Nigerias Kampf um Land und Macht

foto: apa/afp/stefan heunis Auch Gotteshäuser sind vor den Angriffen der Viehhirten nicht gefeit. Dabei sind es auch die muslimischen Fulani, die ausgegrenzt werden.
In Zentralnigeria wurden seit Jahresbeginn hunderte Menschen ermordet, weit mehr als durch die Terrorgruppe Boko Haram

derStandard.at

Shetima Mohammed kann die Vorwürfe nicht mehr hören. Alleine im Bundesstaat Benue, der an das Nachbarland Kamerun grenzt und wo er Generalsekretär der Viehhalter-Organisation Miyetti Allah ist, sollen in nicht einmal fünf Monaten knapp 600 Menschen ermordet worden sein.

Das hat Gouverneur Samuel Ortom bekanntgegeben. Die Lesart ist dabei stets gleich. Viehhirten, die der ethnischen Gruppe der Fulani angehören und meist Muslime sind, ermorden sesshafte Bauern, die sich überwiegend zum Christentum bekennen. Daraus ist mittlerweile die Forderung entstanden, die Fulani zu einer internationalen Terrorgruppe mit dem Namen „Fulani Terrorists“ erklären zu lassen. An manchen Tagen sind nigerianische Zeitungen voll davon.

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Einstein gilt auch auf großen Skalen

Die Galaxie ESO 325-G004 wirkt als Gravitationslinse – und half damit bei der Überprüfung von Einsteins Relativitätstheorie © ESO, ESA/Hubble, NASA
Einstein behält Recht: Astronomen ist es gelungen, Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie erstmals auch für extragalaktische Entfernungen genau zu überprüfen. Demnach entspricht die Krümmung der Raumzeit durch Massen selbst in großem Maßstab bis auf wenige Prozent den Vorhersagen von Einstein. Spannend ist dies, weil eine Abweichung unter anderem erklären könnte, warum sich das Universum immer schneller ausdehnt, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein hat unsere Sicht auf Zeit und Raum verändert – und sie bildet bis heute die Basis unseres physikalischen Weltbilds. Bisher hat die mehr als 100 Jahre alte Theorie alle Tests mit Bravour bestanden, ob im Punkt der Zeitdehnung, des Äquivalenzprinzips oder der sogenannten lokalen Positionsinvarianz.

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So begleiten die Kirchen Konvertiten beim BAMF

© Bild: picture alliance/dpa/Daniel Karmann
Bei zum Christentum konvertierten Flüchtlingen überprüft das BAMF, ob ihre Taufe asyltaktisch motiviert sein könnte. Zur Anhörung dürfen eigentlich Seelsorger mit. In der katholischen Kirche klappt das, andere Konfessionen hatten in der Vergangenheit Probleme.

Agathe Lukassek | katholisch.de

Konvertieren manche muslimische Flüchtlinge in Deutschland zum Christentum, um ihre Bleibeperspektive zu verbessern? Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat die Aufgabe, das zu überprüfen. Die Kirchen halten es für sinnvoll, dass in solchen Fällen ein Seelsorger bei der Anhörung des Asylbewerbers anwesend ist. In der Praxis klappte das bisher nicht immer.

Anders als in Teilen der evangelischen Kirche hat die katholische Kirche in Deutschland nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten. Aus den Diözesen sei der Deutschen Bischofskonferenz kein Fall bekannt, in dem eine Begleitperson der Kirche bei einer Anhörung abgelehnt worden wäre, erklärte deren Sprecher Matthias Kopp am Montag gegenüber katholisch.de. Der evangelikale Dachverband „Netzwerk-M“ hatte berichtet, dass in der Vergangenheit manche Pastoren zugelassen worden seien, andere nicht.

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Von Männern, Mördern und Migranten

Foto: CC0 Creative Commons
Nicht erst seit dem Mord an Susanna stehen Migranten in Deutschland unter Generalverdacht. Dabei gibt es eine Tätergruppe, die für weitaus mehr Morde und Vergewaltigungen verantwortlich ist. Ein Kommentar

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Sollten wir konsequenter abschieben? War die Aufnahme hunderttausender Flüchtlinge ein Fehler? Muss Merkel weg? Seit der Ermordung der 14-jährigen Susanna durch einen irakischen Asylbewerber diskutiert Deutschland über den Zusammenhang von Migration und Gewalt.

Daran ist nicht alles falsch. Blickt man in die Polizeistatistiken, haben Vergewaltigungen und Tötungsdelikte in den vergangenen Jahren zugenommen. Migranten sind tatsächlich leicht überrepräsentiert – auch wenn Kriminologen diesen Umstand mehr auf die sozialen Lebensverhältnisse als auf die Herkunft zurückführen.

Der Blick in die Statistik verrät aber noch einen wesentlichen signifikanteren Zusammenhang. Eine Tätergruppe ist wesentlich stärker repräsentiert und schafft es dennoch seit Jahren von der Öffentlichkeit unbeachtet davon zu kommen. Zur Veranschaulichung eine kleine Auswahl an Fällen, die es seit der Ermordung von Susanna nicht auf Titelseiten schafften:

In Rösrath bei Köln tötet ein 89-Jähriger im Streit seine 88-jährige Ehefrau +++ In München wird ein 45-Jähriger zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, der versucht hatte, seine Ex mit dem Auto zu überfahren. +++ Im nordrhein-westfälischen Kleve beginnt die Verhandlung gegen einen 25-Jährigen, der seinen 77-jährigen Liebhaber mit Elektroschocker, Feuerlöscher und Küchenmesser zu Tode gefoltert haben soll +++ In Hamburg ermordet ein 61-Jähriger im Alkoholrausch seine Lebensgefährtin +++ In Tecklenburg bei Osnabrück erschießt ein Mann seine Ex-Frau und Mutter von vier Kindern +++ In Saarbrücken zertrümmert ein 40-Jähriger mit einer Axt den Schädel seiner Lebensgefährtin. Die fünf gemeinsamen Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren lässt er danach allein mit der Leiche ihrer Mutter +++ In Nürnberg ersticht ein 47-Jähriger seine 69-Jährige Mutter +++ Im Beisein der acht- und zwölfjährigen Söhne tötet in Winsen ein Mann seine Ex-Frau. +++ In Hagen nimmt das SEK einen 25-Jährigen fest. Er hatte seine Partnerin in den Hinterkopf geschossen.

Was diese Fälle vom Mord an Susanna unterscheidet: Keiner der mutmaßlichen Täter stammte aus dem Ausland. Sie alle waren Deutsche. Und dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit, an die wir uns schon sehr gewöhnt haben, dass sie uns kaum noch auffällt: Alle Täter waren Männer.

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Der ontologische Gottesbeweis

Bild: RDF
Schlussfolgerung aus dem bloßen Gedanken oder Begriff „Gott“ auf die Existenz Gottes.

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Der ontologische Gottesbeweis schlussfolgert aus dem bloßen Gedanken oder Begriff „Gott“ d. h. a priori, auf die Existenz Gottes. Anselm von Canterbury entwarf die erste und bekannteste Version des ontologischen Gottesbeweises:

(P1) Gott ist definiert als das vollkommenste Wesen, über das hinaus nichts Vollkommeneres gedacht werden kann.
(P2) Existenz ist eine vollkommenheitsfördernde Eigenschaft. D. h.: Wenn man zwei Wesen X und Y hat, die sich in allen Eigenschaften gleichen, abgesehen davon, dass X existiert und Y nicht, dann ist X vollkommener als Y.
(P3) Wenn Gott nicht existieren würde, könnte man sich vorstellen, dass er vollkommener wäre, als er ist (P2). Das steht im Widerspruch zu (P1).
(K) Also: Gott existiert.

Dieses Argument ging in die Annalen der Philosophiegeschichte ein. Es wurde u. a. von René Descartes und Kurt Gödel rezipiert und neu formuliert. Die Bezeichnung „ontologisch“ stammt von Immanuel Kant, der Anselms Beweis auch gleich einer vernichtenden Kritik unterzog.

Anselm von Canterbury

Der Erzbischof Anselm von Canterbury war davon überzeugt, dass sich die Existenz und die Eigenschaften Gottes nicht nur in den heiligen Schriften offenbaren, sondern auch durch die Vernunft beweisen lassen. Dieser Beweis findet sich in drei sehr kurzen Kapiteln seines Werkes Proslogion, von denen hier das erste vollständig wiedergegeben werden soll:

„Herr, der du dem Glauben die Einsicht verleihst, verleih mir also, daß ich, soweit du es für nützlich erachtest, verstehe, daß du bist, wie wir glauben, und das bist, was wir glauben! Und zwar glauben wir, daß du etwas bist, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Oder existiert etwa demnach ein solches Wesen nicht, weil der Tor in seinem Herzen sprach: Es existiert kein Gott? Aber gerade auch der Tor, wenn er eben das vernimmt, was ich aussage als etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, versteht gewiß das, was er vernimmt; und was er versteht, ist in seinem Verstande auch wenn er nicht versteht, daß es existiert. Denn es ist eines, daß etwas im Verstande ist, ein anderes, zu verstehen, daß etwas existiert. Wenn nämlich ein Maler zuvor denkt, was er zu schaffen beabsichtigt, hat er zwar im Verstande, versteht aber noch nicht, daß existiert, was er noch nicht geschaffen hat. Wenn er aber bereits gemalt hat, hat er sowohl im Verstande als er auch versteht, daß existiert, was er bereits geschaffen hat. Also sieht auch der Tor als erwiesen an, daß etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, zumindest im Verstande ist, weil er das, wenn er es vernimmt, versteht und weil alles, was verstanden wird, im Verstande ist. Und gewiß kann das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht allein im Verstande sein. Denn wenn es auch nur allein im Verstande ist, kann gedacht werden, daß es auch in Wirklichkeit existiert, was größer ist. Wenn also das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, allein im Verstande ist, ist eben das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, eines, über das hinaus Größeres gedacht werden kann. Das aber ist doch unmöglich der Fall. Es existiert also ohne Zweifel etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, sowohl im Verstande als auch in Wirklichkeit.“
Anselm von Canterbury: Proslogion, S. 51 f.

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Verborgene Wärmequellen unter Nordbayern?

Warum ist der Untergrund unter Nordbayern ungewöhnlich warm? Eine Messkampagne soll dies nun klären. Hier der Blick vom Staffelstein in Franken. © Trollhead/CC-by-sa 3.0
Ungewöhnlich warm: Der tiefe Untergrund Nordbayerns ist stellenweise rund zehn Grad wärmer als normal. Doch warum das so ist und welche geologischen Mechanismen dahinter stecken, war bisher unbekannt. Jetzt soll eine Messkampagne das Rätsel lösen. Geologen werden ab Herbst den Untergrund mittels seismischer Analysen durchleuchten. Ihre Ergebnisse könnten nicht nur Aufschluss über die Ursache der Wärme liefern, sondern auch darüber, ob sich Geothermie in diesem Gebiet lohnt.

scinexx

Deutschlands Untergrund ist zwar in vielen Aspekten recht gut erforscht – aber längst nicht in allen. So weiß man beispielsweise, dass entlang des Oberrheingrabens, aber auch an der Schwäbischen Alb, am Vogelsberg und in der Eifel alte Verwerfungen und Vulkangebiete liegen. Sie können bis heute Erdbeben hervorrufen, aber auch warme Quellen speisen. Doch längst nicht alle Gebiete Deutschlands sind geologisch schon vollständig erkundet – und einige sorgen bis heute für Überraschungen.

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Todesstrafe: Was die Henkersmahlzeit mit Ehrenmorden gemein hat

„Wie ängstet sich die Brust der Menge für den Übeltäter“, erkannte Goethe – Darstellung einer Exekution aus dem 19. Jahrhundert Quelle: UIG via Getty Images/Christophel Fine Art
Noch immer werden jährlich Tausende zum Tode verurteilt. Seit Urzeiten kommen dabei Rituale zum Einsatz, um die Zustimmung des Opfers zu erlangen: durch ein gutes Mahl oder einen „Gnadenschuss“.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Die Todesstrafe ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Aber ihr Fortschritt reichte bislang nicht aus, jene endgültig zu bannen. Nach der Todesstrafen-Statistik von Amnesty International sind es nach der Gesetzesänderung in Nauru und Benin inzwischen 141 Staaten, die das Todesurteil in Gesetz und Praxis abgeschafft haben. Auch sei die Zahl der vollstreckten Urteile von 1634 in 2015 auf 1032 gesunken, heißt es. Dafür aber stieg die Gesamtzahl der Todesurteile von 1990 auf 3117. Doch was so absolut klingt, sind höchstens Näherungswerte. Allein für China dürften in der Statistik Tausende Fälle fehlen.

Erst im Februar 2017 wurde bekannt, dass in Vietnam in den vergangenen drei Jahren mindestens 429 Menschen hingerichtet wurden, wesentlich mehr als bislang angenommen. Und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Wiedereinführung der Todesstrafe zum Programm erhoben, womit er in der islamischen Welt im Übrigen nicht allein steht. Iran (567), Saudi-Arabien (154), Irak (88) und Pakistan (87) stehen für 87 Prozent aller bekannt gewordenen Hinrichtungen.

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Mythos Verwandtenehe

Cousin und Cousine: Charles Darwin machte sich zeitlebens Sorgen, dass sich seine Ehe mit seiner Cousine Emma Wedgwood negativ auf…Bilder: akg-images/Mauritius
In Berlin-Neukölln sterben vergleichsweise viele Säuglinge. Verwandten-Partnerschaften sollen der Grund sein – eine These ohne Grundlage.

Von Susanne Donner | DER TAGESSPIEGEL

Etwa drei von tausend Neugeborenen sterben in Berlin im ersten Lebensjahr. Einzig in Neukölln sind es statistisch fast doppelt so viele – etwas mehr als fünf von tausend Babys. So steht es im Gesundheitsbericht „Zur gesundheitlichen Lage von Menschen mit Migrationshintergrund“ (Der Tagesspiegel berichtete, PDF des Gesundheitsberichts hier). Zu den Ursachen dieser Häufung nennt der Bericht zwar viele Mutmaßungen, aber kaum Belege. Laut Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) könne „die schlechte soziale Lage mit Blick auf andere soziale Brennpunkte nicht die einzige Ursache sein.“ Vielmehr könne auch „die Häufung von Verwandtenehen“ aufgrund des hohen Anteils türkisch- und arabischstämmiger Personen im Bezirk ein Grund sein. Er beruft sich dabei auf „Gespräche, die er mit Ärzten“ geführt habe. Das geht in die gleiche Richtung wie eine Anfrage der AFD im Bundestag im April, wie sich „die Zahl der Behinderten seit 2012 entwickelt“ habe, „insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen“.

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Deutschland ist Doppel-Weltmeister im Fußball – RoboCup-WM

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)
Ungewöhnlich ruhig verlief der letzte Tag der RoboCup-WM. Die Roboter spielten teilweise vor fast leeren Zuschauertribünen – trotz spannender Finalpartien.

Hans-Arthur Marsiske | heise online

Was auch immer die genauen Gründe waren: Der RoboCup 2018 zählt sicherlich nicht zu den Glanzstücken der Eventorganisation. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Notwendigkeit, das Geschehen in die eigenen Hände zu nehmen, scheint die Gemeinschaft der Teilnehmer noch mehr zusammengeschweißt zu haben. Insofern hat der RoboCup in Montréal gezeigt, dass er auch nach 22 Jahren immer noch eine lebendige Initiative voller Energie und Kreativität ist.

Das kam auch auf den Spielfeldern und in den Arenen zum Ausdruck – und teilweise sogar außerhalb: Als die Roboter der RoboCup@home League in einem richtigen Restaurant, aber mit vorbereiteten Testpersonen, zeigen sollten, wie gut sie die Aufgaben eines Kellners erfüllen können, wurden sie auch von ganz normalen Gästen herangewunken – und bedienten sie.

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Dem Katholizismus droht die ewige Ruhe

Der prächtigen Gestaltung des Innern zum Trotz ziehen die katholischen Kirchen in der Schweiz immer weniger Gläubige an. (Bild: Selina Haberland / NZZ)
Zehntausende werden in Genf Papst Franziskus zujubeln. Doch solche Bilder täuschen über die tiefe Krise der Schweizer Kirche hinweg. Besserung ist nicht in Sicht.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Ihre Stimmen sind kräftig. Die spirituellen Lieder, die sie singen, füllen den Innenraum des öffentlichen Busses. Dutzende junge Priester sind zur Einsetzung des neuen Bischofs gekommen. Lässig ist ihr Auftreten. Selbstbewusst und schnittig. Die restlichen Passagiere müssen ob der Gesangsdarbietung lächeln. Können sich solche Szenen heute im Oberwallis abspielen? Oder im Freiburgischen? Es ist schwer vorstellbar. In der ganzen Schweiz gibt es bloss 50 Priester unter 40 Jahren. Der Auftritt der extrovertierten Nachwuchskleriker im Bus fand kürzlich auf einer Insel Kroatiens statt – in einer Gegend, wo der Katholizismus noch lebendig und selbstverständlich ist.

Energie werden auch die 40 000 Gläubigen ausstrahlen, die am Donnerstag Papst Franziskus in Genf zujubeln. Doch solche Bilder können nicht über den Zustand des Schweizer Katholizismus hinwegtäuschen. Schleichend verliert die Volkskirche an Bedeutung.

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Australien will Beichtgeheimnis bei Missbrauch kippen: Kinderschutz, Kirchenrecht und Kommissionen

Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke

Können Priester dazu verpflichtet werden das Beichtgeheimnis zu brechen, um Missbrauchsfälle aufzuklären? Diese Frage treibt derzeit Gesellschaft und Kirche in Australien um, denn hier kollidieren Kirchenrecht und politischer Wille.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Mehrere australische Bundesstaaten wollen katholische Priester per Gesetz dazu verpflichten, Fälle sexueller Übergriffe zu melden, die ihnen in einer Beichtsituation mitgeteilt wurden. Es ist kein Zufall, dass der Streit in Australien um das Beichtgeheimnis ausgerechnet in dieser Zeit entbrannt ist, sondern eine Folge des dortigen Missbrauchsskandals. Was genau war denn der Auslöser?

Anian Christoph Wimmer (Deutschland-Korrespondent der Catholic News Agency): Eine massive Welle von Missbräuchen hat das Land dermaßen erschüttert, dass die damalige Premierministerin Julia Gillard im Jahr 2013 eine „Royal Commission“ eingerichtet hat. Das ist eine Kommission mit höchstrichterlichen Möglichkeiten. Die hat vier Jahre lang untersucht, wie in allen staatlichen, gesellschaftlichen und  kirchlichen Institutionen, in Sportvereinen oder beim Militär sexueller Missbrauch möglich war und stattgefunden hat. Die Kommission hat zigtausende Anrufe behandelt und tausende Zeugenaussagen gehört. Sie hat am Schluss einen ganzen Katalog von Maßnahmen vorgeschlagen.

Eine davon ist, dass das sakramentale Siegel des Beichtgeheimnisses bei Missbrauch gebrochen werden muss, wie übrigens auch das Schweigeprivileg der Ärzte oder anderer Berufsgruppen. Auch die können sich nicht mehr darauf berufen und dürfen nicht mehr schweigen. Sie müssen – und so ist die Empfehlung, die jetzt umgesetzt werden soll – Missbrauchsfälle der Polizei melden.

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Die Plastiklawine rollt jetzt rückwärts

Düstere Aussichten: Ein Strand in Libanon ist vollkommen verdreckt von Plastikmüll. Bild: dpa
Seitdem China die Grenzen für Plastikmüll aus dem Ausland geschlossen hat, herrscht große Not. Wohin nur mit dem ganzen Abfall? Die neuesten Zahlen lassen nur eine Option zu.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Plastiklawine rollt weiter, und sie rollt jetzt mit Wucht rückwärts: Als China zum Jahreswechsel ein Importverbot für industriellen Plastikmüll in Kraft gesetzt hat, ging das noch im internationalen Politikchaos unter. Als dann wenig später die Europäische Kommission ihre Plastikstrategie vorgestellt und angekündigt hatte, Strohhalme, Wattestäbchen und Plastikgeschirr bald verbieten und die Recyclingquote dringend steigern zu wollen, zuckten einige zusammen und stimmten das alte Klagelied von der „Brüsseler Verbotskultur“ an. Es blieb beim leisen Grollen. Doch das Donnern der Lawine ist am am Industriehimmel inzwischen unüberhörbar. Es droht der Plastikkollaps. Die passenden Zahlen dazu lieferte jetzt das Wissenschaftsmagazin “Science Advances“.

Ohne China, vor allem aber ohne schnelle eigene Gegenmaßnahmen der Industrienationen, könnte der weltweite Plastikmüllhandel zusammenbrechen, die Verschmutzung der Meere und Böden weltweit in kürzester Zeit explodieren.

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In Indien droht eine Trinkwasserkatastrophe

Das Flussbett des Yamuna bei Wazirabad. Foto: Gilbert Kolonko
Nach einem Regierungsbericht werden 40 Prozent der Bevölkerung bis 2030 keinen Zugang zu Trinkwasser haben, wenn nicht gehandelt wird

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Indien liefert einen Ausblick darauf, was dank der kapitalistischen Überausbeutung der Ressourcen und der Klimaerwärmung in vielen Ländern droht: extreme Wasserknappheit und Dürre, bei gleichzeitiger Verschwendung, weil viel Wasser verloren geht. Und das sagen nicht Umweltschützer, sondern das steht in einem gerade veröffentlichten Bericht der indischen Regierung.

Schon im Vorwort des Berichts, an dem drei Ministerien beteiligt waren, heißt es dramatisch, wenn auch verklausuliert: „Es ist besorgniserregend, dass 600 Millionen Menschen in Indien mit extremem Wasserstress im Land zu tun haben. Dreiviertel der Haushalte haben kein Trinkwasser in ihrer Wohnung. Weil 70 Prozent des Wassers verschmutzt ist, liegt Indien auf Platz 120 von 122 Ländern in dem Index für Wasserqualität. Jährlich 200.000 Menschen würden wegen des verschmutzten Wassers schon jetzt jährlich sterben.

Schnell wird aber die Verantwortung an die indischen Bundesstaaten verwiesen, die seien nämlich für das Wasser, für dessen optimale Nutzung und Recycling, verantwortlich. Das Problem müsse dringend angegangen werden, denn die Situation werde nur schlimmer. Indien stecke in der „schlimmsten Wasserkrise seiner Geschichte“. Das Grundwasser, das für 40 Prozent der Trinkwasserversorgung verwendet wird, werde viel zu schnell ausgebeutet, um sich wieder anfüllen zu können.

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Viren als Auslöser von Alzheimer?

Alzheimer ist die weltweit häufigste neurodegenerative Erkrankung – wird sie womöglich durch Viren ausgelöst? © Wildpixel/ istock
Virale Übeltäter: Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass Herpesviren an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein könnten. Sie wiesen im Gehirn verstorbener Patienten vermehrt Herpeserreger der Typen HHV-6A und HHV-7 nach. Die Gene dieser Viren scheinen mit menschlichen Risikogenen für Alzheimer zu interagieren, wie die Autoren im Fachmagazin „Neuron“ berichten – ein Indiz für eine potenzielle Beteiligung der Erreger an der Pathogenese.

scinexx

Die genauen Ursachen und Auslöser der Alzheimer-Erkrankung sind noch immer unbekannt. Klar ist zwar, dass eine gewisse genetische Veranlagung bei der Entstehung dieser Demenz mitmischt. Daneben könnten aber auch zahlreiche andere Faktoren eine Rolle spielen. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang beispielsweise der Einfluss von Rauchen, Stress, Ernährung und sogar Feinstaub und Aluminium.

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Could Self-Repairing ‚Star Wars‘ Droid L3-37 Come to Life? Not Quite

Phoebe Waller-Bridge plays L3-37 in „Solo: A Star Wars Story“ Credit: Lucasfilm
Is the newest droid in the „Star Wars“ universe the future of modern robotics?

By Chelsea Gohd | SPACE.com

In the recently released film „Solo: A Star Wars Story,“ the droid L3-37, also known as L3 or Elthree, showcased a unique set of traits among „Star Wars“ robots. The intelligent pilot droid is always changing, improving and repairing itself with found scraps from other bots. L3 is also one of the first bots in the „Star Wars“ franchise to bring feminine programming to a major role.

L3 is a hodgepodge of various droids and astromechs, which are robots typically used for repairs aboard starships in „Star Wars.“ She’s „a bit of a mutt,“ as the film’s creators said, according a new column published yesterday (June 20) in the journal Science Robotics. In this piece, Robin R. Murphy, an artificial intelligence and robotics expert and professor at Texas A&M University, discussed the potential applications of robots like L3 and how close we are to building one. [R2-D2 Gets Real: ‚Star Wars‘ Droids Already Exist]

In the article, Murphy described three main advantages that self-reconfigurable robots would have over traditional machines: They could make themselves more efficient at different tasks; they could be produced more cheaply than robots built for a singular set of tasks, and they could repair themselves and respond to any malfunction.

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Ein Jahr liberale Moschee in Berlin: Gründerin Ates zufrieden

Ein Jahr nach Gründung einer liberalen Moschee in Berlin zeigt sich Initiatorin Seyran Ates zufrieden: „Im Großen und Ganzen ist es eine Erfolgsgeschichte“, sagte die 55-jährige Rechtsanwältin der evangelischen Berliner Wochenzeitung „die Kirche“ (Ausgabe vom 24. Juni).

evangelisch.de

Es gebe zwar nach wie vor Anfeindungen, Gesellschafter seien ausgetreten und es hapere noch bei der finanziellen Unterstützung. Aber sie wolle „nicht jammern, so geht das halt vor sich“. Bei dem acht Jahre lang vorbereiteten Projekt sei letztlich alles so eingetreten, wie sie es sich vorgestellt habe. Für die Umsetzung solcher Ideen brauche es einen langen Atem.

Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee war Mitte Juni 2017 gegründet worden. In der Moschee in einem Raum einer evangelischen Kirchengemeinde im Stadtteil Moabit dürfen Frauen und Männer, Sunniten, Schiiten und Aleviten gemeinsam beten.

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Visegrad-Staaten erteilen Asyl-Sondergipfel eine Absage

Die Regierungschefs der Visegrad-Staaten haben sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz beraten. Hauptthema war die europäische Asylpolitik. Kurz betonte dabei die Wichtigkeit der geschützten Außengrenzen. Quelle: WELT
Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bezeichnete das Treffen am Donnerstag als „inakzeptabel“. Die EU-Kommission hatte ein Gipfeltreffen zwischen den Staats- und Regierungschefs mehrerer EU-Staaten angekündigt.

DIE WELT

Die vier Visegrad-Staaten Ungarn, Polen, Tschechien und Slowakei werden dem Asyl-Sondertreffen am kommenden Sonntag in Brüssel fernbleiben. „Wir fahren nicht“, sagte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban am Donnerstag nach einem Gipfeltreffen der mitteleuropäischen Staatengruppe mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. „Das einzige Forum, das zu Entscheidungen in der Migrationsfrage befugt ist, ist der Europäische Rat (der Staats- und Regierungschef) und nicht die Europäische Kommission.“ Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bezeichnete das Treffen als „inakzeptabel“.

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Wenn der Deutschlandfunk Jordan B. Peterson liest

Auf der Fahrt zu einem Hausbesuch, kurz nach sechzehn Uhr, da durfte ich es wieder einmal hören: Man muss den Deutschlandfunk nicht mögen, zuhören aber sollte man ihm. Es gibt Dinge, die darf man einfach nicht sagen, ohne dass der Deutschlandfunk geistigen Schluckauf bekommt. Beispielsweise darf Jordan B. Peterson offenbar nicht „Gott“ sagen: Gott taucht immer wieder in seinen Ausführungen auf. Der Glaube an seine Existenz wird vorausgesetzt. Für einen atheistischen Skeptizismus ist kein Platz. 

Jesko Matthes | Achgut.com

Wie neutral sich Peterson über seinen eigenen Glauben äußert, und dass er damit wohl niemand irgendeinen Glauben aufzwingen kann, ist dem Rezensenten des DLF nicht aufgefallen. Störend genug ist für ihn wohl schon, dass Peterson auch den Atheismus für einen Glauben hält. So geht es munter weiter: Wenn man das Leben als Leiden begreift, ist man laut Deutschlandfunk nicht möglicherweise Buddhist oder zitiert wenigstens die Erste Edle Wahrheit, sondern vollkommen unterbelichtet.

Der Psychoanalytiker und Schüler Sigmund Freuds, C.G. Jung, arbeitete mit den Archetypen und Mythen, auf die sich auch Jordan B. Peterson bezieht. Es sind jene Ur-Geschichten, die beinahe weltweit in irgendeiner Form überliefert sind, wahrscheinlich schon seit der Jungsteinzeit. Wenn man mit C.G. Jung diese Ur-Geschichten für bedeutender hält als rein soziale Erwägungen, wie sie in Deutschland die „Frankfurter Schule“ oder in Frankreich die „Dekonstruktivisten“ propagierten, dann ist man laut DLF „rechtskonservativ“, vor allem, wenn man diese Strömungen als das bezeichnet, was sie waren: neomarxistische Philosophenzirkel. Das ist natürlich mindestens ignorant (denn man müsste doch wenigstens „Adorno“ sagen!) oder gefährlich. Mit C.G. Jung sogar gefährlich in der Nähe von „Nazi“, denn das war C.G. Jung eine Zeit lang ja auch. Bis die Nazis ihn auf den Index setzten, weil er ihren eigenen germanischen Archetypen und Mythen zu nahe getreten war. Das allerdings erwähnt der Rezensent nicht.

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Rassismus unter dem Deckmantel der Religionskritik

Der Trend zur Ethnisierung der Religionszugehörigkeit und religiösen Aufladung ethnischer Zuordnungen hat zur Folge, dass das Muslim-Sein und das Deutsch-Sein zunehmend als Antagonismus angesehen wird.

Von Yasemin Shooman | Qantara.de

Am 14.3.2018 gab der Zentralrat der Muslime in Deutschland bekannt, seine Geschäftsstelle nach wiederholten Morddrohungen gegen den Vorsitzenden Aiman Mazyek und weitere Mitarbeiter zu schließen. Diese Nachricht ist nur die Spitze des Eisberges einer Serie von Übergriffen auf Muslime und ihre Gotteshäuser. Allein im Jahr 2016 zählten die deutschen Behörden 91 Angriffe auf Moscheen – also mehr als einen pro Woche.

Auch wenn die meisten dokumentierten antimuslimischen Straftaten von Rechtsextremen verübt werden, so sind ablehnende und abwertende Haltungen gegenüber Islam und Muslimen ein weitverbreitetes Phänomen, nicht nur in Deutschland, sondern in allen europäischen Ländern.

Dies belegen einerseits Analysen des politischen und medialen Diskurses, aber auch zahlreiche repräsentative Studien, die seit einigen Jahren Meinungen in der Bevölkerung abfragen. Rund 60 Prozent der Deutschen stimmen beispielsweise der Vorstellung zu, der Islam passe nicht in die westliche Welt[1], und 38 Prozent finden, wer ein Kopftuch trägt, könne nicht deutsch sein.[2] 2016 gab jeder Zweite an, sich durch Muslime „wie ein Fremder im eigenen Land“ zu fühlen.[3]

Auch vor der sogenannten Flüchtlingskrise hat es diese Ressentiments gegeben. In einer Untersuchung von Andreas Zick und Beate Küpper von der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2009 (veröffentlicht in 2011) befanden 44 Prozent der Befragten, dass zu viele Muslime in Deutschland leben.[4]

Für den europaweit erstarkten Rechtspopulismus besitzt die Islamfeindlichkeit eine hohe Bindekraft. Parteien wie die AfD, die Schwedendemokraten, der Front National in Frankreich, die FPÖ in Österreich, die SVP in der Schweiz, der Vlaams Belang in Belgien, die Freiheitspartei in den Niederlanden und die Lega Nord in Italien nutzen die Stimmung in der Bevölkerung, um sich und ihre Politik für die sogenannte Mitte der Gesellschaft anschlussfähig zu machen. Ihre Wahlerfolge zeugen davon, dass diese Strategie aufgeht. Die antimuslimische Rhetorik dient ihnen als Modernisierungsstrategie und hat die alte Parole „Ausländer raus“ vielfach abgelöst. Muslime werden dabei zur „unintegrierbaren“ Minderheit erklärt und als „Andere im Inneren“ Europas exkludiert.

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„Der Fehler der Kirche ist die Annahme, dass Europa christlich ist“

Kruzifix Saal 600

Der Fundamentalismusforscher Olivier Roy spricht im Interview mit der FR über die Kruzifix-Offensive nicht nur in Bayern.

Von Michael Hesse | Frankfurter Rundschau

Professor Roy, in Italien und Deutschland wird über Kruzifixe im öffentlichen Raum lebhaft debattiert. Man will, so die Befürworter, die jeweilige Identität stärken. War und ist Europa überhaupt christlich?
Früher war Europa christlich, die meisten Menschen praktizierten den Glauben und waren vor allem Gläubige. Natürlich gab es die Reformation, die dann zwei Christenheiten hervorbrachte. Europa war also lange Zeit christlich in religiöser Hinsicht. Seit den 60er Jahren haben die säkularen Werte wie sexuelle Befreiung, Abtreibung, Homo-Ehe die christlichen Werte säkularisiert. Noch zu Beginn der 60er gab es keine großen Unterschiede zwischen Gläubigen und Nicht-Gläubigen in Bezug etwa auf Geschlechtergleichheit, also dass Männer mehr Macht haben sollten als Frauen und diese zuallererst Mütter seien und für den Haushalt zu sorgen hätten. Diese Werte wurden allgemein geteilt. Gleiches gilt für das Bild der Familie oder dass sexuelle Freiheiten kontrolliert werden sollten. Erst seit den 60ern haben wir eine wachsende Kluft.

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