Der ontologische Gottesbeweis


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Schlussfolgerung aus dem bloßen Gedanken oder Begriff „Gott“ auf die Existenz Gottes.

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Der ontologische Gottesbeweis schlussfolgert aus dem bloßen Gedanken oder Begriff „Gott“ d. h. a priori, auf die Existenz Gottes. Anselm von Canterbury entwarf die erste und bekannteste Version des ontologischen Gottesbeweises:

(P1) Gott ist definiert als das vollkommenste Wesen, über das hinaus nichts Vollkommeneres gedacht werden kann.
(P2) Existenz ist eine vollkommenheitsfördernde Eigenschaft. D. h.: Wenn man zwei Wesen X und Y hat, die sich in allen Eigenschaften gleichen, abgesehen davon, dass X existiert und Y nicht, dann ist X vollkommener als Y.
(P3) Wenn Gott nicht existieren würde, könnte man sich vorstellen, dass er vollkommener wäre, als er ist (P2). Das steht im Widerspruch zu (P1).
(K) Also: Gott existiert.

Dieses Argument ging in die Annalen der Philosophiegeschichte ein. Es wurde u. a. von René Descartes und Kurt Gödel rezipiert und neu formuliert. Die Bezeichnung „ontologisch“ stammt von Immanuel Kant, der Anselms Beweis auch gleich einer vernichtenden Kritik unterzog.

Anselm von Canterbury

Der Erzbischof Anselm von Canterbury war davon überzeugt, dass sich die Existenz und die Eigenschaften Gottes nicht nur in den heiligen Schriften offenbaren, sondern auch durch die Vernunft beweisen lassen. Dieser Beweis findet sich in drei sehr kurzen Kapiteln seines Werkes Proslogion, von denen hier das erste vollständig wiedergegeben werden soll:

„Herr, der du dem Glauben die Einsicht verleihst, verleih mir also, daß ich, soweit du es für nützlich erachtest, verstehe, daß du bist, wie wir glauben, und das bist, was wir glauben! Und zwar glauben wir, daß du etwas bist, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Oder existiert etwa demnach ein solches Wesen nicht, weil der Tor in seinem Herzen sprach: Es existiert kein Gott? Aber gerade auch der Tor, wenn er eben das vernimmt, was ich aussage als etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, versteht gewiß das, was er vernimmt; und was er versteht, ist in seinem Verstande auch wenn er nicht versteht, daß es existiert. Denn es ist eines, daß etwas im Verstande ist, ein anderes, zu verstehen, daß etwas existiert. Wenn nämlich ein Maler zuvor denkt, was er zu schaffen beabsichtigt, hat er zwar im Verstande, versteht aber noch nicht, daß existiert, was er noch nicht geschaffen hat. Wenn er aber bereits gemalt hat, hat er sowohl im Verstande als er auch versteht, daß existiert, was er bereits geschaffen hat. Also sieht auch der Tor als erwiesen an, daß etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, zumindest im Verstande ist, weil er das, wenn er es vernimmt, versteht und weil alles, was verstanden wird, im Verstande ist. Und gewiß kann das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht allein im Verstande sein. Denn wenn es auch nur allein im Verstande ist, kann gedacht werden, daß es auch in Wirklichkeit existiert, was größer ist. Wenn also das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, allein im Verstande ist, ist eben das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, eines, über das hinaus Größeres gedacht werden kann. Das aber ist doch unmöglich der Fall. Es existiert also ohne Zweifel etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, sowohl im Verstande als auch in Wirklichkeit.“
Anselm von Canterbury: Proslogion, S. 51 f.

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2 Comments

  1. Kaum zu glauben, wie viel Energie vergeudet und welch verkomplizierter Aufwand betrieben wird um Schwachsinn beweisen zu wollen oder andererseits, zu versuchen ihn zu widerlegen.
    (Eigentlich ein Privileg des religiotischen Anteils der Gattung „Krone der Schöpfung“.) 😉

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  2. Gott ist logisch unüberbietbar als die ´Vollkommenheit alles Wahren`*, der Natur und deren Logik*, versteh- und denkbar ! Die Onto- und Phylogenese* beschreibt das genetisch und gen-ethisch so, wie die evolutionäre Erkenntnistheorie* es nachlesbar und antriebsdynamisch* beschreibt.Es gibt logisch nichts Sinnvolleres als die wachsenden Erkenntnisse als Bestanteil alles Wahren. S.d., bei Klausi und im Internet unter: klaus roggendorf + – *

    Die Gläubigkeiten* sind und bleiben die Basis allen Denkens und auch der Populismen* aller Art. Deshalb braucht es eine global-ethische erkenntnisstandgerechte Aufklärung*, Permanentdiskussion*, global- einheitliche Menschen- Rechte und -Pflichten*, denn der Mensch ist m Zentrum der Verfassung steht das nationale und heute auch das existentiell-globale und nachhaltige Gemeinwohl des Ganzen. Schon deshalb brauchen wir die Meinungsfreiheit – und deren Grenzen. Die Grenzen ergeben sich bestenfalls dabei ethisch und moralisch durch die sinnvollsten Argumente, und Maßstäbe im gesellschaftlichen Denken und Handeln für das nachhaltige Allgemeinwohl. Wenn jemand kurzsichtigen Unsinn meint verbreiten zu müssen, so braucht dieser argumentativ begründete Hilfe – für die jeder offen und konstruktiv verantwortlich sein sollte. Das Ideal wäre dann pansymiotisch – Jeder hilft jedem gewaltfrei bei der Menschwerdung, damit mit Menschen-Pflichten die , Menschen-Rechte und Meinungsfreiheit von unten durchgesetzt werden können.wissenschaftlich bewiesen und philosophisch nachvollziehbar noch auf dem Wege seiner gewaltfreien Menschwerdung*. Die unbewusst dominant wirksamen lebensschädlichen Antriebe* sind ethisch -moralisch reflektiert* entschärfbar. Mehr dazu im Internet unter > klaus roggendorf + *

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