Australien will Beichtgeheimnis bei Missbrauch kippen: Kinderschutz, Kirchenrecht und Kommissionen


Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke

Können Priester dazu verpflichtet werden das Beichtgeheimnis zu brechen, um Missbrauchsfälle aufzuklären? Diese Frage treibt derzeit Gesellschaft und Kirche in Australien um, denn hier kollidieren Kirchenrecht und politischer Wille.

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DOMRADIO.DE: Mehrere australische Bundesstaaten wollen katholische Priester per Gesetz dazu verpflichten, Fälle sexueller Übergriffe zu melden, die ihnen in einer Beichtsituation mitgeteilt wurden. Es ist kein Zufall, dass der Streit in Australien um das Beichtgeheimnis ausgerechnet in dieser Zeit entbrannt ist, sondern eine Folge des dortigen Missbrauchsskandals. Was genau war denn der Auslöser?

Anian Christoph Wimmer (Deutschland-Korrespondent der Catholic News Agency): Eine massive Welle von Missbräuchen hat das Land dermaßen erschüttert, dass die damalige Premierministerin Julia Gillard im Jahr 2013 eine „Royal Commission“ eingerichtet hat. Das ist eine Kommission mit höchstrichterlichen Möglichkeiten. Die hat vier Jahre lang untersucht, wie in allen staatlichen, gesellschaftlichen und  kirchlichen Institutionen, in Sportvereinen oder beim Militär sexueller Missbrauch möglich war und stattgefunden hat. Die Kommission hat zigtausende Anrufe behandelt und tausende Zeugenaussagen gehört. Sie hat am Schluss einen ganzen Katalog von Maßnahmen vorgeschlagen.

Eine davon ist, dass das sakramentale Siegel des Beichtgeheimnisses bei Missbrauch gebrochen werden muss, wie übrigens auch das Schweigeprivileg der Ärzte oder anderer Berufsgruppen. Auch die können sich nicht mehr darauf berufen und dürfen nicht mehr schweigen. Sie müssen – und so ist die Empfehlung, die jetzt umgesetzt werden soll – Missbrauchsfälle der Polizei melden.

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