Deutscher Humanistentag: Ohne Konfession, aber nicht ohne Glauben


In vielen Ländern werden Atheisten für Aktionen wie dieser am Brandenburger Tor verfolgt und inhaftiert. (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)
In Deutschland ist der Humanistische Verband die Organisation mit den meisten Mitgliedern. Demnächst begehen die Konfessionsfreien ihren Humanistentag. Dieses Treffen ist mehr als nur ein Kirchentag ohne Gott, sagt Verbandsmitglied Michael Bauer.

Michael Bauer im Gespräch mit Kirsten Dietrich | Deutschlandfunk Kultur

Kirsten Dietrich: Der Katholikentag ist gerade vorbei, da steht schon das nächste Treffen ins Haus: der Deutsche Humanistentag in Nürnberg am kommenden Wochenende. Nicht ganz so groß, nicht ganz so fromm vor allem, denn beim Humanistentag treffen sich konfessionsfreie und nichtreligiöse Menschen, solche, die in ihrer Weltanschauung und bei ihren Werten den Menschen sehr bewusst ins Zentrum stellen – deswegen auch die Selbstbezeichnung als Humanisten.

Im deutschen Grundgesetz werden Religionen und Weltanschauungen ja sehr bewusst nebeneinander gestellt, und unter den nichtreligiösen Weltanschauungen ist der Humanistische Verband Deutschland, HVD, die Organisation mit den meisten Mitgliedern – gut 20.000 – und einem interessanten Herangehen an das Leben ohne Religion: Der HVD sucht nämlich nach eigenen Formen, auch Ritualen, um seine Überzeugungen auszudrücken.

Eine Form davon ist eben der Humanistentag in Nürnberg.  Und was da gelebt und diskutiert wird, darüber habe ich vor dieser Sendung mit Michael Bauer gesprochen. Michael Bauer ist Vorstand des Humanistischen Verbandes in Bayern und als solcher auch Geschäftsführer des Humanistentages. Ich habe ihn gefragt, wie ich mir diesen Humanistentag vorstellen kann: als Kirchentag – nur ohne Gott?

„Nur einfach ohne Gott – das ist zu kurz gedacht“

Michael Bauer: Wenn man so will, kann man sich das schon so vorstellen. Also es ist auch ein Festival mit Kultur und mit Musik und mit Treffen von interessanten Menschen, mit Come-Togethers. Also man kann auch Freunde treffen, man trifft einfach Gleichgesinnte. Also das vereint sozusagen dann schon mit Kirchentagen oder dem Katholikentag. Nur einfach ohne Gott ist mir ein bisschen kurz, weil es geht ja um den Humanismus und nicht gegen Gott. Also das ist ja ein Unterschied, ob man für etwas ist, nämlich für Humanismus, oder gegen etwas, und wir sind für etwas, nämlich für den Humanismus.

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