Jamaika: „Die Hunde fraßen die Köpfe der Verschütteten“


Der Untergang von Port Royal 1692 in der Rückschau Quelle: picture-alliance / Mary Evans Pi
Der Hafen Port Royal auf Jamaika war ein Eldorado für Piraten, Glücksritter und Prostituierte. Bis im Juni 1692 ein Erdbeben die Stadt zerstörte, als „göttliche Strafe“ für Sodom und Gomorra.

Von Florian Stark | DIE WELT

Obwohl in Port Royal auf Jamaika Ende des 17. Jahrhunderts kaum 10.000 Menschen lebten, galt die Hafenstadt als einer der reichsten Orte des Britischen Kolonialreichs. Das lag zum einen am einträglichen Zuckeranbau, zum anderen an der Nähe zu den Routen der spanischen Silberflotten, die englische Kaperfahrer geradezu magisch anzogen. Entsprechend gemischt war die Bevölkerung der Stadt: Piraten, Geschäftemacher, Glücksritter, Prostituierte und entwurzelte Sklaven.

So lag es für viele Zeitgenossen auf der Hand, dass es sich bei der Katastrophe vom 17. Juni 1692 (gregorianischer Kalender) um „das schreckliche Urteil Gottes“ handelte. Gegen 11.43 Uhr erschütterte ein schweres Erdbeben die Insel. Rund 780 Häuser Port Royals wurden zerstört. Anschließend traf ein Tsunami die Küste und riss die auf sandigem Untergrund errichtete Stadt in die Tiefe. Zwischen 1500 und 3000 Menschen sollen sofort, 3000 in den Ruinen durch Seuchen, Hunger oder Überschwemmungen den Tod gefunden haben.

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