Was die Verwüstungen lehrten


Magdeburg vor dem Fall. Im Mai 1631 wurde die Stadt von den kaiserlichen Heeren belagert und schließlich zerstört. Das grausige…Foto: picture alliance / akg-images
Das Trauma des Dreißigjährigen Krieges grub sich tief in die Psyche der Deutschen. Analyse und Ausblick und ein Hinweis auf den Nahen Osten.

Von Herfried Münkler | DER TAGESSPIEGEL

Legt man die relativen Verluste zugrunde, so hat der Dreißigjährige Krieg stärker in die demographische Entwicklung Deutschlands eingegriffen als die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts zusammen: Am Ende des Krieges war die Bevölkerungszahl in den Gebieten, die das heutige Deutschland ausmachen, um ein Drittel zurückgegangen, viele kleinere Städte waren entvölkert, ganze Dörfer verschwunden, zuvor blühende Landschaften auf Jahrzehnte hin verwüstet. Dieser Krieg hatte in der Psyche der Menschen ein tiefes Trauma hinterlassen. Es war dies freilich kein Trauma „der Deutschen“, denn die hatten, von einer schmalen Schicht abgesehen, noch kein nationales Kollektivbewusstsein. Das Trauma bezog sich vielmehr auf Dörfer, Städte und landesherrschaftliche Gebiete. Man betete zu Gott, dass sich derlei nicht wiederholen möge. Das Politische lag auf einer Ebene jenseits dieser Traumatisierungen: Schon bald nach Friedensschluss dachte man an einigen Höfen nämlich erneut über Krieg nach – freilich über einen, der schnell geführt und nach einer großen Entscheidungsschlacht wieder beendet wurde.

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