Heavy Metal und Jesus: Kirche in Rio buhlt mit Rockmusik um Gläubige


Es geht um Gott und Gitarren, um Erlösung und Ekstase: In einem Slum in Rio predigt ein evangelikaler Pastor das Evangelium mit Hilfe von Metallica und Motörhead. In Lateinamerika sind die Freikirchen auf dem Vormarsch – nicht alle sind so liberal wie die Metal-Christen.

DOMRADIO.DE

Ein brachiales Gitarrenriff lässt die Wände erzittern. Laute Rockmusik schallt durch den Raum im ersten Stock eines verwahrlosten Gebäudes in der Favela Maré im armen Norden von Rio de Janeiro. Die Noten Heavy Metal, die Texte tiefreligiös. Rogério Santos holt eine Bibel hervor und beginnt zu beten. Während um ihn herum musikalisch die Hölle losbricht, richtet der Kuttenträger seine Worte gen Himmel.

Gotteshaus erinnert an Kellerclub

„In Maré gibt es ein großes Bedürfnis nach Spiritualität“, sagt der 47-Jährige. In der evangelikalen Kirche Metanoia (griechisch für Umkehr) findet er die beiden wichtigsten Dinge in seinem Leben: „Musik und Religion“.

Auf den ersten Blick erinnert das Gotteshaus eher an einen Kellerclub: Graffiti und historische Plattencover von den Ramones, Motörhead und Deep Purple zieren die Wände, in einer Ecke stehen leistungsstarke Lautsprecher, ein Schlagzeug und Mikrofone. An der Decke aber hängen Kreuze. Jemand hat „Jesus ist der Herr des Underground“ in weißer Farbe an die Mauer gesprüht. „Jesus hat gesiegt“, steht in einem an die Wand gelehnten Sarg.

weiterlesen