise auch gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßende Gesetzgebung“, sagte er am Freitag der Deutschen Welle. Dahinter stehe die „politische Grundrichtung einer großen Islamskepsis“.

Österreichische nicht mit deutscher Rechtslage vergleichbar

Die österreichische Entwicklung sei mit der deutschen Rechtslage im Grundsatz nicht zu vergleichen, so Rohe weiter.

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Evangelische Kirche: „Wir machen uns keine Illusionen, dass wir den Negativtrend aufhalten können“

Ein schwarzes und weißes Schaf dienen als Halter für Broschüren. (Foto: Catherina Hess)
  • Seit 2008 sind im Dekanatsbezirk München fast 50 000 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten.
  • Um dem Trend etwas entgegenzusetzen, gibt es seit zehn Jahren eine zentrale Eintrittsstelle in der Innenstadt.
  • Etwa jeder Dritte, der in die Kirche eintreten möchte, tut dies dort und nicht an einer Gemeinde.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche Zeitung

Die beiden Pfarrer gehen auch dorthin, wo niemand mit ihnen rechnet. Zum Christopher Street Day etwa, oder auf den Corso Leopold, das Kulturfest auf der Schwabinger Leopoldstraße. Dann suchen sie ihren Platz zwischen all den Ständen von Vereinen, Künstlern und Parteien, zwischen Wurstbuden und Musikbühnen, und bauen ihren eigenen Pavillon auf, den dunkelroten mit dem Schriftzug „Kircheneintrittsstelle“. Und dort stehen Sabine Bleise-Donderer und Sebastian Kühnen dann und verteilen weiße Luftballons, auf denen „Gerne evangelisch!“ steht. Sie wollten ein Merkposten sein, sagt Kühnen. „Damit uns die Menschen sehen und sich denken: Da war doch noch was.“

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Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat keine Wahl

Die Champions League in der Kommentierung von Oliver Welke (links) und Oliver Kahn ist Geschichte. Jetzt verschwindet der…Foto: dpa
Zum gesellschaftlichen Auftrag gehört auch der kommentierte Transport rassistischer Botschaften. Und Sport als Gemeinschaftserlebnis. Ein Beitrag von ZDF-Intendant Thomas Bellut.

Von Thomas Bellut | DER TAGESSPIEGEL

Nationalismus, Polarisierung, Diskriminierung von Minderheiten, Populismus, Unversöhnlichkeit, das alles sind prägende politische und soziale Begleiterscheinungen unserer Gegenwart. Sachlichkeit, Seriosität, Abgewogenheit haben es zurzeit schwer im gesellschaftlichen Diskurs. Die Medien sind Teil dieser scharfen Auseinandersetzungen, sie transportieren Botschaften, sie werten, lassen zu oder weg. Sie sind auch Teil politischer Strategien, werden genutzt oder instrumentalisiert, um Aufmerksamkeit und Wirkung beim Wahlvolk zu erzielen.

Der öffentlich inszenierte Skandal wird zum wirkungsvollen Instrument populistischer Politiker. Im Bundestag werden junge Frauen mit Kopftüchern diskriminiert, im US-Wahlkampf Bürger mit mexikanischen Wurzeln, viele Beispiele aus Wahlkämpfen in Ungarn, der Schweiz oder Italien unterstreichen das Bild. Medien müssen, mehr denn je, ihre Position überprüfen und entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen: Anpassung der Inhalte an die Klientel bestimmter Parteien und Gruppierungen oder der anstrengende, journalistische Ansatz, eine Plattform für alle zu sein, möglichst objektiv und unabhängig, sich den Verlockungen des schnellen Urteils und der radikalen Meinung widersetzend.

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100 Prozent bio wäre mit weniger Fleisch und Verschwendung möglich

foto: apa / arno burgi 2017 wurde fast ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche von 23.000 Betrieben biologisch bewirtschaftet.
Keine Utopie, sondern durch einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln möglich: eine rein biologische Landwirtschaft in Österreich, sagt Ernährungsökologe Martin Schlatzer

Interview Julia Schilly | derStandard.at

Die Österreicher könnten nur von Biolebensmitteln leben. Das zeigt eine neue Studie vom Zentrum für Globalen Wandel der Universität für Bodenkultur (Boku) und vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) im Auftrag der Initiative „Mutter Erde“. Dafür müssten die Menschen aber ihren Lebensstil anpassen, sagt Studien-Co-Autor Martin Schlatzer.

Standard: Wie groß wären die errechneten Unterschiede zwischen dem Status quo und einer rein biologischen Landwirtschaft?

Schlatzer: Mit der aktuell überwiegend konventionellen Landwirtschaft werden etwa 10.827 Milliarden Kilokalorien pro Jahr produziert. Der Bedarf der 8,77 Millionen Österreicher liegt bei 6816 Milliarden Kilokalorien, wird also aktuell mehr als gedeckt.

Standard: Und bei einem 100-Prozent-Bio-Szenario?

Schlatzer: Reiner Biolandbau in ganz Österreich würde nach heutigem Wissensstand eine Energiemenge von 6600 Milliarden Kilokalorien pro Jahr liefern. Damit könnte eine flächendeckende biologische Landwirtschaft – mit dem gegenwärtigen Ernährungsstil – knapp nicht erfüllt werden.

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„Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen“

Gestopptes Fahrzeug, das drei Bomben geladen hatte.“ Bild: ISAF/CC BY 2.0
Der neueste Lagebericht für Afghanistan der Bundesregierung und eine Dokumentation der Antirassistischen Initiative

Peter Nowak | TELEPOLIS

Viel Konkretes ist bei der ersten Abgeordnetenbefragung der Bundeskanzlerin nicht herausgekommen. Es seien zu viele Fragen gestellt wurden und daher waren die Antworten erwartbar unkonkret, lautet die Kritik.

Und doch könnte die Antwort auf eine Frage dafür sorgen, dass Flüchtlinge aus Afghanistan noch mehr in der Angst leben müssen, in ihre Heimat zurück geschickt zu werden. Angesichts eines neuen Lageberichts aus dem Auswärtigen Amt ist Merkel der Meinung, dass die Gründe für die Einschränkung des Abschiebestopps entfallen.

Der neueste Lagebericht für Afghanistan wird sehr unterschiedlich bewertet. Diejenigen, die die afghanischen Flüchtlinge möglichst schnell abschieben wollen, stützen sich auf die Passage, „die keine systematische, staatlich organisierte Gewalt gegen die eigene Bevölkerung“ in Afghanistan mehr feststellt.

Vor diesem Hintergrund hatte die CSU bereits gefordert, den Abschiebestopp auf den Prüfstand zu stellen. Nun hat sich Merkel dem angeschlossen. In der SPD gibt es noch Widerspruch dazu. Doch, es gibt auch eine ganz andere Interpretation des Berichts. „Die Lage in Afghanistan bleibt desaströs“, lautet zum Beispiel das Fazit der Süddeutschen Zeitung, die an den noch als vertraulich eingestufen Bericht gekommen ist.

Das Auswärtige Amt hat einen neuen Bericht über die Lage in Afghanistan fertiggestellt. Demnach ist die Situation in dem Land nach wie vor desaströs, auf fast jede positive Entwicklung folgt ein Aber.

Süddeutsche Zeitung

Mitte Dezember 2016 haben die Massenabschiebungen von Geflüchteten aus Deutschland nach Afghanistan begonnen. Längst sind sie zur Routine geworden und die Kritik wie auch die Einschränkungen haben daran wenig geändert.

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Neue Regierung Spaniens schlägt Verfassungsreform vor

Die neue Regierung um den sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez geht einen weiteren Schritt auf die katalanischen Separatisten zu und will über eine Verfassungsreform hin zu einem Föderalstaat debattieren.

Neue Zürcher Zeitung

Die neue sozialistische Regierung Spaniens hat eine Verfassungsreform zur Lösung der Katalonien-Krise vorgeschlagen. Auf die Forderungen der katalanischen Separatisten könne man nicht nur mit Aufrufen zur Achtung der Gesetze reagieren, sagte die Ministerin für Territorialpolitik, Meritxell Batet.

Man müsse den Dialog zwischen Madrid und Barcelona fördern und über eine Verfassungsreform hin zu einem Föderalstaat debattieren. Ein solche Reform sei «dringend nötig, realisierbar und wünschenswert», ergänzte Battet am Samstag bei einer Veranstaltung in der katalanischen Hauptstadt Barcelona.

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Hakenkreuz-Glocke sorgt weiter für Aufregung

Themenbild. Hitlerglocke Herxheim am Berg. Bild: youtube/Screengrab: bb. Themenbild
Der Streit um die Hakenkreuz-Glocke in der evangelischen Michaelkirche im niedersächsischen Faßberg dauert an. Bei einer von rund 250 Menschen besuchten Bürgerversammlung am Freitagabend prallten in einer oft emotional geführten Diskussion die Meinungen aufeinander.

evangelisch.de

Hintergrund ist der Beschluss des Kirchenvorstandes, die Glocke aus dem Jahr 1938, die mit zwei Hakenkreuzen und einem Adler der Luftwaffe versehen ist, gegen eine neue Glocke auszutauschen. Daraufhin sammelte eine Initiative in der 6.100 Einwohner zählenden Gemeinde 1.600 Unterschriften für die weitere Nutzung der alten Glocke.

Die Glocke soll weiter läuten

Hans Stenmans, Sprecher der Gruppe Pro Glocke, forderte eine Kirchenmitgliederversammlung, in der die Teilnehmer über die Zukunft der Glocke entscheiden sollen. Im Jahr 2017 habe der Kirchenvorstand noch gesagt, dass die Glocke weiter läuten solle, kritisierte Stenmans. Rudolf Hensch von der Interessengemeinschaft Erinnerungskultur hingegen sagte, es sei unerträglich, dass unter dem Symbol einer Ideologie, die die Welt ins Verderben geführt habe, das Vaterunser gebetet werde.

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